Anleihen
Bund will sich 2016 deutlich mehr Geld leihen

Deutschland will sich im 2016 bis zu 214,5 Milliarden Euro von Investoren leihen. Das ist deutlich mehr als in diesem Jahr. Gründe dafür sind fällige Altschulden und die Flüchtlingskrise.

BerlinFinanzminister Wolfgang Schäuble leiht sich 2016 wegen der Milliardenkosten für die Flüchtlingshilfe und höheren Tilgungen von Altschulden deutlich mehr Geld von Investoren. Die Ausgabe von Bundesschatzanweisungen, Bundesobligationen, Bundesanleihen und inflationsgekoppelten Anleihen soll bis zu 214,5 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen, erklärte die mit dem Schuldenmanagement betraute Finanzagentur am Mittwoch. Im laufenden Jahr waren es 186,5 Milliarden Euro und damit erstmals seit 2002 weniger als 200 Milliarden. 2009 musste die Regierung wegen der globalen Finanzkrise mit 334 Milliarden Euro so viel frisches Geld aufnehmen wie nie zuvor.

„Die Emissionsplanung basiert auf einem ausgeglichenen Haushalt“, sagt der Geschäftsführer der Finanzagentur, Tammo Diemer. Dass der Bund keine neuen Schulden anhäufen will und trotzdem mehr Geld benötigt, liegt zu einem Teil an der Flüchtlingskrise. Gut sechs Milliarden Euro an Rücklagen sollen für die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen verwendet werden. „Dadurch erhöht sich der Bruttokreditbedarf“, erklärt Diemer.

Hinzu kommen mehr Altschulden, die refinanziert werden müssen. Der Bund, der auf einem Schuldenberg von rund 1,1 Billionen Euro sitzt, muss 2016 etwa drei Milliarden Euro mehr an alten Krediten tilgen als im zu Ende gehenden Jahr. Außerdem müssen sechs Milliarden Euro mehr an Papieren mit sechsmonatiger Laufzeit – sogenannte unverzinsliche Bundesschatzanweisungen oder kurz Bubills - zurückgezahlt werden. Da der Bund so viel Geld nicht aus den laufenden Einnahmen übrig hat, muss er sich zur Tilgung frisches Geld leihen. „Wir haben eine höheren Anschlussfinanzierungsbedarf“, sagte Diemer.

Allerdings kann der für 2016 geplante Betrag im Jahresverlauf eingedampft werden, da er stets einen Puffer enthält. So geschah es auch im laufenden Jahr: Ursprünglich hatte der Bund ein Volumen von bis zu 199,5 Milliarden Euro geplant, dieses aber nicht zuletzt wegen hoher Steuereinnahmen deutlich verringert. Am Ende waren es 13 Milliarden Euro weniger.

Mehr Geld nimmt der Bund im nächsten Jahr vor allem an den Geldmärkten auf. Das Volumen der Bubills mit Laufzeiten von sechs und zwölf Monaten erhöht sich insgesamt um 18 Milliarden auf 48,5 Milliarden Euro. Am Anleihemarkt – also bei Papieren mit Laufzeit von zwei bis 30 Jahren – steigert der Bund die Emissionen um zehn Milliarden auf 154 Milliarden Euro. Dazu kommen an die Inflationsrate gekoppelte Anleihen im Umfang zwischen acht und zwölf Milliarden Euro. In diesem Jahr hat der Bund inflationsindexierte Anleihen im Umfang von zwölf Milliarden Euro platziert, darunter war erstmals auch ein solches Papier mit Laufzeit von 30 Jahren.

Für die Anti-Inflationspapiere, deren Zinsen und Tilgungen an den harmonisierten europäischen Verbraucherpreisindex gekoppelt sind, gibt die Finanzagentur stets nur eine grobe Indikation. Bei den nominal verzinsten Geldmarktpapieren und Anleihen nennen die Schuldenmanager des Bundes dagegen stets nicht nur das geplante Volumen, sondern auch den Tag, an dem die Papiere am Markt versteigert werden. Quartalsweise werden die Ankündigungen dann bestätigt – oder auch geändert.

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