Anleihen gestützt
Schwellenländer-Bonds sind so teuer wie nie

Globalisierung ist nicht nur ein Schlagwort, was für gereizte Reaktionen sorgt, sondern auch ein Prozess, der die Ökonomie in Schwellenländern boomen lässt. Im Gegenzug sinken die Risikoaufschläge für Schwellenländer-Bonds – und das macht sie teurer als je zuvor.

FRANKFURT. Anleger verlangen für Anleihen aus Schwellenländern nur noch wenig Rendite. Vergangene Woche sanken die Risikoprämien von auf Dollar lautenden Emerging-Market-Bonds im Vergleich zu US-Staatspapieren auf im Schnitt gut eineinhalb Prozentpunkte. So niedrig waren die Aufschläge noch nie, und seither gab es nur einen marginalen Anstieg. Fachleute halten die Bonds zwar absolut gesehen für teuer, rechnen aber mit nur leicht steigenden Risikoprämien.

„Die Wirtschaft in den meisten Schwellenländern wächst dank der Globalisierung kräftig, davon profitieren die Bonds“, sagt Christian Schiweck von der Fondsgesellschaft DWS. „Außerdem profitieren viele Länder als Ölexporteure vom wieder gestiegenen Ölpreis“, ergänzt Michael Mewes von JP Morgan Asset Management.

Die insgesamt besseren Aussichten der Emerging Markets zeigen sich auch in einer gestiegenen Kreditwürdigkeit. Das Durchschnitts-Rating im Index EMBI+ von JP Morgan liegt inzwischen bei „BB+“ und damit nur noch eine Stufe unter dem relativ sicheren Investment-Grade. Die Aussichten für noch bessere Ratings sind gut. So erwartet Mauro Toldo, Volkswirt bei der Dekabank, dass Peru noch in diesem Jahr ein Investment-Grade-Rating bekommt, mittelfristig sieht er dies auch für Brasilien und Kolumbien.

Neben den guten Wirtschaftsdaten ist die generell sinkende Auslandsverschuldung vieler Schwellenländer ein Grund für die besseren Ratings und die niedrigeren Risikoprämien (Spreads). Viele Länder begeben verstärkt Anleihen in ihren heimischen Währungen anstatt in Dollar oder – ohnehin seltener – in Euro. Während es 2004 von Staaten der Emerging Markets neue Bonds in Hartwährungen über 61 Mrd. Dollar gab, rechnet JP Morgan in diesem Jahr nur mit Emissionen über 32 Mrd. Dollar. Da gleichzeitig viele Bonds fällig oder vorzeitig zurückgezahlt werden, sinkt das Angebot. Auf der anderen Seite steigt die Nachfrage, da zum Beispiel viele Rentenfonds Anleihen der Schwellenländer beimischen. „Emerging-Market-Anleihen in Hartwährungen sind eine aussterbende Anlageklasse“, sagt Schiweck. Angesichts dieser Situation und der verbesserten Daten seien die niedrigen Spreads nur folgerichtig, wenn es auch temporäre Einbußen geben könnte. Rückschläge sieht Schiweck als Möglichkeit zum verstärkten Einstieg.

Auch Mewes und Toldo erwarten, dass sich die Aufschläge unter zwei Prozentpunkten halten werden. „Absolut gesehen ist das wenig, aber die Risikoprämien sind auch bei anderen Anleihen gering und von daher bleiben Bonds der Schwellenländer eine Alternative“, meint Dekabank-Volkswirt Toldo. Mewes von JP Morgan Asset Management geht davon aus, dass sich mit Bonds der Emerging Markets in diesem Jahr Erträge von fünf bis sechs Prozent erzielen lassen. „Das ist zwar nicht übermäßig viel, aber im Vergleich zu Staatsanleihen der Industrienationen doch attraktiv.“

Gefahren für deutlich steigende Aufschläge sehen Experten nur bei einzelnen Ländern. So ist die Lage in Ecuador nach wie vor unsicher, weil Präsident Rafael Correa weiter damit droht, Anleihen nicht zu bedienen. Die Zinsen auf einen im Jahr 2030 fälligen Dollar-Bond hat das Land aber dennoch gezahlt. Als positiv gilt, dass die Unsicherheit in Ecuador die Bonds anderer Länder nicht belastet hat. „Die Investoren differenzieren sehr genau“, betont Schiweck. Auch die politischen Unsicherheiten in der Ukraine belasten lediglich die Anleihen des Landes selbst etwas, nicht aber den gesamten Markt. Vor gut fünf Jahren beim Zahlungsausfall Argentiniens war das noch anders. Damals stiegen die Risikoaufschläge am breiten Markt auf 11,2 Prozentpunkte.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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