Anleihen
Erholung am Aktienmarkt drücken Euro-Renten

Das Durchbrechen charttechnisch wichtiger Marken hat am Donnerstag einen Kursrutsch bei den europäischen Staatsanleihen ausgelöst.

HB FRANKFURT. Wegen einer Erholung am Tokioter Aktienmarkt und neuer Spekulationen über die weiteren Zinsschritte der US-Notenbank waren die Euro-Renten bereits schwächer in den Handel gestartet.

Äußerungen führender Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) nährten im Handelsverlauf zudem die Erwartungen einer weiteren Zinserhöhung für die Euro-Zone im Frühjahr.

Der für die europäischen Rentenmärkte richtungsweisende Bund-Future fiel in der Spitze 67 Ticks auf 121,56 Zähler. „Diese heftigen Verluste sind rein technisch getrieben“, sagte ein Händler. „Keiner hätte gedacht, dass heute die Marke um die 121,75 Punkte durchbrochen wird.“ Die zehnjährige Bundesanleihe lag am Mittag mit 43 Ticks im Minus bei 101,41 Punkten und rentierte mit 3,3329 Prozent.

„Offensichtlich brauchen Märkte heutzutage nur noch anderthalb Tage, um so einen Bilanzskandal wie bei Livedoor zu verdauen“, kommentierte HVB-Rentenanalyst Kornelius Purps die Rückkehr der Anleger in Unternehmenswerte. Der Skandal um Livedoor hatte in den vergangenen beiden Tagen den Tokioter Leitindex Nikkei um mehr als fünf Prozent einbrechen lassen und die europäischen Börsen mitgerissen. Am Donnerstag verbuchten die Aktienmärkte wieder Gewinne. Gegen das japanische Internetportal Livedoor wird wegen des Verdachts der Kursmanipulation und wegen mutmaßlicher Bilanzfälschungen ermittelt.

Die EZB betonte in ihrem Monatsbericht für Januar, die Inflationsrisiken weiter sehr genau im Auge zu behalten. Während der Bericht zudem auf Konjunkturrisiken verwies, äußerte sich EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing zuversichtlich. Die Risiken hätten ganz klar abgenommen. „Fast alle Daten zeigen, dass sich der Aufschwung fortsetzt und verstärkt“, sagte Issing in einem Interview mit Bloomberg TV. Die Ölpreise würden jedoch hoch bleiben oder sogar weiter steigen. Bundesbank-Präsident Axel Weber sagte im Anschluss an ein Treffen des deutsch-französischen Finanz- und Wirtschaftsrates, die Geldpolitik der EZB stehe der wirtschaftlichen Erholung nicht im Weg. Die EZB hatte Anfang Dezember zum ersten Mal in fünf Jahren den Leitzins für die Euro-Zone auf aktuell 2,25 Prozent erhöht. Analysten erwarten mehrheitlich einen weiteren Zinsschritt im Frühjahr.

Auch in den USA lösten Äußerungen hochrangiger Notenbankvertreter neue Zinsspekulationen aus. Der im für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschuss stimmberechtigte Notenbankchef von Richmond, Jeffrey Lacker, sagte am Mittwochabend, es sei noch mindestens ein weiterer Zinsschritt zu erwarten. Höhere Preise könnten die Zinserhöhungen sogar beschleunigen. Fed-Gouverneurin Susan Bies sagte, wann der Zinserhöhungszyklus zu Ende gehe, werde von den Konjunkturdaten bestimmt.

Der Bobl-Future notierte 36 Ticks niedriger bei 112,84 Stellen, der Schatz-Future lag elf Basispunkte niedriger bei 105,285 Punkten.

Die von der Bundesbank täglich errechnete Umlaufrendite börsennotierter öffentlicher Anleihen stieg auf 3,24 (Mittwoch: 3,16) Prozent. Der Rex-Rentenindex notierte 0,42 Prozent schwächer bei 120,9531 Stellen.

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