Anleihen aus Krisenländern
Telefónica steht bei Investoren ganz oben

Unternehmen aus den Krisenländern der Euro-Zone trauten sich im Oktober wieder mit Anleihen an den Markt. Für Experten zählt Telefónica zu den soliden Favoriten. Zum Zukauf raten sie aber dennoch nicht.
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Unter den Unternehmen aus Spanien und Italien, die sich seit Mitte Oktober mit neuen Anleihen an den Markt gewagt haben, halten Experten Telefónica für besonders solide. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) etwa empfiehlt sie als „Basisinvestment“. Ähnlich sieht das Janis Heck, Analyst bei der WGZ-Bank: „Telefónica macht nur ein Drittel seines Geschäfts in Spanien, ist dafür aber besonders in den Wachstumsmärkten in Lateinamerika aktiv“. Für ihn ist Telefónica ein Favorit in der Telekombranche.

Trotz allem rät Heck aber nur dazu, die Bonds im Depot zu halten, nicht neu hinzuzukaufen. Denn die Gefahr kurzfristiger Kursschwankungen hält er für extrem hoch. Die neue Anleihe von Telefónica, die in gut vier Jahren fällig wird, bringt eine Rendite von 4,3 Prozent. 4,2 Prozent verlangen Anleger für die zu ähnlicher Zeit auslaufende neue Anleihe des spanischen Versorgers Iberdrola. Iberdrola gilt als „Global Player“ im Bereich Erneuerbare Energien, erwirtschaftet weniger als die Hälfte des Umsatzes in Spanien und ist weniger verschuldet als Telefónica. Beide neuen Firmenbonds werfen etwas weniger Rendite ab als eine spanische Staatsanleihe mit vergleichbarer Laufzeit, die 4,5 Prozent bringt.

Als sehr viel riskanter werden am Markt die Anleihen von Telecom Italia eingeschätzt. Für Heck ist das verständlich, denn die Italiener machen mehr als zwei Drittel ihrer Umsätze und Gewinne im Heimatland. Dazu komme die relativ hohe Verschuldung des Telekomkonzerns. Die Rendite der neuen Telecom-Italia Anleihe mit einer Laufzeit von gut fünf Jahren liegt deshalb mit 6,3 Prozent auch mehr als einen halben Prozentpunkt über der der fünfjährigen italienischen Staatsanleihe. Die neue knapp vierjährige Anleihe von Enel bringt dagegen nur eine Rendite von 4,2 Prozent. Grund: Der italienische Versorger macht zwar 75 Prozent seiner Umsätze in Italien und Spanien, die Verschuldungskennziffern sind aber besser als die von Telecom Italia.

Firmen aus den noch krisenbehafteteren Ländern haben sich zwar seit Monaten nicht mehr an den Markt gewagt, aber im Handel sind sie wesentlich beliebter als die ihrer Heimatstaaten. Für die im Januar platzierte gut vierjährige Anleihe des portugiesischen Versorgers EDP verlangen Anleger eine Rendite von zwar hohen 9,8 Prozent – das sind aber mehr als fünf Prozentpunkte weniger als für die gleich laufende portugiesische Staatsanleihe. Dabei hilft der Firma auch, dass der portugiesische Staat seinen 21,5-prozentigen Anteil verkaufen will – dafür bietet Eon.

Die griechische OTP profitiert bereits davon, dass die Deutsche Telekom einen Anteil von 40 Prozent hält: Die Rendite der zweieinhalbjährigen OTP-Anleihe von 22 Prozent ist weniger als halb so hoch wie die einer griechischen Staatsanleihe mit vergleichbarer Laufzeit.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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