Anleihen
Druck auf Junk-Bonds steigt

Viele Fachleute mahnen bei Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität zur Vorsicht: Die ausgezeichneten Erträge der Vergangenheit finden offenbar nicht nur ein Ende, es drohen erstmals seit Jahren wieder Verluste. Dabei wird eine Entwicklung in den USA zum unkalkulierbaren Risiko.

FRANKFURT. Die steigende Risikoscheu der Investoren am Kreditmarkt bekommen die Besitzer von Junk-Bonds immer stärker zu spüren. Seit Anfang Juni haben die hochverzinslichen Unternehmensanleihen mit mangelnder Bonität den Anlegern die größten Verluste seit über zwei Jahren beschert. Die hohen Zinsscheine der Bonds konnten die Kursverluste nicht mehr kompensieren. Im Schnitt verloren Anleger in den vergangenen sieben Wochen nach Daten von Merrill Lynch mit auf Euro lautenden Junk-Bonds mehr als zweieinhalb Prozent.

Experten gehen davon aus, dass der Markt noch länger unter Druck stehen wird. Grund ist vor allem die Unsicherheit im Zuge der so genannten Subprime-Krise in den USA. Die Subprime-Krise bezeichnet den Einbruch auf dem amerikanischen Markt für zweitrangige Hypotheken an private Hausbauer. Diese belastet Anleihen, die mit den Krediten und Hypotheken-Derivaten besichert sind. Spekulationen mit diesen Papieren haben bereits zwei Hedge-Fonds der US-Investmentbank Bear Stearns fast wertlos werden lassen. Zudem müssen Finanzinvestoren wie KKR und Cerberus für Kredite zur Finanzierung von Übernahmen tiefer in die Tasche greifen. Das verunsichert auch Käufer von Junk-Bonds.

Vivek Tawadey, leitender Kreditstratege bei BNP Paribas, hält es angesichts der Unsicherheit für möglich, dass Investoren in diesem Jahr mit Junk-Bonds insgesamt einen Verlust erleiden werden. Damit ginge die positive Phase der vergangenen vier Jahre zu Ende. Zuletzt haben die Anleger mit Junk-Bonds überdurchschnittliche Erträge eingefahren – im Schnitt zwischen neun und 26 Prozent pro Jahr.

Auch Willem Sels, Leiter der Kreditstrategie bei Dresdner Kleinwort, geht davon aus, dass Junk-Bonds in diesem Jahr schlechter abschneiden werden als andere Anleihen. In den vergangenen Jahren hätten höhere Risikoaufschläge stets nach kurzer Zeit wieder Investoren angelockt. Dies sei jetzt angesichts der allgemeinen Unsicherheit anders. Sels erwartet, dass die Risikoprämien – also die Renditeabstände von hochverzinslichen Unternehmensanleihen im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen – von aktuell rund 2,8 Prozentpunkten noch um bis zu anderthalb Prozentpunkte steigen werden.

Probleme sieht Sels auf den Markt zukommen, wenn Investoren anfangen, höhere Ausfallraten bei den Junk-Bonds einzupreisen. Er schätzt, dass in den kommenden zwölf Monaten vier Prozent aller Unternehmen ihre Anleihen nicht bedienen werden. Ende Juni lag die weltweite Ausfallrate nach Daten der Ratingagentur Moody’s nur bei 1,4 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit 1995. Moody’s rechnet auf Zwölf-Monatssicht mit einem Anstieg der Ausfallquote auf 3,3 Prozent. Sels begründet die höhere Schätzung von Dresdner Kleinwort damit, dass Banken bei der Kreditvergabe zunehmend restriktiver würden. Dies treffe besonders schwache, hochverschuldete Unternehmen.

Tawadey von BNP Paribas fürchtet ab spätestens 2009 deutlich höhere Ausfälle. Zudem geht er davon aus, dass sich die schwierige Lage am US-Subprime-Markt mit Zeitverzögerung auch auf die US-Wirtschaft auswirken wird. So müssten die US-Verbraucher schon jetzt etwa 20 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Schuldentilgung aufwenden, und die Belastung werde zunehmen, meint Tawadey. Die Zinsen auf variabel verzinste Hypotheken über eine Bill. Dollar dürften in diesem und im kommenden Jahr um drei Prozentpunkte steigen. BNP Paribas rät daher wie Dresdner Kleinwort und Morgan Stanley, Junk-Bonds unterzugewichten.

Etwas optimistischer ist Klaus Oster von der Fondsgesellschaft DWS. „Die bisherige Korrektur war sehr beachtlich, und am High-Yield-Markt selbst hat sich fundamental nicht viel geändert“, sagt der Portfoliomanager. Oster erwartet am Markt in diesem Jahr Erträge zwischen vier und fünf Prozent. Allerdings schränkt auch er ein, dass die Risiken aus der Subprime-Krise derzeit schwer einzuschätzen seien. Das meinen auch die Strategen von JP Morgan, die angesichts der gestiegenen Risikoaufschläge aber langsam wieder Chancen bei Junk-Bonds sehen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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