Anleihen
Deutsche verbriefen zaghaft

Der deutsche Markt für Anleihen, die mit Forderungen besichert sind (Asset Backed Securities, ABS), stagniert. „Im Vergleich zu Deutschlands Wirtschaftskraft bleibt der Markt für hiesige Verbriefungen noch hinter dem Potenzial zurück“, sagt Volker Läger, Analyst für strukturierte Finanzierungen bei der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P).

cü FRANKFURT. Bei ABS gliedern Emittenten Forderungen aus ihrer Bilanz an eine Zweckgesellschaft aus. Diese begibt dann Anleihen in verschiedenen Tranchen, die mit den Forderungen unterlegt sind. Die Emissionen sind meist so strukturiert, dass die größte Tranche von den Ratingagenturen die Höchstnote Dreifach-A erhält.

In ganz Europa wurden im ersten Halbjahr nach Berechnungen der britischen Großbank HSBC Asset Backed Securities über 177 Mrd. Euro platziert und damit 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der deutsche Marktanteil in Höhe von sieben Prozent blieb auf einem niedrigen Niveau. Die größte Transaktion kam vom Bund selbst, der Pensionsverpflichtungen an die Nachfolgeunternehmen der Deutschen Bundespost über 7,5 Mrd. Euro verbriefte.

Dass der deutsche Verbriefungsmarkt anderen Ländern hinterherhinkt, liegt nach Einschätzung von Läger vor allem daran, dass hiesige Unternehmen lieber direkt Kredite über ihre Hausbank abschließen als eine Fremdfinanzierung über den Kapitalmarkt vorzunehmen. In Großbritannien dagegen – dem größten europäischen ABS-Markt – konzentrierten sich die Banken viel stärker darauf, den Kapitalmarkt als Finanzierungsquelle für sich selbst und die Unternehmen zu erschließen.

Hoffnung macht Analysten jedoch, dass in Deutschland Spezialsegmente wie mit gewerblichen Immobilienkrediten unterlegte Anleihen – so genannte Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS) – boomen. Im ersten Halbjahr kamen laut S&P in Deutschland bereits CMBS über 6,2 Mrd. Euro auf den Markt und damit mehr als im gesamten Vorjahr. Und in dieser Woche verbriefen die Citigroup und Barclays Capital über die Zweckgesellschaft „Grand plc“ ihre Forderungen an die Mieteinnahmen der Deutschen Annington über 5,4 Mrd. Euro und damit über ein extrem hohes Volumen für diese Anlageklasse. Annington gehört dem britischen Finanzinvestor Terra Firma und ist seit der Übernahme der Eon-Tochter Viterra für sieben Mrd. Euro das größte deutsche Wohnungsunternehmen. Nach Ansicht der DZ Bank wird diese Mega-Verbriefung ein Test für den Markt.

Anfang des Jahres hatten bereits Morgan Stanley und die Citigroup CMBS über 1,5 Mrd. Euro platziert und damit den Kauf von Wohnungen der Thyssen-Krupp refinanziert. S&P geht davon aus, dass der deutsche CMBS-Markt in diesem Jahr noch stark wächst. In der Pipeline seien derzeit Verbriefungen von Gewerbeimmobilien und Mietobjekten über elf Mrd. Euro. In Deutschland entwickelt sich laut S&P zudem ein Trend hin zur Verbriefung von Krediten an mittelständische Unternehmen. Die KfW Bankengruppe bündelt schon länger Kredite an mittelständische Unternehmen von vielen Banken und platziert diese über ihre Verbriefungsplattform „Promise“ am Kapitalmarkt. Mehr und mehr greifen jedoch auch Privatbanken auf dieses Mittel zurück und verbriefen Genussscheine von Mittelständlern. Neu ist die Verbriefung von Schuldscheinen mittelständischer Unternehmen. Erst vergangene Woche hat die Commerzbank ein Schuldschein-Portfolio über 503 Mill. Euro an den Markt gebracht. Die Deutsche Bank bündelt derzeit Schuldscheine, um sie später bei institutionellen Investoren zu platzieren.

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