Anleihen
In den Schwellenländern geht die Party zu Ende

Die aktuelle Situation an den Rentenmärkten der Emerging Markets erinnert Ulrich von Auer, Portfoliomanager von JP Morgan Asset Management, an die Marktlage Mitte der 90er-Jahre. JP Morgan rechnet 2006 nur noch mit einstelligen Anleiherenditen.

HAMBURG. Die aktuelle Situation an den Rentenmärkten der Emerging Markets erinnert Ulrich von Auer an die Marktlage Mitte der 90er-Jahre. „Vor dem Ausbruch der Asienkrise waren die Renditeabstände zwischen Schwellenländeranleihen und Staatspapieren der Industrienationen ebenfalls sehr niedrig, und es gab ausgeprägte Kursgewinne“, sagt der Portfoliomanager von JP Morgan Asset Management.

Im Vergleich zu damals gebe es allerdings einen wesentlichen Unterschied: „Die fundamentalen Daten der Region sind heute deutlich besser“, so von Auer. Die starken Rohstoff-Exporte hätten viel Geld in die Kassen der Schwellenländer gespült. Das Risiko von Zahlungsausfällen sei darum so niedrig wie noch nie. „Viele Länder sind finanziell unabhängiger geworden“, ergänzt Henry Stipp aus dem Schwellenländeranleihen-Team von Threadneedle.

Von den sinkenden Renditeabständen – den so genannten Spreads – haben die Rentenfonds mit Schwerpunkt Emerging Markets kräftig profitiert. Im jüngsten Zwölf-Monats-Vergleich des Analysehauses Feri legten Fonds der Kategorie um durchschnittlich 19,39 Prozent zu (siehe Tabelle). Spitzenreiter ist der JPMF Emerging Markets Bond mit einem Plus von 32,27 Prozent. Er ist einer der ältesten Schwellenländeranleihen-Fonds auf dem deutschen Markt und wurde bereits im April 1993 aufgelegt. Der Threadneedle Emerging Market Bond erzielte 30,04 Prozent und liegt auf Rang vier.

„Zwar ist die Situation nicht in jedem Land so rosig, aber es gibt einen breiten Trend, der für die meisten Länder der Emerging Markets gilt“, erklärt von Auer. Auch 2006 blieben die Fundamentaldaten gut. „Das globale Wachstum wird die Entwicklung der Schwellenländer weiter stützen“, sagt Threadneedle-Stratege Stipp. Trotz des beträchtlichen Potenzials gebe es jedoch auch Risiken. „Die Volkswirtschaften zeigten sich von den steigenden Rohstoffpreisen bis jetzt zwar unbeeindruckt, aber diese könnten sich letztendlich doch negativer auf das Wachstum und die Inflation auswirken als erwartet.“ Auch höhere US-Leitzinsen könnten das Wachstum einschränken, erwartet Stipp.

„Die ganz große Party ist vorbei“, sagt von Auer. Der JP-Morgan-Manager rechnet nicht damit, dass die Spreads noch weiter sinken. 2006 geht er darum nur von einer Rendite zwischen fünf bis acht Prozent aus. Damit liegt von Auer auf einer Linie mit Björn Drescher. Der Herausgeber des Fondsinformationsdienstes „Fonds im Visier“ rechnet ebenfalls mit einer Rendite im mittleren einstelligen Bereich. Die Fonds von JP Morgan und Threadneedle hält er grundsätzlich für ebenbürtig. Dennoch bevorzugt er den JPMF Emerging Markets Bond. „Der Fonds ist ein Klassiker und hat in der Vergangenheit eine gute Leistung gezeigt“, begründet Drescher. Zudem sei JP Morgan ein anerkanntes Haus im Bereich der Schwellenländeranleihen.

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