Anleihen des Landes heiß begehrt
Argentinien überzeugt die Märkte

Argentinien-Anleihen sind wieder gefragt. Mit Erträgen von bis zu 50 Prozent im bisherigen Jahresverlauf sind sie die rentabelsten Bonds der gesamten Region – und das nur rund fünf Jahre nach dem Staatsbankrott, der auch viele deutsche Anleger geschädigt hat.

BUENOS AIRES. Die Risikoprämie für argentinische Staatsanleihen, also die Zinsdifferenz zu den als sicher geltenden US-Schatzanleihen, befand sich Ende letzter Woche in dem von JP Morgan erstellten „Emerging Markets Bond Index“ auf einem historischen Minimum von 278 Basispunkten. Ähnlich niedrige Zinsen zahlte Argentinien zuletzt 1997 für seine Staatsanleihen, als das Land dank seines orthodoxen Politikmix von Dollarbindung, Privatisierungen und Deregulierung zum Liebling der Finanzmärkte geworden war. 2001 stürzte das Land dann in eine spektakuläre Krise und konnte seine Schulden nicht mehr bezahlen.

Argentiniens heutige Regierung unter dem autoritär-populistischen Präsidenten Nestor Kirchner, der 2003 sein Amt antrat, ist alles andere als orthodox. Doch sosehr Ökonomen Kirchners aggressive Rhetorik gegenüber Gläubigern und dem Internationalen Währungsfonds und seine Politik der Preiskontrollen und Subventionen beklagen, müssen sie doch zugeben, dass er bisher Erfolg hatte. Das Bruttosozialprodukt (BIP) des Pampalandes wuchs in den letzten drei Jahren um durchschnittlich neun Prozent p.a. Goldman Sachs etwa geht von einem Wachstum von erneut knapp neun Prozent für 2006 aus und rechnet mit einem ähnlichen Ergebnis im nächsten Jahr. Die Jahresinflation verharrt bei zehn Prozent, die Regierung feiert steigende Steuereinnahmen, die Exporte boomen. „Die Kreditindikatoren des Landes sind eindrucksvoll, und das Wirtschaftsmodell ist nachhaltig“, begeistert sich Walter Molano, Chef des auf Lateinamerika spezialisierten US-Investmenthauses BCP-Securities. „Argentiniens Risikoaufschlag sank unter Kirchner von 6800 Basispunkten auf weniger als 300 Punkte. Kirchners Regierungsstil ist vielleicht nicht sexy, aber er funktioniert gut.“ Ein Risikoaufschlag von 300 Basispunkten bedeutet, dass Argentinien drei Prozent höhere Zinsen als erstklassige Schuldner zahlt.

Zwar ist heute das Gewicht argentinischer Staatsbonds viel niedriger als 1997. „In den 90er-Jahren machte Argentinien 20 Prozent des Schwellenländerindex aus, heute nur zwei Prozent“, sagt Analyst Hernán Fardi vom argentinischen Investmenthaus Maxinver. Doch die niedrigen Zinsen zeigen, dass sich die argentinischen Bonds heute trotz der Erinnerung an den größten Zahlungsausfall der Finanzgeschichte wieder großer Beliebtheit erfreuen.

Der Star unter den Anleihen war der Par-Bond in Dollar mit Gerichtsstand New York, der 2005 im Zuge der Umschuldung emittiert wurde und dieses Jahr 48 Prozent zulegte. Der unter lokalem Recht begebene Par-Bond zeigte dieses Jahr immerhin 29 Prozent Ertragszuwachs. Wegen des hohen Wachstums sind auch Papiere beliebt, deren Wertentwicklung an das Bruttoinlandsprodukt gekoppelt ist.

„Die Investoren haben sich auf Argentinien-Bonds gestürzt, weil es sehr schwer war, attraktive Erträge im Rest der Region zu finden“, sagt Leonardo Chialva von Delphos Investment. „Denn im Gegensatz zu Argentinien sind die meisten Anleihen der Region schon in den letzten zwei Jahren stark gestiegen.“

Argentiniens Zahlungsausfall und das einseitige Beharren auf einem Forderungsverzicht von 75 Prozent letztes Jahr sind allenfalls noch daran erkennbar, dass die Risikoaufschläge um etwa 0,7 Prozentpunkte höher sind als die von Brasilien. „Argentinien hat eine solidere Finanzsituation als Brasilien. Die höheren Zinsen erklären sich dadurch, dass die Brasilianer nicht mit dem Markt gebrochen haben im Gegensatz zu uns, das hat seinen Preis“, sagt der argentinische Ökonom und Ex-Staatssekretär Miguel Bein.

Doch der Preis ist deutlich niedriger als damals angenommen und wird vermutlich noch sinken. „Das Szenario von anhaltend hohem Wachstum, robusten Staatsfinanzen, einer stabilen oder geringfügig höheren Inflation und kontinuierlicher Anhäufung von Devisen sollte dazu führen, dass die Zinsspreads weiter schrumpfen“, erwartet Pablo Morra von Goldman Sachs.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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