Anleihemarkt

Spanische Renditen spielen verrückt

Die Nervosität am Anleihemarkt wächst von Tag zu Tag. Auch heute fallen die Kurse von spanischen Bonds. Die Renditen für fünfjährige Papiere sind sogar höher als für zehnjährige. Anleger fürchten eine baldige Pleite.
Update: 24.07.2012 - 12:53 Uhr 28 Kommentare
Trübe Aussichten für Spanien: Erstmals seit 2001 rentierten fünfjährige Anleihen wieder über langfristigen Papieren. Quelle: dapd

Trübe Aussichten für Spanien: Erstmals seit 2001 rentierten fünfjährige Anleihen wieder über langfristigen Papieren.

(Foto: dapd)

LondonDie Renditen fünfjähriger spanischer Papiere lagen zeitweise bei 7,45 Prozent - und damit höher als die zehnjährigen (7,436 Prozent). Üblicherweise erhalten Anleger für Anleihen mit einer kürzeren Laufzeit weniger Rendite als für Langläufer. Kehrt sich dies um, deutet das in der Regel darauf hin, dass das Risiko für einen Zahlungsausfall an den Märkten höher eingeschätzt wird. So wie nun im Falle Spaniens. Eines jedenfalls steht. Sollten die Renditen für spanische Staatspapiere weiter so hoch bleiben, werden die Südeuropäer ihre Schulden kaum zurückbezahlen können.

Im Handelsverlauf stieg die Zehnjahresrendite dann aber weiter und stärker als die der fünfjährigen. Zuletzt rentierten die Langläufer bei mehr als 7,5 Prozent. Auch Bonds aus Italien gerieten nach anfänglichen Kursgewinnen unter Abgabedruck, die Renditen stiegen markant. Bei italienischen Papieren mit Laufzeit von zehn Jahren kletterte die Rendite um 12 Basispunkte auf 6,41 Prozent. Bei spanischen Papieren ist es der fünfte Tag mit Kursverlusten in Folge. Auch bei einer Auktion kurlaufender Anleihen am Vormittag musste Spanien den Investoren höhere Zinsen bieten als zuletzt. Der spanische Aktien-Leitindex notierte 2,2 Prozent schwächer.

Spaniens Schuldenlast in den Regionen sorgt für immer weitere Verwerfungen. Bonds der Region Katalonien verloren weiter an Wert, nachdem Vertreter der Regionalregierung in Barcelona ankündigten, den Rettungsschirm der Regierung möglicherweise in Anspruch zu nehmen. Die Regionen haben von der Zentralregierung bereits zwei Mal seit Jahresbeginn Hilfen erhalten. Valencia hatte in der Vorwoche als erste Region angekündigt, den Rettungstopf der Regierung anzuzapfen.
Die Eurokrise greift derweil weiter um sich. Investoren verkauften auch Bundesanleihen. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten um sieben Basispunkte höher bei 1,24 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future sank um 67 Basispunkte ab auf 144,88 Prozent. Auch bei niederländischen Staatsanleihen erhöhte sich die Rendite deutlich und stieg um acht Basispunkte auf 1,70 Prozent.

Die Ratingagentur Moody's Investor Service hatte in der Nacht auf Dienstag den Ausblick für Anleihen Deutschlands, Luxemburgs und der Niederlande auf “negativ” gesenkt und dies mit der “wachsenden Unsicherheit” angesichts der Schuldenkrise in Europa begründet.
Die Entscheidung von Moody's zu “Luxemburg, die Niederlande und Deutschland” übe Druck auf die Bunds aus, sagte Christian Reicherter von der DZ Bank AG in Frankfurt. Mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung gebe es keine guten Nachrichten. Für den spanischen Staat werde es mit Sicherheit teurer, Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen, ergänzte Reicherter.
Zehnjährige US-Treasuries dagegen waren kaum verändert, die Rendite sank um einen Basispunkt auf 1,44 Prozent. Am Montag war die Rendite der Treasuries zeitweise auf ein Rekordtief von 1,3960 gesunken. Zum Vergleich: In den vergangenen zehn Jahren lag die Rendite der Treasuries durchschnittlich bei 3,76 Prozent, zeigen Bloomberg-Daten.


