Anleihen
Bond-Anleger fürchten Ende der lockeren Geldpolitik

Die EZB bemüht sich, die Spekulationen über ein Abschmelzen ihrer billionenschweren Anleihenkäufe einzudämmen. Doch die Lage an den Märkten bleibt angespannt. Das treibt die Bond-Renditen in die Höhe.

FrankfurtNach dem seit Tagen dauernden Ausverkauf bei Staatsanleihen blieb die Lage am Freitag angespannt. Spekulationen auf eine baldiges Ende der lockeren Geldpolitik weltweit trieben die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen um vier Basispunkte auf 0,22 Prozent – den höchsten Stand seit Anfang Mai. „Die Tapering-Spekulationen in Europa nehmen zu und die Inflationserwartungen ziehen an“, sagte Daniel Lenz von der DZ Bank.

„Die Sorge ist, dass die Zentralbanken, besonders die EZB, bei ihren konjunkturstimulierenden Maßnahmen die Bremse anziehen.“ EZB-Chef Mario Draghi hatte sich zuletzt bemüht, die Spekulationen über ein bevorstehendes Abschmelzen (Tapering) ihrer billionenschweren Anleihenkäufe einzudämmen. Die Notenbank will ihre monatlichen Wertpapierkäufe von derzeit rund 80 Milliarden Euro bis Ende März oder bei Bedarf darüber hinaus fortzusetzen, um die Konjunktur im Währungsraum zu stützen und die aus ihrer Sicht viel zu niedrige Inflation anzuheizen.

Dennoch sind die Anleger verunsichert. „Die Angst vor einem Bondcrash, der die Risikoaversion von Investoren verstärken könnte, ist weit verbreitet“, sagte Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Gegen Mittag gingen die Renditen an den europäischen Anleihemärkten wieder etwas zurück, doch Analysten gaben keine Entwarnung. „Einige Marktteilnehmer haben realisiert dass der Ausverkauf am Donnerstag etwas übertrieben war, aber wenn die Inflationsindikatoren kommende Woche höher als erwartet ausfallen könnte der Druck wieder zunehmen“, sagte Zinsstratege Martin Van Vliet von der Bank ING.

Am Donnerstag hatten robuste Wirtschaftsdaten aus Großbritannien den Fall der Anleihekurse beschleunigt, da die Investoren schwindende Chancen für eine Zinssenkung der Bank of England sahen. Das hatte die Bund-Renditen auf den höchsten Stand seit dem Brexit-Votum Mitte Juni katapultiert. Aufgrund der Kauf-Programme der Zentralbanken wird es für Anleger immer schwieriger in Anleihen zu investieren, da die Nachfrage das Angebot schlicht übersteigt. Viele institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Stiftungen sind aufgrund ihrer Risikopolitik aber auf die als relativ sicher geltenden Staatsanleihen als Investment angewiesen. „Jede Entscheidung der EZB, das QE-Programm über März 2017 hinaus zu verlängern, vergrößert damit das Problem des Mangels am europäischen Staatsanleihenmarkt“, schrieb der Vermögensverwalter Fidelity in einem Marktkommentar.

Einer Reuters-Umfrage zufolge sank der Anleihen-Anteil in globalen Portfolios im Oktober mit 39,9 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Juni. Gleichzeitig stiegen die Cash-Bestände auf den höchsten Stand seit Juni 2015.

In der Euro-Peripherie stieg die Rendite zehnjähriger italienischer Bonds um acht Basispunkte auf 1,61 Prozent, während vergleichbare spanische Papiere bei 1,23 Prozent vier Basispunkte höher rentierten.

Am Primärmarkt kam Italien mit Bonds mit Laufzeiten bis 2021, 2024 und 2026 im Gesamtvolumen von 8,5 Mrd. Euro an den Markt.

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