Anleihen
Der nächste Wackelkandidat

Der Modekonzern Strenesse steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Das trifft auch Anleger, denn das Unternehmen hat eine Zwölf-Millionen-Euro-Anleihe ausstehen. Damit wackelt eine weitere Anleihe eines Mittelständlers.
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DüsseldorfDas Modeunternehmen Strenesse hat Probleme mit der Rückzahlung einer Zwölf-Millionen-Euro-Anleihe. Das Unternehmen aus dem schwäbischen Nördlingen hat die Gläubiger deswegen für den 20. Februar zu einer Gläubigerversammlung eingeladen. Auf dieser sollen die Kreditgeber der Strenesse AG gebeten werden, auf die für Mitte März fällige Rückzahlung der Schuldverschreibung zu verzichten, wie aus der Einladung hervorgeht.

Als Grund für den angepeilten Zahlungsaufschub gab der Designermode-Hersteller an, dass die Bemühungen zur Refinanzierung der Anleihe nicht erfolgreich gewesen seien. Vor dem Hintergrund der jüngsten Geschäftsentwicklung und der angespannten Liquiditätslage werde eine Verlängerung der Laufzeit um drei Jahre angepeilt.

Das Unternehmen, das sich mehrheitlich noch im Besitz der Gründerfamilie Strehle befindet, hatte die mit neun Prozent verzinste Anleihe im Umfang von zwölf Millionen Euro im März 2013 ausgegeben. Damals hieß es, dass Geld werde zur Ablösung von alten Verbindlichkeiten, zur Forcierung der Neuausrichtung sowie für das Wachstum des Unternehmens eingesetzt. Nun sollen die Gläubiger bei der Versammlung über ein Restrukturierungskonzept, „das profitables Wachstum und eine wesentlich verbesserte Finanzsituation in den kommenden Jahren“ ermögliche, informiert werden.

Anleger reagierten prompt und verkauften. Der Kurs der Strenesse-Anleihe fiel deutlich. Aktuell liegt er nur noch bei 45 Prozent. Anleihen mittelständischer Unternehmen sorgen zuletzt für viel Ärger. Insgesamt zehn Anleihen mit einem platzierten Anleihevolumen von 380 Millionen Euro sind nach Angaben der Ratingagentur Scope im Jahr 2013 ausgefallen. Der Großteil davon entfällt auf den Bereich der Erneuerbaren Energien.

Die Kritik an dem noch jungen Mittelstandssegment ist groß. „Würde das Anleihesegment der Mittelstandsanleihen wirklich den deutschen Mittelstand repräsentieren, müsste man sich Sorgen machen“, sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. „Vielmehr besteht das Segment der Mittelstandsanleihen, so heterogen es auch sein mag, überwiegend aus Anleihen, die im spekulativen Bereich anzusiedeln sind, als dass sie den Mittelstand und seine Eigenschaften repräsentieren.“

 

Kommentare zu " Anleihen: Der nächste Wackelkandidat"

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  • Zuletzt kauften die Anleger alles,was nicht bei drei auf den Bäumen ist.Auf der Jagd nach Rendite,setzt oft genug das Hirn aus.
    Die Gründe sind ganz klar,im negativen Realzins zu suchen.Die Niedrigzinspolitik der führenden Notenbanken weltweit-führt mal wieder in die Sackgasse der Blasenbildung.

  • Bei Scholz AG gibt es und gab es keine neuen Nachrichten.-
    Wenn die Kommentare von HB aber einen Rundumschlag bei allen im vergangenen Jahr "hochgelobten" Anleihen ohne genau recherchiert zu haben, negativ ausfallen, kann man das Ganze wie bei Kirch/Dt. Bank betrachten. Hier wird die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens bewusst versaut.

  • Die fast 200 Millionen Scholz-Anleihe aus dem schwäbischen Essingen bei Aalen brach am Freitag um 10% ein und notiert nun nur noch bei 55%!!!
    Ist der Grund für den starken Einbruch Insiderwissen? Kommen da auch noch schlechtere Nachrichten?

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