Anleihen
Händler schreiben US-Zinserhöhung ab

Die Märkte rechnen nicht mehr damit, dass die US-Notenbank im März die Zinsen erhöht. Die Renditen der Anleihen sinken weltweit. In Japan nähert sich die Rendite zehnjähriger Bonds der Null-Linie. Ein Vorbote für Deutschland?

FrankfurtJanet Yellen hat einen schweren Stand. Bereits Ende Januar wies die Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) darauf hin, dass sich das US-Wirtschaftswachstum zum Ende des vergangenen Jahres verlangsamt hat, die Unternehmen weniger investieren und der Konsum nicht mehr „solide“, sondern nur noch „moderat“ sei.

Anleihehändler denken das offensichtlich schon länger und haben daraus ihren eigenen Schluss gezogen: Gemessen an den am Terminmarkt gehandelten sogenannten Fed Fund Futures erwarten nur noch zwölf Prozent der Händler, dass die Fed den Leitzins im März erneut anheben wird. Und selbst für Ende 2016 rechnen nur noch 57 Prozent der Händler mit einer Zinserhöhung. Vor zwei Monaten war das noch ganz anders: Damals gingen fast 50 Prozent von einer Zinserhöhung im März aus, und über 90 Prozent rechneten mit höheren Zinsen bis Ende 2016.

Das spiegelt sich auch am Devisenmarkt wider. In den vergangenen Tagen ist der Dollar unter Druck geraten, und das nicht nur zum Euro, sondern auch zum japanischen Yen. Der Euro hat zum Dollar seit Montag fast vier Cent zugelegt und notierte am heutigen Freitag im Hoch mit über 1,12 Dollar. So viel war er zuletzt im vergangenen Oktober wert.

Gründe dafür, dass die Händler nicht mehr an eine Zinserhöhung glauben, dürften vor allem der Einbruch an den Aktienmärkten, der Verfall des Ölpreises, die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten aus den USA sein. In den USA enttäuschten unter anderem das gesunkene Verbrauchervertrauen, der gesunkene ISM-Einkaufsmanagerindex der Dienstleister und die gestiegenen wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht lieferte ein eher positives Bild. Zwar lag die Zahl der neugeschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft lag mit 151.000 deutlicher unter den Erwartungen der Analysten. Dafür fiel die Arbeitslosenquote mit 4,9 Prozent etwas niedriger aus als erwartet. Vor der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts hatten die am Terminmarkt abzulesenden Zinserwartungsprognosen noch etwas geringer gelegen.

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