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28 Kommentare zu "Anleihemarkt : Spanische Renditen spielen verrückt"

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  • Ausgehend von dem Pfad, auf dem Spanien derzeit ist, wird es seine Schulden sowieso niemals zurückzahlen können. Selbst dem größten Dummkopf müsste es mittlerweile eigentlich klar sein, dass die Politik, die Griechenland in den Totalruin führte, Spanien nicht erblühen lassen kann.

    Spanien soll zur Peseta zurück kehren und sich im Innern ein Beispiel an der Politik der jetzigen französischen Regierung nehmen - alles andere kann Spanien nicht einmal theoretisch aus der Krise führen.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    http://www.freegermany.de/apokalypse20xx.html

  • Die Umkehr der Zinssätze bei Lang- und Kurzläufern deutet - wie auch schon bei Griechenland - den kommenden Zusammenbruch des Systems an. Bislang hatte die spanische Regierung darauf gesetzt, sich durch niedrig verzinste Kurzläufer liquide zu halten, um nicht jahrzehntelang hochprozentige Langläufer bedienen zu müssen. Diese Option schließt sich nun. Die Investoren gehen zunehmend davon aus, dass Spanien seine Finanzen aus eigener Kraft nicht mehr kontrollieren kann. Ein Bailout kündigt sich an. Das Land wird vom freien Finanzmarkt abgeschnitten.

    Was bedeutet das? Spanien wird versuchen, unter den Rettungsschirm zu kommen. Dieser ist aber nicht groß genug für eine wirkliche längerfristige Finanzierung des Landes. Gleichzeitig werden die Bürger des Landes, wie schon die Griechen, ihre Konten räumen, gigantisch Summen strömen ins Ausland und werden spanische Banken kollabieren lassen. Dem kränkelnden Immobilensektor
    wird zudem vollends der Boden entzogen - ein weiterer schwerer Schlag für die Banken und Hausbesitzer. Im Bankenbereich dürfte der Abschreibungsbedarf bis zu einer Billion betragen. Die in der Mache befindliche Bankenrettung von 100 Mrd. Euro ist da ein Witz! Die Regierung und die Regionen sind komplett zahlungsunfähig. Allein die 25 Prozent an Arbeitslosen kosten den spanischen Staat jährlich mehr als 100 Mrd. Euro - Tendenz steigend! Kein Rettungsschrim kann das auffangen, zumal es bald keine Geberländer mehr geben wird. Italien geht ebenfalls am Stock und wird mit leichter zeitlicher Verzögerung ebenfalls Hilfen benötigen. Zypern, Portugal, Irland, Griechenland und mehrere ehemalige Ostblockländer sind bereits zahlungsunfähig. Die Fortführung des Projekts Euro ist kompletter Irrsinn! Wir brauchen schnellstmöglich wieder für alle Länder nationale Parallelwährungen. Der Euro ist gescheitert, die EU mit ihren Allmachtsphantasien ebenfalls.

  • Liebe Leute, von einem "Verrücktspielen" der Renditen kann überhaupt nicht die Rede sein. Vielmehr kommen die Südländer schlicht und einfach wieder in der Wirklichkeit ganz normaler Zinssätze an. Daß sie diese früher ganz selbstverständlich vom Markt geforderten Sätze nicht mehr in der Lage sind zu stemmen, zeigt nur das wahnwitzige Ausmaß der Verschuldung an. Die Märkte spielen nicht verrückt, sie verhalten sich angesichts der Probleme geradezu träge!

  • Spanische Banken ? Sollen sie doch crashen. Gerade am letzten Wochenende war wieder zu sehen, daß die Santander Bank einer der Hauptsponsoren der Formel 1 ist. Dies ist dann indirekt der ganz persönliche Rettungsschirm für Bernie Ecclestone, einen Multimilliardär. Der brauchts halt und wenn es dann noch alternativlos ist, was soll Mutti auch sonst machen mit unseren Steuergeldern?

  • Richtig. Auch ich mache seit 1994 Geschäfte in Spanien und da ist schon seit Jahren Feierabend. Ausser entfesseltem Konsum wurde auch in der Boomzeit (1995-2005)nichts Nachhaltiges auf die Beine gebracht. Iberische Piratenhalbinsel halt. Alles Lug und Trug dort, Korruption, Diebstahl, etc ... die Liste wäre endlos. Aber noch Schlimmer ist, dass man dort nichts verstanden hat, gar nichts, man würde, hätte man wieder 1995, alles wieder GENAUSO machen. Proteste gibts nur, weils an den eigenen Geldbeutel geht. Europa hat fertig. Wer in der Welt rumkommt, weiss, wie dekandent Europa ist, in allen Bereichen. Das fängt bei der verlogenen "political correctness" an und hört beim asozialen Umgang mit den Mitmenschen auf. Die aussichtslose Finanzkrise ist nur ein Teil davon. Die gnadenlose Ausbeutung der Völker beschrängt sich nicht nicht nur auf die europäischen Völker, sie wurde seit vielen Jahrhunderten von den Europäern in die GANZE Welt exportiert und jetzt sind wir mal dran (wir waren schon des óftern dran: Pest, 30 jähriger Krieg, Weltkriege, etc. Rette wer sich retten kann. Das geht ganz übel aus.

