Anleihen
Investoren lässt Chinas Leitzinserhöhung kalt

Anders als Chinas Aktienmarkt wird dem Anleihemarkt international kaum Beachttung geschenkt. Der Grund dafür ist einfach: Der Markt wird überwiegend von chinesischen Banken, Versicherern und Asset-Managern dominiert, die Staatsanleihen der Volksrepublik laufen fast ausschließlich auf Yuan. Doch bisher sind die Hürden für ausländische Anleger hoch.
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FRANKFURT. Bei Leitzinserhöhungen richtet sich der Blick der internationalen Investoren und Marktbeobachter üblicherweise zuerst auf die lokalen Anleihemärkte. Dabei geht es darum, wie stark die höheren Leitzinsen die Kapitalmarktzinsen - also die Anleiherenditen - mit nach oben ziehen. Nicht so in China: "Anders als Chinas Aktienmarkt wird Chinas Anleihemarkt international kaum beachtet", meint Janis Hübner, Analyst für Schwellenländer bei der Dekabank.

"Wir beobachten zwar die Leitzinsentwicklung in China aufmerksam, weil sie uns Hinweise auf die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft gibt", meint auch Michael Mewes, der bei der Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management in Frankfurt das Anleiheteam leitet: "Chinesische Staatsanleihen sind für uns als Investoren aber nur ein Randthema."

Der Grund dafür ist einfach: Die Staatsanleihen der Volksrepublik lauten fast ausschließlich auf Yuan. Und Chinas Anleihemarkt wird ganz überwiegend von chinesischen Banken, Versicherern und Asset-Managern dominiert. Und das hat System: "Für ausländische institutionelle Investoren ist es extrem schwierig und für Privatanleger unmöglich, auf Yuan lautende chinesische Anleihen zu kaufen", sagt Hübner.

Dabei ist Chinas Bondmarkt mit einem Volumen von umgerechnet knapp 929 Mrd. Dollar laut der Ratingagentur Moody?s für ein Schwellenland recht groß. Und im breiten JP-Morgan-Index für Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährung machen Chinas Staatsbonds fast ein Viertel aus. Kein Land ist stärker vertreten. "In den Indizes für frei handelbare Schwellenländer-Anleihen tauchen chinesische Staatsanleihen jedoch nicht auf und sind daher für internationale Investoren nahezu irrelevant", erklärt Mewes.

Hohe Hürden für ausländische Anleger

Um chinesische Yuan-Anleihen kaufen zu können, müssen Anleger von der Regierung in Peking als qualifizierte ausländische Investoren akzeptiert werden. "Die Nachweise dafür sind sehr kompliziert. Und selbst wenn man zugelassen ist, darf man nur über wenige ausgewählte chinesische Banken chinesische Staatsanleihen kaufen, und das auch nur in begrenztem Volumen", erklärt Mewes. Zudem seien die Handelsspannen der Anleihen oft sehr groß - und die Renditen niedrig. Dies alles zusammen mache die Papiere unattraktiv. So wirft die in zehn Jahren fällige chinesische Staatsanleihe nur um die 3,5 Prozent Rendite ab und liegt damit sogar noch zwei Prozentpunkte unter dem Leitzins.

Einen kleinen Schritt in Richtung Öffnung der heimischen Kapitalmärkte bereitet Peking indes vor. So können seit kurzem auch ausländische Firmen abseits der Banken Anleihen in Yuan begeben. Der erste ausländische Konzern, der sich mit einem sogenannten "Panda-Bond" in Yuan auf den Markt wagte, war die US-Schnellrestaurantkette McDonald?s. Ausländische Banken dürfen seit fünf Jahren Panda-Bonds platzieren.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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