Anleihen
Anleger bleiben extrem nervös

Die Anleihen der beiden Krisenstaaten Irland und Portugal bleiben unbeliebt. Die Folge: Die Renditen kletterten wieder auf ihre Höchststände seit Bestehen des Euro-Raums. Angst macht zudem, dass auch Spaniens Bondmarkt zunehmend von der Krise angesteckt wird.
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FRANKFURT. Die Investoren an den Anleihemärkten lassen sich nicht beruhigen. Gestern im frühen Handel gab es zwar zunächst einige Käufer für die Anleihen aus Irland und Portugal - im Tagesverlauf versuchten die meisten Anleger aber wieder, sich von den ungeliebten Bonds der Krisenstaaten zu trennen. Die Folge: Die Renditen kletterten wieder auf ihre Höchststände seit Bestehen des Euro-Raums. Zehnjährige irische Anleihen wurden über das Bloomberg-System zeitweise mit Renditen von knapp neun und portugiesische mit knapp 7,3 Prozent gehandelt.

Regelrecht Angst macht Experten wie Jaques Cailloux, Europa-Chefvolkswirt der unter der irischen Bankenkrise leidenden Royal Bank of Scotland, dass auch "Spaniens Bondmarkt zunehmend von der Krise in Irland und Portugal angesteckt wird." Mit 4,5 Prozent sind die zehnjährigen spanischen Renditen zwar noch von ihrem Mai-Hoch entfernt, sie sind in den vergangenen beiden Wochen aber deutlich gestiegen. Spanien muss nach Schätzungen von Banken im kommenden Jahr um die 100 Mrd. Euro am Bondmarkt aufnehmen und damit deutlich mehr als Portugal und Irland zusammen.

Die Sorge, dass Irland schon bald Kredithilfen in Anspruch nehmen muss, wurde gestern unter anderem von Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz angeheizt, der die Lage in Irland als "trostlos" bezeichnete. Die Sparmaßnahmen würden die irische Wirtschaft extrem schwächen, und die Rettung der Banken sei kaum zu stemmen. Auch Gary Jenkins vom auf Anleihen spezialisierten Broker Evolution Securities ist überzeugt, dass Irland Kredithilfen von der EU und dem Internationalen Währungsfonds braucht.

Irlands Finanzminister Brian Lenihan sieht das nicht so und betonte gestern erneut, dass sein Land den angeschlagenen Haushalt aus eigener Kraft in den Griff bekommen könne. Aber auch er räumte ein, dass der Anstieg der Risikoprämien "sehr beunruhigend" sei. EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso sagte beim G20-Treffen in Seoul vorsorglich, dass die EU mit ihrem Rettungsschirm Irland notfalls sehr schnell beistehen könne.

Merkel appelliert an Investoren

Seit dem EU-Gipfel Ende Oktober sind Investoren extrem verunsichert, denn die europäischen Regierungschefs haben den Weg dafür bereitet, dass nach dem Auslaufen des Rettungsschirms Mitte 2013 auch private Gläubiger an der Hilfe für Krisenstaaten beteiligt werden können. Vor allem Deutschland und Frankreich drängen darauf. Diese Forderung ist nach Ansicht von Steven Major, Leiter des Anleiheresearchs bei HSBC, ein "Sargnagel" für die Anleihen der schwachen Länder.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel weiß, dass ihre Forderungen, die sie gestern beim G20-Gipfel wiederholte, "ein heißes Eisen sind". Gleichzeitig appellierte sie an Investoren, "ab und zu auch auf die Politik Rücksicht zu nehmen". Schließlich könne die Politik den Bürgern "auf Dauer nicht erklären, warum der Steuerzahler für bestimmte Risiken eintreten muss und nicht diejenigen, die durch das Eingehen von Risiken viel Geld verdienen".

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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