Anleihen
Das Leiden der Griechen-Anleger geht weiter

Finanzinvestoren bieten für griechische Anleihen teilweise nur den halben Preis dessen, was die Papiere am Markt wert sind. Dabei sind die Staatsanleihen des Landes derzeit durchaus handelbar.
  • 2

Auf den ersten Blick liest es sich wie ein schlechter Scherz. Eine Firma namens Noah Investment mit Geschäftssitz in Dubai bietet Besitzern griechischer Staatsanleihen an, ihnen die Bonds zu zehn Prozent des Nennwerts abzukaufen. Dabei sind die Papiere am Markt derzeit deutlich mehr wert. Eine 2023 fällig werdende Anleihe (WKN A1G1UA) notiert beispielsweise bei gut 18 Prozent ihres Ausgabewerts. Wer den Bond jetzt über die Börse verkauft, hat also deutlich mehr davon.

In den vergangenen Wochen kamen auch die Heidelberger Beteiligungsholding, Jus Auctoris und Deutsche Balaton auf die Anleger zu. „Solche Angebote sind nicht ungewöhnlich“, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), und verweist auf Fälle mit offenen Immobilienfonds. „Häufig stecken dahinter Finanzinvestoren, die die Anteile günstig einkaufen, dann am Markt wieder verkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen.“

Obwohl sie dreist wirken, sind solche Offerten legitim. Jeder Anleger muss selbst entscheiden, ob er darauf eingeht, denn die Depotbank, die die Angebote zustellt, gibt in der Regel keine Empfehlung. Bei Noah Investment haben Anleger bis zum Jahresende Zeit, sich zu entscheiden. Bis dahin könnte der Kurs noch weiter fallen. Vorher auf die Offerte einzugehen, kann unter Umständen aber auch sinnvoll sein. „Das Angebot könnte sich lohnen, wenn die entsprechenden Wertpapiere illiquide sind“, sagt Kurz. In diesem Fall aber hätte auch kein Investor Interesse an den Papieren, weil er sie ebenfalls nicht loswürde.

Momentan sind die Staatsanleihen von Griechenland sehr wohl handelbar. An der Börse Stuttgart beispielsweise, wo viele Kleinanleger handeln, wechseln derzeit immer noch täglich griechische Bonds den Besitzer, wenn auch nur in kleinen Stückzahlen. Noah Investment und die anderen spekulieren möglicherweise darauf ab, dass die Besitzer der griechischen Anleihen ihrem ganz persönlichen Anlagedrama ein Ende setzen wollen.

Seite 1:

Das Leiden der Griechen-Anleger geht weiter

Seite 2:

Schutzvereinigung reicht Klage ein

Kommentare zu " Anleihen: Das Leiden der Griechen-Anleger geht weiter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Round about the Bond:
    Unvergessen ist der Schrei quer durch Hellas:
    Wir zahlen nix.
    Bleibt dann nur noch die Lebensweisheit einer schwäbischen Hausfrau:
    Mir gäbe nix!

  • Da kauf ich lieber Seile für das Geld...das wird in absehbarer Zeit sinnvoller und das beste Investment für die Zukunft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%