Anleihen-Boom
Firmen stürmen Bondmarkt

36 Milliarden Euro in zwei Monaten: Industriekonzerne emittieren momentan viele neue Anleihen, um sich die aktuell günstigen Konditionen zu sichern. Vor allem die steigende Inflation und die anziehenden Kapitalmarktzinsen machen sie nervös.

FRANKFURT. Unternehmen geben sich am Markt für neue Anleihen die Klinke in die Hand. Im April und Mai haben Industrieunternehmen neue Bonds über insgesamt gut 36 Mrd. Euro emittiert und damit so viele wie seit Ausbruch der Finanzkrise vor einem Jahr nicht mehr (s. "Emissionen steigen wieder"). Dabei nehmen sie in Kauf, dass sie für ihre Bonds höhere Zinsen als vor einem Jahr zahlen müssen.

"Viele Unternehmen fürchten, dass sich ihre Refinanzierungsbedingungen deutlicher verschlechtern und zapfen deshalb den Markt seit zwei Monaten verstärkt an", sagt Maik Laske, der bei Société Générale in Frankfurt das Kapitalmarktgeschäft leitet: "Dieser Trend dürfte anhalten." Auslöser für eine teurere Refinanzierung könnten laut Laske steigende Kapitalmarktzinsen und als Folge der Wirtschaftsflaute höhere Ausfälle bei Firmenbonds sein.

"Einige Unternehmen werden mit Blick auf die steigende Inflation und die anziehenden Kapitalmarktzinsen nervös", bekräftigt Jean-Marc Mercier, Leiter Syndikats für neue Anleihen bei HSBC in London. Dazu fürchteten einige Emittenten erneute Rückschläge im Zuge eines nachlassenden Wirtschaftswachstums. "Deshalb nutzen sie jetzt den Markt, um sich auf einem Niveau zu refinanzieren, das sie für vergleichsweise günstig halten", sagt Mercier.

Gestern platzierte Siemens eine Anleihe in drei Tranchen über insgesamt 3,4 Mrd. Euro. Damit nimmt Siemens in diesem Jahr auf einen Schlag das bislang meiste Geld am Euro-Markt auf. Auch die Deutsche Börse kündigte eine Emission an. Vorgestern begab der französische Einzelhändler Carrefour eine Milliardenanleihe. Unter den Emittenten im Mai und April waren die Versorger Electricité de France und Eon, Autokonzerne wie BMW und Daimler sowie die Telekomkonzerne Telefónica, France Télécom und Deutsche Telekom.

Seite 1:

Firmen stürmen Bondmarkt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%