Anleihen

Bond-Anleger fürchten Ende der lockeren Geldpolitik

Die EZB bemüht sich, die Spekulationen über ein Abschmelzen ihrer billionenschweren Anleihenkäufe einzudämmen. Doch die Lage an den Märkten bleibt angespannt. Das treibt die Bond-Renditen in die Höhe.
Update: 28.10.2016 - 15:14 Uhr
Die Anleger sind verunsichert. Quelle: dpa
Mario Draghi

Die Anleger sind verunsichert.

(Foto: dpa)

FrankfurtNach dem seit Tagen dauernden Ausverkauf bei Staatsanleihen blieb die Lage am Freitag angespannt. Spekulationen auf eine baldiges Ende der lockeren Geldpolitik weltweit trieben die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen um vier Basispunkte auf 0,22 Prozent – den höchsten Stand seit Anfang Mai. „Die Tapering-Spekulationen in Europa nehmen zu und die Inflationserwartungen ziehen an“, sagte Daniel Lenz von der DZ Bank.

„Die Sorge ist, dass die Zentralbanken, besonders die EZB, bei ihren konjunkturstimulierenden Maßnahmen die Bremse anziehen.“ EZB-Chef Mario Draghi hatte sich zuletzt bemüht, die Spekulationen über ein bevorstehendes Abschmelzen (Tapering) ihrer billionenschweren Anleihenkäufe einzudämmen. Die Notenbank will ihre monatlichen Wertpapierkäufe von derzeit rund 80 Milliarden Euro bis Ende März oder bei Bedarf darüber hinaus fortzusetzen, um die Konjunktur im Währungsraum zu stützen und die aus ihrer Sicht viel zu niedrige Inflation anzuheizen.

Bonds für die Ewigkeit
Dollar- und Euro-Scheine
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„Trau keinem über 30“ lautete ein Slogan der 68er-Bewegung. Investoren am Anleihemarkt können sich so eine Denke heute nicht mehr leisten. Der Niedergang der Zinsen in den vergangenen Jahren treibt sie verstärkt in Anleihen mit einer Laufzeit von 50 oder sogar 100 Jahren. Die Nachfrage ist groß, denn je länger die Laufzeit, desto höher die Verzinsung. Allerdings steigen mit der Laufzeit auch die Risiken. Ein Überblick über die Schuldner mit Langlauf-Bonds.

Hofburg in Wien
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Wien geht am Kapitalmarkt neue Wege: Österreich hat am 12. September 2017 eine Anleihe begeben, die erst in 100 Jahren fällig wird. Eine so langlaufende Anleihe hat noch kein anderes Land in der Euro-Zone öffentlich platziert. Und das mit Erfolg für die Regierung: Für die Anleihe im Umfang von 3,5 Milliarden Euro gaben Investoren Kaufaufträge über mehr als elf Milliarden Euro ab – und das bei einer Rendite von 2,11 Prozent. Im Oktober 2016 hatte Österreich bereits eine 70-jährige Anleihe begeben, auch das ein Novum für Euro-Länder. Eine Anleihe mit 50 Jahren Laufzeit hatte Österreich zuletzt im Jahr 2012 platziert.

Argentinien
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2,75 Milliarden Dollar hat Argentinien im Sommer 2017 mit einer Anleihe eingesammelt, die das Land erst im Juni 2117 zurückzahlen wird. „Anleger haben ein kurzes Gedächtnis“, sagt dazu Victor Fu, Stratege für Schwellenländer beim Broker Stifel Nicolaus und Co. mit Blick darauf, dass Argentinien zuletzt im Jahr 2001 pleiteging und sich viele Jahre mit den Gläubigern um die Umschuldungsmodalitäten stritt. Doch der Zinskupon von 7,125 Prozent lockte die Investoren. Platziert wurde der Bond zudem zu einem Kurs von 90 Prozent. Zurückgezahlt wird er – theoretisch – zu 100 Prozent, so dass sich für Käufer eine jährliche Rendite von 7,9 Prozent ergibt.

