Anleihen
Firmen leihen sich Geld fast zum Nulltarif

Unternehmen nutzen die Mini-Zinsen. Seit die EZB angekündigt hat, auch Firmenbonds zu kaufen, begeben sie so viele Anleihen wie lange nicht. Sanofi zahlt dabei gar keinen Kupon mehr. Warum Anleger trotzdem zugreifen.

Frankfurt„Money for nothing“ sang einst die Rockgruppe Dire Straits. Und meinte damit wohl auch sich selbst. Schließlich geht es in dem Song um Rocksänger, die Geld fürs Nichtstun bekommen. Geld für fast nichts – das gilt inzwischen auch für Unternehmen, die sich am Anleihemarkt Geld leihen wollen. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt hat, dass sie gegen Ende des zweiten Quartals auch Firmenbonds kaufen wird, sind die Renditen und Risikoaufschläge der Unternehmensanleihen deutlich gesunken.

Und das nutzen die Unternehmen weidlich aus. Konzerne, denen die großen Ratingagenturen eine gute Bonität im Investment-Grade bescheren – also die Anleihen, die die EZB kaufen wird – haben im März laut Banken Bonds über knapp 46 Milliarden ausgegeben.

Mehr Emissionen innerhalb eines Monats gab es zuletzt vor gut einem Jahr. Und das ist noch nicht das Ende. Auf Werbetour für neue Anleihen sind derzeit der französische Zementhersteller Lafarge und der australische Mobilfunkanbieter Telstra. Der niederländische Chemiekonzern Akzo Nobel hatte am 1. April eine zehnjährige Anleihe über 500 Millionen Euro mit einer Rendite von 1,2 Prozent begeben. Und am heutigen Montag wird ein Euro-Bond des US-Paketdienstleisters FedEx erwartet.

Im Januar und auch noch über weite Strecken im Februar dieses Jahres hatten sich Unternehmen dagegen extrem zurückgehalten. Die Sorgen um den fallenden Ölpreis, die Wachstumsängste um China, der Kursverfall an den Aktienmärkten und allgemein die großen Schwankungen an den Märkten ließen auch den Markt für Unternehmensanleihen nicht kalt. Die Kurse fielen, die Renditen stiegen und nur wenige Firmen trauten sich an den Markt. Das hat sich jetzt komplett geändert: „Wenn ich ein Unternehmen wäre, würde ich die guten Konditionen auch nutzen“, sagt Eden Riche, der im Syndikat bei der ING in London für die Platzierung neuer Anleihen zuständig ist, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Dabei gilt für viele Unternehmen das Motto: Nicht kleckern, sondern klotzen. Das gilt besonders für den Bierbrauer Anheuser Busch Inbev, der sich über mehrere Laufzeiten 13,25 Milliarden Euro auf einen Schlag holte. Kein Unternehmen zuvor hat eine solch große rein rein in Euro platzierte Emission begeben. Seit der Platzierung sind die Kurse der Bonds – wie auch bei den anderen Neuemissionen – gestiegen und ihre Renditen im Gegenzug noch weiter gesunken. So rentiert die neue in vier Jahren fällige Anleihe von Anheuser Busch Inbev mit knapp 0,4 Prozent, bei der in 20 Jahren fälligen sind es knapp 2,3 Prozent. Im Januar Jahr hatte der Bierbrauer mit 48 Milliarden Dollar sogar die weltweit zweitgrößte Unternehmensanleihe aller Zeiten begeben. Anheuser Busch Inbev braucht das Geld, um die Übernahme des Konkurrenten SAB Miller längerfristig zu refinanzieren.

Die Deutsche Telekom holte sich 4,5 Milliarden Euro, British Telecommunications 3,9 Milliarden Euro und Daimler 3,5 Milliarden Euro. Hier liegen die Renditen für vierjährige Bonds der Telekom bei nur noch gut 0,1 Prozent, bei zwölfjährigen sind es unter 1,3 Prozent. Die neue fünfjährige Anleihe der britischen Konkurrenten wird zu 0,6 Prozent gehandelt, die zehnjährige zu 1,3 Prozent.

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