Anleihen

Globale Bond-Renditen fast auf Allzeit-Tief

Vier Präsidenten regionaler Federal-Reserve-Banken hatten gesagt, sie seien offen dafür, im Juni eine Zinserhöhung zu erwägen. Diese Aussagen wurden aber offenbar von Anlegern ignoriert.

Boom der Negativ-Rendite

FrankfurtDie globalen Bond-Renditen sind fast bis auf ein Allzeit-Tief gesunken. Die Aussagen von vier Vertretern der US-Notenbank, die signalisiert hatten, die Fed könnte die Zinsen bereits auf der nächsten zinspolitischen Sitzung im Juni anheben, wurden damit ignoriert.

Die Durchschnittsrendite der Anleihen im Global Broad Market Index von Bank of America Corp. fiel am Donnerstag auf 1,287 Prozent. Der tiefste Wert war im April mit 1,284 Prozent markiert worden, wie aus Daten hervorgeht, die bis 1996 zurückreichen. Die Bonds haben 2016 einen Ertrag von 3,8 Prozent eingebracht, im Vergleich zu rund einem Prozent im Gesamtjahr 2015.

Bonds für die Ewigkeit
Dollar- und Euro-Scheine
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„Trau keinem über 30“ lautete ein Slogan der 68er-Bewegung. Investoren am Anleihemarkt können sich so eine Denke heute nicht mehr leisten. Der Niedergang der Zinsen in den vergangenen Jahren treibt sie verstärkt in Anleihen mit einer Laufzeit von 50 oder sogar 100 Jahren. Die Nachfrage ist groß, denn je länger die Laufzeit, desto höher die Verzinsung. Allerdings steigen mit der Laufzeit auch die Risiken. Ein Überblick über die Schuldner mit Langlauf-Bonds.

Hofburg in Wien
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Wien geht am Kapitalmarkt neue Wege: Österreich hat am 12. September 2017 eine Anleihe begeben, die erst in 100 Jahren fällig wird. Eine so langlaufende Anleihe hat noch kein anderes Land in der Euro-Zone öffentlich platziert. Und das mit Erfolg für die Regierung: Für die Anleihe im Umfang von 3,5 Milliarden Euro gaben Investoren Kaufaufträge über mehr als elf Milliarden Euro ab – und das bei einer Rendite von 2,11 Prozent. Im Oktober 2016 hatte Österreich bereits eine 70-jährige Anleihe begeben, auch das ein Novum für Euro-Länder. Eine Anleihe mit 50 Jahren Laufzeit hatte Österreich zuletzt im Jahr 2012 platziert.

Argentinien
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2,75 Milliarden Dollar hat Argentinien im Sommer 2017 mit einer Anleihe eingesammelt, die das Land erst im Juni 2117 zurückzahlen wird. „Anleger haben ein kurzes Gedächtnis“, sagt dazu Victor Fu, Stratege für Schwellenländer beim Broker Stifel Nicolaus und Co. mit Blick darauf, dass Argentinien zuletzt im Jahr 2001 pleiteging und sich viele Jahre mit den Gläubigern um die Umschuldungsmodalitäten stritt. Doch der Zinskupon von 7,125 Prozent lockte die Investoren. Platziert wurde der Bond zudem zu einem Kurs von 90 Prozent. Zurückgezahlt wird er – theoretisch – zu 100 Prozent, so dass sich für Käufer eine jährliche Rendite von 7,9 Prozent ergibt.

