Anleihen-Experte Hellstern
„Investoren halten sich bei hohen Zinsen zurück“

Der Boom bei Unternehmensanleihen wird weitergehen, ist Matthias Hellstern überzeugt. Der Anleiheexperte der Ratingagentur Moody’s erklärt, worauf Anleger achten sollten - vor allem wenn sie Mittelstandsanleihen kaufen.
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DüsseldorfIn Zeiten der Niedrigzinsen können Unternehmensanleihen eine Alternative sein. Mit diesen Bonds beschäftigt sich Matthias Hellstern seit mehr als zehn Jahren bei der Ratingagentur Moody's. Im Interview spricht er über Chancen und Risiken, die Anleger im kommenden Jahr beachten sollten.

Herr Hellstern, Unternehmensanleihen boomen und boomen. Wird 2015 ein ähnlich gutes Jahr?
Die Erwartung ist da, dass es nächstes Jahr so weitergeht. 2013 und 2014 waren schon relativ starke Jahre. In diesem Jahr liegen wir bereits Anfang November über dem sehr hohen Volumen zum gleichen Zeitpunkt 2013. Insbesondere im sogenannten High-Yield-Bereich, den risikoreicheren höher verzinsten Anleihen. Dass das gesamte Anleihesegment im nächsten Jahr mit der gleichen Rate weiter wächst, glaube ich nicht. Das Volumen wird aber insgesamt hoch bleiben.

Wodurch kommt dieser Boom zustande?
Viele Transaktionen dienen der Finanzierung von Übernahmen durch Private-Equity-Firmen. Diese Transaktionen gehen in der Regel mit einem sehr hohen Leverage, also einem hohen Anteil von Fremdkapital und einem relativ hohen Ausfallrisiko einher. Aufgrund der aufnahmefähigen Kapitalmärkte konnten sie dennoch relativ leicht platziert werden. Die Finanzierungen haben Laufzeiten zwischen fünf und sieben Jahren, so dass erst 2020 wieder refinanziert werden muss. Zum Glück haben wir bislang wenige Ausfälle erlebt. Das lag vor allem an den günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere in Nordamerika, Asien und Nord-/Zentraleuropa.

Geht das so weiter?
Es gibt immer noch viele, insbesondere kleinere und mittelgroße Firmen, die an Private Equity verkauft werden. Beispielsweise werden die Zementkonzerne Holcim und Lafarge Unternehmensteile verkaufen müssen, um ihre Fusion kartellrechtlich zu ermöglichen. Und falls diese Unternehmensteile von Private-Equity-Firmen übernommen werden, werden die diesen Kauf wiederum über Anleihen finanzieren.

Ist denn immer noch genügend Liquidität am Markt vorhanden?
Was wir seit drei oder vier Wochen nicht mehr gesehen haben, sind neue Unternehmensanleihen im Hochzinsbereich. Da halten sich die Investoren zurück. Sie sind momentan nicht bereit, in erhöhte Risiken zu investieren. Eines der wenigen Unternehmen, das erfolgreich an den Markt gegangen ist, war Schaeffler. Bei einem Unternehmensrating von Ba3 gelang eine Refinanzierung in Höhe von mehreren Milliarden Euro. Dies lag daran, dass Schäffler nicht als klassisches Private-Equity-Investment wahrgenommen wird, sondern als ein solides und großes Unternehmen in Familienbesitz, im Gegensatz zu kleineren Firmen mit einem weniger robusten Geschäftsprofil.

Spielen die Banken denn noch eine Rolle bei der Unternehmensfinanzierung?
Die Banken bilden bei den größeren und riskanteren Transaktionen nur noch die Brücke zum Kapitalmarkt. Das war 2008, dem Beginn der Finanzkrise, noch anders, als auch sogenannte „leveraged-buy-outs“, mit hohem Fremdkapitalanteil finanzierte Unternehmensübernahmen, noch langfristig von den Banken finanziert wurden.

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