Anleihen

Brasilien bittet IWF um Gnade

Die Krise in Brasilien spitzt sich zu. Der Staat vergibt mittlerweile mehr Kredite als die Banken. Das Land möchte die Herabstufung durch die Ratingagenturen mit ungewöhnlichen Mitteln verhindern.
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Christus-Statue auf dem Zuckerhut in Rio de Janeiro: Mehr als 50 Prozent der ausstehenden Kredite in Brasilien entfallen auf staatlich kontrollierte Banken. Quelle: dpa

Christus-Statue auf dem Zuckerhut in Rio de Janeiro: Mehr als 50 Prozent der ausstehenden Kredite in Brasilien entfallen auf staatlich kontrollierte Banken.

(Foto: dpa)

Brasilien droht ein neuer Rückschlag. Weil die Kreditvergabe durch staatliche Banken die Ausleihungen privater Banken übertrifft, droht dem südamerikanischen Land eine Herabstufung seines Ratings durch Standard & Poor's. Brasilien bittet deshalb um Gnade – das Land fragt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) an, ob die Institution ihre Schuldenberechnung anpassen könnte.

Auf staatlich kontrollierte Banken entfielen im Juni in Brasilien 50,3 Prozent der ausstehenden Kredite - der Anteil übertraf damit laut Nachrichtenagentur Bloomberg erstmals seit mindestens zehn Jahren die Kreditvergabe aller anderen Kreditinstitute. Das Dilemma: Die Ausleihungen staatlicher Banken wuchsen im ersten Halbjahr 2013 sechsmal so schnell wie die privater Banken und ausländischer Kreditinstitute.

Das lässt die Kreditwürdigkeit des Landes auf dem Markt für Kreditausfall-Swaps so stark schwinden, wie bei keinem anderen der BRIC-Länder, zu den neben Brasilien auch Russland, Indien und China zählen.

Brasilien hat die Kreditvergabe verstärkt, um auf das flauere Wirtschaftswachstum und die geringeren Ausgaben von Privathaushalten zu reagieren. Die Bruttoverschuldung des Landes ist damit auf 68,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angestiegen - laut IWF die höchste Quote unter den BRIC-Ländern. Finanzminister Guido Mantega sagte, die Berechnungen der Washingtoner Organisation wiesen die Verschuldung Brasiliens übertrieben hoch aus.

Unverdrossen erklärte die Ratingagentur Standard & Poor's im Juni, sie werde das BBB“-Kreditrating des Landes senken, wenn sich die Regierung weiterhin auf staatliche Banken verlasse, um das Wachstum zu stützen.

„Die Regierung geht steigende Risiken ein“, sagte Klaus Spielkamp, Anleihehändler bei Bulltick Securities. Der Markt macht sich Sorgen um Brasilien, wegen den Infrastrukturinvestitionen, dem Mangel an Kapazität für mehr Wachstum, das die Regierung so dringend fördern will. Wir sehen, dass all diese Dinge nicht passieren, und daher ist der Markt besorgt.“

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12 Kommentare zu "Anleihen: Brasilien bittet IWF um Gnade"

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  • Es hat weltweit und in der langen Geschichte der industriellen Neuzeit noch niemals funktioniert, mit staatlichen Fördermitteln, auch noch auf Pump, eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen und das BIP-Wachstum zu steigern. Leider ist der Gedanke des sogenannten Deficit-Spendings nicht tot zu kriegen, wie man jetzt auch in der EU-Rettungsschirm-Politik sieht. Der Gedanke, daß der Staat Geld in die Hand nimmt und damit ein effizientes Unternehmertum schafft, gehört endlich auf den Müll der Wirtschaftsgeschichte. Und es wird höchste Zeit, daß sich endlich mal der Gedanke des Ordoliberalismus durchsetzt, daß der Staat sich um die Marktbedingungen kümmert und nicht um die Erzeugung des BIP, wenn das auch viel schwieriger ist: Da steht Brasilien allerdings nicht alleine da; aber keiner ist unnütz, er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen.
    Mit freundlichen Grüßen von der AfD
    Klaus Peter Kraa


  • Da geraten halt einige Staaten in den nun eher offen ausbrechenden Währungskrieg. MRD Geldströme flogen turbomaessig durch die Orbit. Brasilien selbst schaut im Gegensatz zu den USA gesund aus., siehe Produktions-/Exportpalette.

    Die BRICs lehnten sich halt zu frech eigenständig mit dem neuen MIx-Weltwährung aus dem Fenster . Gefällt den Gringos nicht. Die brauchen, nur am Rande, ihre zirkulierenden BRIC-MRD eher zur eigenen Stabilisierung.

    Schwaechere Währugnen bieten aber Exportvorteile und da steht nun O Brasil bald gut im Futter.

  • WO ist jetzt der plakative SANTOS, der sonst Deutschland so verteufelt und Mr Brasil???

  • Seltsam, vor drei Monaten war Brasilien noch der Südamerikanische Tiger gesprungen, auch im HB. Wie es aussieht ist er zerzaustes Kätzchen gelandet. Verstehe ich nicht, da kann man halt nur die Experten fragen.

  • Gleiches Recht für alle!
    Es gibt keinen Spielraum für "wohlwollende Bewertung" für Brasilien!
    Nur bei absolut gleichen Berechnungen sind die Länder auch
    wirklich vergleichbar. Man sieht ja bei Griechenland wo das
    hinführt, wenn nicht so genau hingeschaut bzw. getrickst wird.

  • @ Charly

    macht doch nix - dafür werden die Geldscheine größer - irgendwohin müssen die ja die ganzen Nullen Drucken können ;-)

  • @Druckerpresse

    aber die Klopapierpreise könnten fallen, wir haben da eine Überproduktion.

  • Gerissene Spekulanten setzen nun auf steigende Papierpreise.

  • Komisch, komisch!

    Uns wurde doch jetzt immer gesagt, dass wenn die Zentralbanken nur genügend Geld drucken (und die böse Bundesbank der EZB nicht dauernd in die Suppe spukt, bzw. das deutsche Verfassungsgericht) dann gibt es gar kein Problem und alles wird gut.

    Da wird wohl mit zweierlei Mass gemessen:

    1. In den USA stört das niemand
    2. Erst wird die deutsche Kuh noch gemolken, bis man dann wieder auf die Notwendigkeiten zurückkommt. Aber zumindest ein paar Banker sind dann gerettet!

  • Weltweit das gleiche Problem: Wirtschaftliche Strohfeuer mit selbst gedrucktem Geld.

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