Anleihen: „Bundesanleihen bleiben ein notwendiges Übel“

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„Bundesanleihen bleiben ein notwendiges Übel“

Die Renditen sind im Keller, aber ohne Bundesanleihen geht es nicht, ist Harald Preißler überzeugt. Wo es etwas mehr zu holen gibt und welche Bonds Anleger meiden sollte, erklärt der Chefvolkswirt des Anleihemanager Bantleon im Interview.
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Die Amerikaner haben gewählt. Hat der Wahlausgang Konsequenzen für Ihre Anlageentscheidungen?
Nein, im Grunde war es relativ egal, wer gewinnt, denn die Gestaltungsspielräume sind wegen der enormen öffentlichen Verschuldung ohnehin minimal. Jetzt geht es vor allem darum, den Haushalt  in den Griff zu bekommen und – das ist die größte Not –, die „fiscal cliff“ zu umschiffen. Ansonsten werden Steuervergünstigungen, teilweise noch aus der Bush-Zeit,  automatisch auslaufen, dazu drohen radikale Etatkürzungen – die USA würden auf  ein haushaltspolitisches Desaster zulaufen. Da gibt es nur einen Ausweg.

Und der wäre?
Demokraten und Republikaner müssen und werden sich darauf einigen, den Großteil der ansonsten auslaufenden Programme zu verlängern. Gelingt das nicht, wären von jetzt auf gleich mehr als 500 Milliarden US-Dollar einzusparen. Das entspricht vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die in nur einem Quartal wegbrechen würden.

Ein empfindlicher Dämpfer für das Wirtschaftswachstum…
Allerdings. Das wäre eine gewaltige Rezession und deshalb gehen wir davon aus, dass Demokraten und Republikaner das gemeinsam abmildern werden. Sie können allerdings nicht alle Maßnahmen aussetzen– deshalb bleibt ein Stolperstein übrig. Das erste Quartal wird dadurch belastet werden. Aber es wird keinen wirtschaftlichen Absturz geben, sondern nur einen kleinen Rücksetzer, bevor es dann wieder aufwärts geht.

Aber langfristig geht es doch nicht ohne diese Einsparungen?
Richtig. Aber die langfristige Konsolidierung ist zu Beginn mit spürbaren Wachstumseinbußen verbunden, und die möchte die Politik wegen der angespannten Arbeitsmarktlage um jeden Preis hinausschieben. Hier heiligt der Zweck die Mittel. Am Ende verschärft das zwar die Haushaltslage – aber das ist im Zweifel das Problem der nächsten Regierung.

Was heißt das für US-Staatsanleihen, mit denen Anleger derzeit nicht gerade reich werden?
Als Privatanleger werden Sie damit nicht reich, als Bank schon eher. Die Banken verdienen an der Zinsdifferenz viel Geld. Die US-Notenbank Fed verleiht das Geld für null Prozent, bei zehnjährigen Staatsanleihen bekommen Sie dann einen Kupon von 1,7 Prozent. Das macht eine Zinsspanne, die durchaus einträglich ist.

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