  • Ich befürchte dass Sie nicht Recht haben. Zumal auch Deutsche Politiker Angst vor den Konsequenzen haben. Aber Angst ist eben ein schlechter Ratgeber und so wird wohl eher Geld gedruckt bis der Arzt kommt. Dies im Verbund mit der Einführung von Eurobonds, Konsumzusammenbruch (hervorgerufen durch immer höhere Steuerbelastungen)und Wirtschaftskollaps.

  • Die EU-Währungsunion wird in wenigen Wochen Geschichte sein - was wir gerade sehen ist der unaufhaltsame tägliche
    Zerfallsprozess der sich auch in Schäubles Gehirn abspielt.

  • Das Problem ist fast immer dasselbe: Lange will man es nicht wirklich wahrhaben und wenn die Misere dann eintritt wird maßlos übertrieben.

    Das bläht erstens das Problem noch weiter auf, als eh schon gediehen ist, und dann zieht es dann um so schneller in die Abwärtsspirale.

    Spaniens dienstl.orientierter und immob.lastiger Wirtschaftserfolg verliert mit dem Platzen gleich 2 rießige Säulen. Der Kreislauf mit den maßlos überteuerten (teils EU-subventionierten) Immobilien und der Konsum bricht zusammen, da Arbeitslose diesen nunmal nur wenig ankurbeln können.

    Dazu kommt eine andere Mentalität und nicht deckungsgleiche Werte über alle Euroländer, was nichts Verwerfliches ist. Jeder tickt nunmal etwas anders.

    Das funktionierte deshalb auch, so lange man sich in unterschiedlichen Währungssystemen bewegte. Ein gemeinsames Währungssystem setzt aber auf Dauer auch weitgehend deckungsgleiche Werte als Basis voraus, damit nicht das passiert, was nun eingetreten ist.

    Auf Dauer kann damit eine Lösung nur sein, dass die Länder mit weitgehender Werteüberdeckung eine eigene Währung erhalten, d.h. jedes Werte-Cluster erhält sein für seine Werte passendes Währungssystem.

    => Das läuft m.E. mindestens auf die bereits vorgeschlagenen Nord- und Süd-Euro-Währungen hinaus. Anders kommen wir m.E. nicht auf einen grünen Zweig und für eine Wiedereinführung der DM gibt es zu viele in Euroland, die im selben Boot sitzen.

  • No mercy, ein Jahrzehnt voll aus dem Billigzinstopf geschöpft, gierige Immobilienblase kreiiert, arrogant Gewinne gezählt, sich nicht nur in der politischen Klasse rechter und linker Hand des Ebro masslos ungerechtfertigt bereichert, Strukturreformen in den Wind geschrieben, Jugend vernachlässigt. War doch alles offensichtlich. Warum hob keiner warnend die EU-Fingergriffel? .
    Jetzt sollen brave, nördlich residierende Restvandalen das Chaos richten .

    Ob wir aus den Ereignissen die richtigen Schlüsse für zukünftige Generationen ziehen ?. Ich glaub eher nicht.
    GR alleine verschlingt mit einer quasi null Industrie hunderte von MRD ( bisher ). Und Spanien? Billionen ?
    Armes Deutschland, arme EU. Potemkin lebt.

  • „Dies ist eine Marktkorrektur„.
    Richtig! Nur können sich Länder wie Italien, Portugal, Griechenland oder Spanien im Verbund mit dem EURO, wo eine Geldwertkorrektive Inflation, für diese Länder, nicht machbar ist, eben diese höheren Zinsen nicht leisten. Italien hat unter Craxi sogar noch viel höhere Zinsen auf seine Staatsanleihen bezahlt, hat dies aber immer durch Inflation wieder ausgeglichen.
    Leittragende waren immer die Sparer.

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