Frankreich
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Frankreich ist der Vorreiter bei der Bond-Generation „50 plus“. Die erste französische Anleihe mit dieser langen Laufzeit stammt aus dem Jahr 2005. Im Jahr 2017 war Frankreich erneut der erste Schuldner, der sich nach der Finanzkrise mit einem Ultra-Langläufer an den Markt wagte. Die Franzosen stockten am 5. Januar ihre im Mai 2066 fällige Anleihe um eine Milliarde Euro auf. Die Rendite des Papiers mit einem Zinskupon von 1,75 Prozent lag nur bei zwei Prozent. Dennoch sammelten die Banken bei der Bond-Auktion Kaufaufträge über gut zwei Milliarden Euro ein. Gefragt war das Papier vor allem bei Versicherern und Pensionskassen, die langfristige Anlagen suchen. Ein Großteil der Nachfrage kam laut Bankern dabei aus Japan. Zuletzt hatte Frankreich die im Mai 2066 fällige Anleihe im Juni 2016 aufgestockt. Damals lag die Rendite bei nur 1,4 Prozent.

Italien, Teil 1
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Ein italienischer Schuldschein über 50 Jahre hat Anfang Oktober 2016 Bond-Anleger begeistert. Für das Papier gingen Bestellungen im Volumen von 16,5 Milliarden Euro ein. Damit war der Bond fünfeinhalbfach überzeichnet. Weniger begeistert über die Rendite war Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank: Italien biete hier einen Zinskupon von 2,8 Prozent - wenig lohnenswert angesichts der langen Laufzeit.

Italien,Teil 2
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Bereits im Mai 2013 machte Italien mit einer 50-jährigen Anleihe von sich reden. Rom begab einen Bond über 500 Millionen Euro, der mit jährlich 4,75 Prozent verzinst wird. Die ersten 50-jährigen hat Italien im Jahr 2007 begeben, weitere folgten 2008 und 2010.

Spanien
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Gut sechs Wochen vor den vorgezogenen Neuwahlen hatte Spanien am 11. Mai 2016 bereits eine 50jährige Anleihe platziert. Die Nachfrage nach dem Bond im Umfang von drei Milliarden Euro war mit Kaufaufträgen von 10,5 Milliarden Euro enorm – und das obwohl das Land seit Dezember 2015 keine Regierung hat. Doch Kupon und Rendite von je knapp 3,5 Prozent, mit der die Anleihe platziert wurde, lockten Investoren. Zuletzt hatte sich Spanien im September 2014 für 50 Jahre eine Milliarde Euro bei Investoren geliehen. Der Kupon dieser Anleihe liegt bei vier Prozent.

In Australien hat die Zentralbank ihre Inflationsprognose heruntergesetzt, was die drei- und fünfjährigen Renditen auf beispiellose Tiefs rutschen ließ. Die zehnjährigen japanischen Staatsanleihen, die unter null rentieren, waren nur knapp zwei Basispunkte vom Rekordtief entfernt. Australien folgte der Europäischen Zentralbank, die ihre Inflationsprognose für den Euroraum im März gesenkt hatte. Im April war die Bank of Japan gefolgt und schob den Zeitpunkt, zu dem sie ihr Ziel von zwei Prozent Preissteigerung wieder erreicht haben will, weiter hinaus. In den USA wird am heutigen Freitag der Arbeitsmarktbericht für April vorgelegt.

„Weltweit besteht immer noch ein starker Deflationsdruck“, sagte Kei Katayama, Vermögensverwalter bei Daiwa SB Investments in Tokio. „Wenn die Fed die Geldpolitik strafft, dann gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass es ein sehr sehr langsames Tempo sein wird.“ Er setze auf europäische Staatsanleihen, fügte er an.

Vier Präsidenten regionaler Federal-Reserve-Banken hatten gesagt, sie seien offen dafür, im Juni eine Zinserhöhung zu erwägen. James Bullard von der Fed in St. Louis, John Williams aus San Francisco, Robert Kaplan aus Dallas und Dennis Lockhart von der Fed in Atlanta, betonten am Donnerstag in separaten Äußerungen alle, die Geldpolitik werden von den Daten abhängen, und ein Zinsschritt auf der Sitzung des zinspolitischen Offenmarktausschusses (FOMC) am 14. und 15. Juni sei möglich.

Händler sehen eine Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent für steigende Zinsen im Juni, wie Futures-Kontrakte signalisieren.

  • Bloomberg
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