Anleihen im Sinkflug: Regierungskollaps treibt Portugals Zinsen auf Rekordhoch

Anleihen im Sinkflug
Regierungskollaps treibt Portugals Zinsen auf Rekordhoch

In Portugal herrscht Chaos. Das Sparpaket ist gescheitert, Ministerpräsident Sócrates schmeißt hin. Am Bondmarkt schießen die Zinsen in die Höhe. Eine Flucht unter den Rettungsschirm wird immer wahrscheinlicher.
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Lissabon/DüsseldorfDie Regierungskrise in Portugal verschärft die Situation des Landes am Kapitalmarkt. Die Staatsanleihen des hoch verschuldeten Landes stürzten nach dem Rücktritt von Ministerpräsident José Sócrates weiter ab. Die Anleiherenditen, die maßgeblich für die Refinanzierungskosten des Landes sind, stiegen auf ein Rekordhoch. Zehnjährige portugiesische Renditen rentierten am Morgen mit 7,912 Prozent, am Vortag hatte die Rendite noch bei knapp 7,6 Prozent gelegen. Die Rendite für fünfjährige Papiere stieg auf 8,348 Prozent.

Sócrates hatte am Mittwochabend seinen Rücktritt erklärt, nachdem das verschärfte Sparprogramm der Regierung im Parlament gescheitert war. Mit dem Paket, das unter anderem weitere Steuererhöhungen beinhaltet, wollte die Regierung der extremen Staatsverschuldung entgegenwirken und an den Finanzmärkten neues Vertrauen gewinnen. Nach dem Scheitern und dem Rücktritt des Ministerpräsidenten soll es jetzt möglichst bald Neuwahlen geben.

Den oppositionellen Sozialdemokraten warf Sócrates vor, aus politischem Kalkül die Zukunft Portugals aufs Spiels zu setzen: "Die Opposition hat nicht nur das Sparpaket, sondern das gesamte Land blockiert", klagte er in einer Rede an die Nation. Man habe ihm in bewusster Form jede Regierungsfähigkeit entzogen, so der 53-jährige Politiker der Sozialistischen Partei (PS), der das Amt des Ministerpräsidenten seit 2005 innehatte. Er fügte hinzu, die Ablehnung des Pakets werde sehr schlimme Folgen für den Kampf gegen
die Finanzkrise im ärmsten Land Westeuropas haben und auch die Glaubwürdigkeit Portugals in Mitleidenschaft ziehen.

An den Märkten wird seit Wochen darüber spekuliert, ob Portugal als drittes Land nach Griechenland und Portugal unter den Rettungsschirm der Euro-Zone schlüpfen muss. Nach dem Kollaps der Regierung ist die Wahrscheinlichkeit hierfür deutlich gestiegen.

Ein Hilferuf Portugals nach finanzieller Unterstützung schon auf dem EU-Gipfel, der heute in Brüssel startet, ist Kreisen zufolge unwahrscheinlich. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass die Regierung in Lissabon Unterstützung aus dem Ausland beantrage,
sagte ein hochrangiger EU-Vertreter am Donnerstag. Gespräche über ein Hilfspaket hätten noch nicht begonnen. Die EU-Staaten übten jedoch Druck auf die Regierung in Lissabon aus, auf Geld aus dem
Euro-Rettungsschirm zurückzugreifen. Sie befürchteten, dass ein anhaltender Widerstand Portugals dagegen die Stabilität der Euro-Zone gefährden könnte. Ein mögliches Hilfspaket könnte ein Volumen von 80 Milliarden Euro haben, hieß es. Der Euro-Rettungsschirm EFSF verfüge dafür über ausreichende Mittel.

Das wachsende Misstrauen der Anleger zeigte sich am Morgen auch in den Credit Default Swaps. Die Prämien portugiesischer CDS, mit denen sich Investoren gegen den Ausfall von Staatsanleihen des Landes absichern können, stiegen um 17,5 auf 552 Basispunkte. Für die Versicherung eines Kredites über 10.000 Euro mussten Anleger damit 552 Euro Prämie zahlen. Ihr bisheriges Rekordhoch hatten portugiesische CDS nach Angaben des Datenanbieters CMA im Januar bei 555 Punkten markiert.

Kaum beeindruckt von der Zuspitzung der Krise in Portugal zeigten sich am Morgen die Anleger am Devisenmarkt. Der Euro fiel zwar kurz unter die Marke von 1,41 Dollar, kletterte später aber wieder auf rund 1,4120 Dollar. Damit war er teurer als vor der Abstimmung im portugiesischen Parlament. Auch an der Börse in Lissabon reagierten die Anleger entspannt: Der PSI-Index legte am Vormittag 0,5 Prozent zu.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Anleihen im Sinkflug: Regierungskollaps treibt Portugals Zinsen auf Rekordhoch"

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  • Die deutsche Europa-Politik ist für die Steuerzahler in Deutschland mittlerweile zu einem hohen Risiko geworden.
    Sollten einige Pleitestaaten bei der Bewältigung der Eurokrise versagen, muss nun der deutsche Steuerzahler mit viel Geld auch dafür haften!

    Angesichts der jüngsten Beschlüsse der EurozonenFinanzminister ( Banken-Komplizen ) zum neuen "Rettungsfonds" für klamme EU-Mitgliedstaaten ist das Grundproblem nicht gelöst.
    Das Geschäftsmodell vieler Banken geht weiter:
    Die Banken investieren für 10 % in Staatsanleihen überschuldeter Pleitestaaten und refinanzieren
    sich für 1 % bei der EZB und das dank "Rettungsfonds" ohne Ausfallrisiko!!!

    Auch dieser "Rettungsschirm" wird schnell an seine Grenzen kommen und am Ende die Umschuldung dieser Pleitestaaten am deutschen Steuerzahler hängen bleibt.
    Die Politik der Bundesregierung ( Banken-Komplize ) läuft darauf hinaus, dass der neue Not-Fonds in großem Umfang in Anspruch genommen wird und es zu einer globalen Haftung des deutschen Steuerzahler kommt!!!

    Wie lange werden die Menschen in Deutschland dem noch tatenlos zusehen?

  • "Euro-Rettungsschirm" ???

    Warum wird das Kind nicht beim Namen genannt?

    Es geht nicht um die Rettung des Euros, es geht um die Rettung der Banken! ( Auf Kosten der deutschen Steuerzahler! )

    Warum wird von der EU-Junta und den privaten Konzernmedien nicht das Wort "Banken-Rettungsschirm" verwendet???

    Wer steuert die privaten Konzernmedien?

    Vielleicht die gleichen die die Banken steuern?

  • Apropo Zinsen !
    Zinsen auf aus der Luft kreiertes, wertloses Geld.
    Nur am Leben gehalten durch die Naivität und den Glauben der Menschen an dessen Scheinwert
    Na prima.........

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