Anleihen im freien Fall
Griechenland schon wieder pleite?

Da werden Erinnerungen an die Hochzeit der Schuldenkrise wach: Die Rendite griechischer Anleihen schießt nach oben. Steht Athen vor der Zahlungsunfähigkeit? Investoren fürchten, dass das Land „uninvestierbar“ wird.
  • 21

Athen/BrüsselGriechische Staatsanleihen verzeichneten am Freitag erneut Verluste. Umgekehrt stieg die Rendite der zehnjährigen Griechenbonds um zehn Basispunkte auf 9,18 Prozent an. Im Verlauf der Woche ist die Rendite um 200 Basispunkte gestiegen – das ist das stärkste Plus seit Mai 2012, dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise.

Noch deutlicher fiel der Renditeanstieg bei dreijährigen griechischen Anleihen aus, sie rentieren über 450 Basispunkte höher als vor einer Woche und über den zehnjährigen Papieren. Dies ist Zeichen dafür, dass sich Anleger über die Zahlungsfähigkeit des Landes Sorgen machen.

„Wir befürchten, dass Griechenland wieder uninvestierbar wird“, sagte Bill Blain, Stratege bei Mint Partners. „Opportunistische Anleger dürften bei sinkenden Kursen kaufen und potenzielle Szenarien durchspielen, aber wir gehen davon aus, dass Griechenland diesmal von Europa getrennt betrachtet wird.“

Vor allem die unsichere politische Lage verschreckt Investoren: Vor der vorgezogenen Präsidentenwahl in Griechenland liegt die linke Oppositionspartei Syriza einer Umfrage zufolge deutlich vorn. Der jüngsten Erhebung des Instituts Alco vom Mittwoch zufolge käme Syriza aktuell auf 31 Prozent der Stimmen, die konservative Regierungspartei von Ministerpräsident Antonis Samaras läge bei knapp 26 Prozent.

Die am Mittwoch veröffentlichte Umfrage ist die erste nachdem Samaras die Wahl des Staatsoberhaupts im Parlament überraschend um zwei Monate vorgezogen hat. Ein Teil der Antworten wurden erst nach der Ankündigung am Montagabend eingeholt. Falls Samaras Kandidat, der frühere EU-Kommissar Stavros Dimas, auch im dritten Wahlgang durchfällt, steuert das Land auf Neuwahlen zu.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker warnte Griechenland für den Fall von Neuwahlen vor einer Abkehr vom Spar- und Reformkurs gewarnt. „Ich denke, die Griechen wissen sehr genau, was ein falsches Wahlergebnis für Griechenland und die Euro-Zone bedeuten würde“, sagte der der frühere Luxemburger Ministerpräsident in der Nacht zum Freitag im österreichischen Sender ORF. Er wolle persönlich nicht, dass extremistische Kräfte in Athen ans Ruder kämen.

Mit dem Schritt sucht der Regierungschef die Machtprobe mit den Gegnern der Sparpolitik. Für die Wahl des Präsidenten ist er auf viele Stimmen der Opposition angewiesen, obwohl er im Athener Parlament über eine Mehrheit der Sitze verfügt. Syriza-Chef Alexis Tsipras lehnt die Rettungspolitik von EU und IWF für Griechenland ab und pocht auf eine Ende des strikten Sparkurses.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Anleihen im freien Fall: Griechenland schon wieder pleite?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Komisch, dass jetzt die Anleihen-Gläubiger Griechenlands schon wieder nervös werden, wo uns doch vor ein paar Wochen noch eingeredet werden sollte, dass Griechenland jetzt schon der "Wachstums-Motor" innerhalb der EU sei. Defacto hat sich doch seit Bekanntwerden der faktischen Staatspleite Griechenlands vor ein paar Jahren NICHTS geändert, ausser dass man diese Pleite kaschiert hat mit hunderten Milliarden Euro Steuerzahler-Geld. Die den EU-Steuerzahlern versprochenen "harten Reformbedingungen", durchgesetzt von der "Troika" - eine einzige Lachnummer. Von den zugesagten Reformen sind noch nicht mal 10% überhaupt angegangen worden. Man schaue sich nur den immer noch völlig aufgeblähten Staatsapparat an. Es sind immer noch die gleichen Witzfiguren in der griechischen Regierung: Leute wie Venizelos und Samaras, die den deutschen Steuerzahlern VERSPROCHEN haben, jeder Euro Kredit-Zins würde von Griechenland fristgerecht zurückgezahlt werden. Mittlerweile ist es ein offenes Geheimnis, dass Griechenland nicht im entferntesten jemals daran gedacht hat, die erhaltenen hunderte Milliarden Euro "Rettungs-Gelder" jemals zurück zu zahlen. Jetzt wird schon frech gefordert, die Schulden zu erlassen und wenn überhaupt, mit den Rückzahlungen nicht "schon" in 30 Jahren, sondern erst in 50 Jahren anzufangen. Dieses Land hätte niemals in die EU oder in die sog. "Euro-Zone" gedurft. Ein Land, das sich als neues Geschäftsmodell einfach verordnet hat, einfach die Hand aufzuhalten für die nächsten 200 Jahre.

  • Nicht schon wieder - immer noch, sozusagen nachhaltig pleite.

    Nicht allein Griechenland, alle sind pleite.

    Nur einige wissen es noch nicht, weil die Zahlen dazu erst später eintrudeln werden.

    Dazu gehört auch Deutschland, deren Politiker wie auch etliche Menschen glauben, alles sei gut.
    Ist es gar nicht, wie jeder wissen kann, aber regelmäßig nicht will.

  • In zwei Jahren ist das Geschichte. Da werden die 350 Milliarden die zwischenzeitlich an Griechenland gingen lächerlich sein gegen das, was die West-Ukraine haben will.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%