Anleihen
Diese Staatspapiere könnten sich 2013 lohnen

2012 war das Jahr des Schuldenmachens. Mehr Geld als je zuvor haben sich die EU-Staaten am Kapitalmarkt geliehen, Anleger haben von hohen Renditen profitiert. Welche Bonds auch 2013 gute Renditen abwerfen.
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DüsseldorfDeutschland ist nicht nur das bevölkerungsreichste Land in der Europäischen Union, es ist auch das Land mit den höchsten Schulden. Mit 2,09 Billionen Euro standen Bund, Länder und Gemeinden im Jahr 2011 bei Investoren in der Kreide. Die Summe relativiert sich erst gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – so gerechnet kommt Deutschland auf eine den Maastricht-Kriterien nach zu hohe, im europäischen Vergleich aber moderate Schuldenstandsquote von 80,5 Prozent.

Italien dagegen schuldete seinen Gläubigern 2011 noch 1,9 Billionen Euro, das entsprach 120,7 Prozent des BIP. Auch Frankreich schleppte 2011 mit 1,7 Billionen Euro eine enormes Staatsdefizit mit sich herum, das waren 86 Prozent des BIP. Zusammen verbuchen die 27 EU-Mitgliedsstaaten 10,4 Billionen Euro auf der Sollseite. Die mittlere EU-Schuldenquote hat mit 82 Prozent des EU-BIPs ihren bisherigen Höchststand erreicht.

Doch statt die Schulden abzubauen, schlug das Volumen neu emittierter Staatspapiere 2012 alle Rekorde. Mit 263 Milliarden Euro fragte etwa Frankreich zweieinhalb Mal so viel frisches Geld nach wie noch 2011. Dass die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's dem Land im vergangenen Jahr die Bestnote in Sachen Kreditwürdigkeit entzogen hatten, spielte offenbar keine Rolle. Zuletzt konnte sich die Grande Nation günstig wie nie refinanzieren. Mit einer Rendite von 2,07 Prozent auf zehnjährige Staatspapiere waren Investoren im Dezember bereits zufrieden.

Auch in Italien war der Geldbedarf groß: Rund 291 Milliarden Euro lieh sich das Land in 2012, gut 70 Prozent mehr als noch 2011. Anders als Frankreich musste Italien dafür aber gehörig in die Tasche greifen. Der Chef der Übergangsregierung, Wirtschaftsprofessor Mario Monti, gewann nur langsam das Vertrauen der Märkte zurück: Zwischenzeitlich waren die Zinsen für zehnjährige Bonds von mehr als sieben auf 4,5 Prozent gesunken. Insgesamt sammelten Deutschland, Frankreich, Belgien und die sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) im vergangenen Jahr von Anlegern über eine Billion Euro ein.

Während deutsche Staatsanleihen auch im nächsten Jahr negative Realrenditen aufweisen werden, sollten Anleger ihren Fokus wieder verstärkt auf Bonds der Peripheriestaaten richten, heißt es in einer aktuellen Analyse der Liechtensteiner Vermögens- und Privatbank (VP-Bank). Der Rendite Pick-Up, der Renditeunterschied der Peripherie zu den "sicheren Häfen", könnte dabei vor allem für solche Anleger interessant sein, die die Rahmenbedingungen für eine Verbesserung der Situation in Europa als gegeben sehen, schreiben die Analysten weiter.

Im Jahr 2013 sei zwar mit keinen "extremen Renditeausschlägen" mehr zu rechnen. David Simner, Fondsmanager des Fidelity Euro Bond Fund, rechnet Staatspapieren der EU-Krisenstaaten jedoch "noch beträchtliche Risikoaufschläge" aus. Die Analysten der VP-Bank warnen allerdings davor, alle PIIGS-Staaten über einen Kamm zu scheren. Anleger müssten Chancen und Risiken jedes Landes einzeln betrachten.

Zu Frankreich äußern sich die Experten differenziert. Es sei denkbar, dass sich bei einer Verschlechterung der Situation in Frankreich die Risikoaufschläge zu Deutschland wieder ausweiten können. Die Höchststände von 180 Basispunkten würden allerdings nicht mehr erreicht, so die Einschätzung. In Italien schließlich hinge viel vom Ausgang der vorgezogenen Parlamentswahlen im Februar ab. Kurzfristig könnten Spekulationen für vermehrte Schwankungen an den Märkten führen. Mittelfristig sehen die Analysten Italien aber auf Konsolidierungskurs.

So viele Schulden kann ein Staat stemmen

Neue Schulden nehmen Staaten in der Regel immer dann auf, wenn alte Anleihen fällig werden. Wenn darüber hinaus strukturelle Probleme das Land ereilen, zum Beispiel Steuereinnahmen aufgrund hoher Arbeitslosigkeit wegbrechen und Ausgaben für die soziale Sicherung höher ausfallen als geplant, kann die Neuverschuldung in die Höhe schießen.

Doch wie viel Defizit kann Europa noch stemmen? Ökonomen stellen die Frage ein wenig anders. So lange die Schuldenquote, das Verhältnis von Staatsdefizit zu Bruttoinlandsprodukt (BIP), "tragfähig" ist, könne zusätzliches Geld die Wirtschaft stimulieren, Investitionen und Konsum befeuern und das Bruttoinlandsprodukt steigern. Schulden seien also nicht zwangsläufig schlecht, auf das richtige Maß komme es an.

Der Neu-Keynesianer Olivier Blanchard, der am Bostoner Massachusetts Institute of Technology (MIT) lehrt, hat Anfang der 1990er-Jahre aufgeschrieben, wo "tragfähig" anfängt und wo es aufhört. Blanchard unterscheidet mehrere Szenarien, unterstellt jedoch stets ein "akzeptables" Ausgangs-Schuldenniveau. Akzeptabel, das könnten die 60 Prozent Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sein, die der Vertrag von Maastricht einst festlegte.

Dabei ist die Bundesrepublik das Land, das sich in naher Zukunft am ehesten einem tragfähigen Schuldenstand annähern kann: Zwar wuchs die deutsche Wirtschaft im Jahr 2012 nur um knapp ein Prozent, ähnliches prognostizieren Gutachter für dieses Jahr. Doch kann sich der Bund gegenwärtig so günstig wie nie refinanzieren – nur 1,5 Prozent Zinsen pro Jahr kosteten ihn im Dezember zehnjährige Bundesanleihen.

Über die sogenannten Schuldenbremse verpflichtete sich die Bundesregierung darüber hinaus, die Neuverschuldung sukzessive abzubauen und bis 2016 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Die geringe Arbeitslosigkeit tut ihren Beitrag, da mehr Beschäftigte dem Fiskus auch höhere Steuereinnahmen bescheren.

Sara Zinnecker
Sara Zinnecker
Handelsblatt online / Redakteurin

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