Anleihen
General Electric: Positiver Stimmungsindikator

Die Stimmung der US-Wirtschaft hellt sich auf: Anleihe von Mischkonzerns General Electric gelten als Stimmungsbarometer - und sind bei Investoren wieder gefragt. Auch in der Krise glänzen die Anlagen mit einer guten Rendite. Nur die GE-Finanztochter bereitet den Anlegern Sorgen.

FRANKFURT. Der gigantische Mischkonzern General Electric (GE) gilt als Indikator für die Entwicklung der US-Wirtschaft. An den Anleihen des Konzerns lässt sich zudem die Stimmung der Investoren an den Kreditmärkten ablesen. Als diese im März im Nachgang der Lehman-Pleite noch eine weltweite Depression der Wirtschaft fürchteten, warfen GE-Bonds zweistellige Renditen ab. Dabei gehörte GE damals noch zu den wenigen Unternehmen, deren Bonität die Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P) und Moody’s mit der Spitzennote Dreifach-A bewerteten.

Sorgen machte den Investoren vor allem die Finanztochter General Electric Capital Corp (GECC), die im Zuge der Finanzkrise mit steigenden Ausfallraten zu kämpfen hatte. Gleichzeitig gab es Gerüchte, dass GECC vom Konzern abgespalten werde. Zudem störte Anleger die Intransparenz des verschachtelten Konzerns, dessen Produkte von Finanzdiensteleistungen über Hausgeräte, Medizintechnik und Flugzeugturbinen bis zu Atomkraftwerken und Fernsehsendern reichen.

Inzwischen sind Investoren generell wieder viel zuversichtlicher und verlangen weniger hohe Risikoprämien. In der vergangenen Woche platzierte der Konzern eine fünfjährige Euro-Anleihe, die mit nur 4,5 Prozent rentiert. Paradoxerweise sanken die Renditen der GE-Bonds kräftig, als die Ratingagenturen Mitte März den Daumen senkten. S&P stuft den Konzern seither nur noch mit dem zweit- und Moody’s sogar nur noch mit dem drittbesten Rating ein. Viele Kreditstrategen hatten aber noch deutlichere Herabstufungen befürchtet.

S&P bestätigte die Ratings in der vergangenen Woche, obwohl der Traditionskonzern im zweiten Quartal erneut einen Gewinn- und Umsatzeinbruch verzeichnete. Hauptgrund dafür war erneut die stark rückläufige Entwicklung der Finanztochter. Die Industriesparte entwickelte sich hingegen vergleichsweise gut. „In der Krise zeigt sich auch die Stärke von GE mit einem exzellenten Geschäftsrisikoprofil im Industriezweig“, sagt Simone Müller, Analystin für Unternehmensbonds bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Auch in der Refinanzierung, für die GECC zuständig ist, sieht es inzwischen wieder viel besser aus. Die Refinanzierung ist in diesem Jahr schon komplett abgeschlossen, und die Hälfte des im kommenden Jahr nötigen Fremdkapitals ist schon gesichert. Auf staatliche Garantien für Anleihen will GECC künftig verzichten. Fast alle Bonds des Konzerns wurden von der Finanztochter emittiert. GE garantiert diese nicht, hat der Finanztochter aber zumindest für drei Jahre Unterstützung zugesagt. Gestern betonte GE erneut, zur Finanztochter zu stehen. Auch sei es zunehmend unwahrscheinlich, dass die Politiker das Unternehmen zwingen würden, GECC abzuspalten, erklärte der Konzern gegenüber Investoren.

Trotzdem bleiben Unwägbarkeiten, und Analysten betonen, dass der Konzern nach wie vor intransparent und schwer zu analysieren ist. Als Schnäppchen gelten die Bonds angesichts der gesunkenen Renditen deshalb nicht mehr.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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