Frankreich
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Frankreich ist der Vorreiter bei der Bond-Generation „50 plus“. Die erste französische Anleihe mit dieser langen Laufzeit stammt aus dem Jahr 2005. Im Jahr 2017 war Frankreich erneut der erste Schuldner, der sich nach der Finanzkrise mit einem Ultra-Langläufer an den Markt wagte. Die Franzosen stockten am 5. Januar ihre im Mai 2066 fällige Anleihe um eine Milliarde Euro auf. Die Rendite des Papiers mit einem Zinskupon von 1,75 Prozent lag nur bei zwei Prozent. Dennoch sammelten die Banken bei der Bond-Auktion Kaufaufträge über gut zwei Milliarden Euro ein. Gefragt war das Papier vor allem bei Versicherern und Pensionskassen, die langfristige Anlagen suchen. Ein Großteil der Nachfrage kam laut Bankern dabei aus Japan. Zuletzt hatte Frankreich die im Mai 2066 fällige Anleihe im Juni 2016 aufgestockt. Damals lag die Rendite bei nur 1,4 Prozent.

Italien, Teil 1
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Ein italienischer Schuldschein über 50 Jahre hat Anfang Oktober 2016 Bond-Anleger begeistert. Für das Papier gingen Bestellungen im Volumen von 16,5 Milliarden Euro ein. Damit war der Bond fünfeinhalbfach überzeichnet. Weniger begeistert über die Rendite war Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank: Italien biete hier einen Zinskupon von 2,8 Prozent - wenig lohnenswert angesichts der langen Laufzeit.

Italien,Teil 2
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Bereits im Mai 2013 machte Italien mit einer 50-jährigen Anleihe von sich reden. Rom begab einen Bond über 500 Millionen Euro, der mit jährlich 4,75 Prozent verzinst wird. Die ersten 50-jährigen hat Italien im Jahr 2007 begeben, weitere folgten 2008 und 2010.

Spanien
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Gut sechs Wochen vor den vorgezogenen Neuwahlen hatte Spanien am 11. Mai 2016 bereits eine 50jährige Anleihe platziert. Die Nachfrage nach dem Bond im Umfang von drei Milliarden Euro war mit Kaufaufträgen von 10,5 Milliarden Euro enorm – und das obwohl das Land seit Dezember 2015 keine Regierung hat. Doch Kupon und Rendite von je knapp 3,5 Prozent, mit der die Anleihe platziert wurde, lockten Investoren. Zuletzt hatte sich Spanien im September 2014 für 50 Jahre eine Milliarde Euro bei Investoren geliehen. Der Kupon dieser Anleihe liegt bei vier Prozent.

Dennoch sind die Anleger verunsichert. „Die Angst vor einem Bondcrash, der die Risikoaversion von Investoren verstärken könnte, ist weit verbreitet“, sagte Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Gegen Mittag gingen die Renditen an den europäischen Anleihemärkten wieder etwas zurück, doch Analysten gaben keine Entwarnung. „Einige Marktteilnehmer haben realisiert dass der Ausverkauf am Donnerstag etwas übertrieben war, aber wenn die Inflationsindikatoren kommende Woche höher als erwartet ausfallen könnte der Druck wieder zunehmen“, sagte Zinsstratege Martin Van Vliet von der Bank ING.

Am Donnerstag hatten robuste Wirtschaftsdaten aus Großbritannien den Fall der Anleihekurse beschleunigt, da die Investoren schwindende Chancen für eine Zinssenkung der Bank of England sahen. Das hatte die Bund-Renditen auf den höchsten Stand seit dem Brexit-Votum Mitte Juni katapultiert. Aufgrund der Kauf-Programme der Zentralbanken wird es für Anleger immer schwieriger in Anleihen zu investieren, da die Nachfrage das Angebot schlicht übersteigt. Viele institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Stiftungen sind aufgrund ihrer Risikopolitik aber auf die als relativ sicher geltenden Staatsanleihen als Investment angewiesen. „Jede Entscheidung der EZB, das QE-Programm über März 2017 hinaus zu verlängern, vergrößert damit das Problem des Mangels am europäischen Staatsanleihenmarkt“, schrieb der Vermögensverwalter Fidelity in einem Marktkommentar.

Einer Reuters-Umfrage zufolge sank der Anleihen-Anteil in globalen Portfolios im Oktober mit 39,9 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Juni. Gleichzeitig stiegen die Cash-Bestände auf den höchsten Stand seit Juni 2015.

In der Euro-Peripherie stieg die Rendite zehnjähriger italienischer Bonds um acht Basispunkte auf 1,61 Prozent, während vergleichbare spanische Papiere bei 1,23 Prozent vier Basispunkte höher rentierten.

Am Primärmarkt kam Italien mit Bonds mit Laufzeiten bis 2021, 2024 und 2026 im Gesamtvolumen von 8,5 Mrd. Euro an den Markt.

  • rtr
  • Bloomberg
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