Anleihen
Banker hoffen auf Impulse für Bonds

Der Ausblick auf das kommende Jahr stimmt Banker, die ihr Geld mit der Emission von neuen Unternehmensanleihen verdienen, nicht gerade euphorisch. In diesem Jahr haben Unternehmen abseits der Finanzindustrie neue Anleihen über rund 115 Mrd. Euro platziert.

FRANKFURT. Das sind in etwa so viele wie im vergangenen Jahr. Für das kommende Jahr rechnen Banker wie Guido Greim, Managing Director bei der Deutschen Bank, nur mit leicht steigendem Emissionsvolumen. Er erwartet, dass im nächsten Jahr neue Firmenbonds über 125 Mrd. bis 130 Mrd. Euro platziert werden.

„Unternehmen entscheiden sich bei der Fremdkapitalaufnahme zunehmend mehr für direkte Kredite. Da die Banken selbst viele notleidende Kredite verkauft haben, gibt es jetzt Platz für neue Linien. Deshalb sind Kredite für die Unternehmen oft günstiger als Anleihen, obwohl es für die Firmen natürlich nach wie vor wichtig ist, ihre Refinanzierung auf eine breite Basis zu stellen“, sagt Greim. Von daher werde der Kampf um Mandate sowohl bei Krediten als auch bei Unternehmensanleihen härter. „Wo es früher nur einen oder zwei Konsortialführer gab, sind es jetzt meist drei bis vier“, meint Greim.

Simon Ballard, Bondstratege bei BNP Paribas, sieht die Konkurrenz durch Kredite beim Fremdkapital etwas optimistischer: „Die Kosten für syndizierte Kredite könnten mit anziehenden Kapitalmarktzinsen steigen, und das würde wieder zu mehr Emissionen von Unternehmensanleihen führen.“ Außerdem würden im nächsten Jahr Firmenbonds über 100 Mrd. Euro fällig und damit 30 Prozent mehr als in diesem Jahr. „Ein Teil davon wird mit Sicherheit über neue Anleihen refinanziert“, sagt Ballard.

Gegen allzu viele Emissionen spricht aber nach allgemeiner Einschätzung, dass die Firmen in den vergangenen Jahren gute Gewinne eingefahren haben und schlicht nicht mehr so viel Geld zur Refinanzierung brauchen wie noch vor zwei Jahren.

Die größte Hoffnung mit Blick auf neue Unternehmensanleihen setzten Banker auf die Telekombranche. Die Strategen von BNP Paribas und Lehman Brothers erwarten, dass im nächsten Jahr neue Telekombonds über 22 Mrd. bis 30 Mrd. Euro auf den Markt kommen werden. Das wären deutlich mehr als in diesem Jahr. Das Fusionsfieber in der Branche macht laut Experten eine höhere Refinanzierung am Kapitalmarkt wahrscheinlich.

Schon Anfang des Jahres erwarten Banken zum Beispiel größere Bonds über sechs Mrd. bis acht Mrd. Euro von der spanischen Telefónica, die den britischen Mobilfunkanbieter O2 für 26 Mrd. Euro übernimmt. France Télécom, Vodafone und die Deutsche Telekom gelten ebenfalls als sichere Kandidaten für neue Bonds. Auch bei Versorgern sehen Strategen deutlich höheren Refinanzierungsbedarf, da in der Branche Fusionen und Übernahmen ebenfalls wieder in Mode sind. So hat der schwedische Versorger Vattenfall in der vergangenen Woche Übernahmen in Großbritannien, den Niederlanden und Polen angekündigt.

Profitieren könnten die Investmentbanken auch vom voraussichtlich anhaltenden Trend zum Rückkauf von Anleihen. Auch dafür werden Konsortialbanken engagiert. Viele Firmen kaufen zudem nicht nur Anleihen zurück, sondern tauschen sie gegen neue länger laufende Bonds. Damit sichern sie sich die noch günstigen Refinanzierungskonditionen für längere Zeit. Zuletzt gab es eine solche größere Transaktionen vom französischen Versorger Veolia Environnement, der im Zuge eines Rückkaufs neue Bonds über insgesamt 1,5 Mrd. Euro auflegte.

Greim von der Deutschen Bank erwartet generell, dass es 2006 wieder mehr größere Bonds über eine bis zwei Mrd. Euro geben wird. Für die Banken sind liquide Bonds attraktiv, weil die Gebühren mit dem Emissionsvolumen steigen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%