Anleihen
Investoren misstrauen Spanien - und setzen auf Deutschland

Zweifel an Spaniens Krisenmanagement haben Europas Finanzmärkte verunsichert. Die Renditen für zehnjährige Anleihe stiegen wieder über sechs Prozent. Bundesanleihen sind dagegen wieder heißbegehrt.
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FrankfurtBundesanleihen haben am Mittwoch deutliche Kursgewinne verzeichnet, Anleihen aus Spanien, Italien und Portugal gaben erheblich nach. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen spanischen Anleihe ist am Mittwoch wieder über die psychologisch wichtige Marke von sechs Prozent geklettert. Gleichzeitig verteuerten sich die Kosten für die Versicherung spanischer Verbindlichkeiten gegen Zahlungsausfall.

Marktteilnehmer spekulieren, dass Spanien den Antrag auf ein Rettungspaket hinausschieben und warten will, bis die steigenden Finanzierungskosten auch Italien zwingen, Hilfen zu beantragen. Spanien “wäre in besserer Gesellschaft und würde weniger unter dem Stigma leiden, wenn es gleichzeitig mit Italien um Hilfen ersuchen würde”, sagte Raphael Gallardo, Leiter Makroökonomie bei Rothschild Asset Management in Paris. Der Renditeabstand zwischen italienischen und spanischen Anleihen hatte sich am Dienstag auf 65 Basispunkte verringert, nach 108 Basispunkten am 3. September.

In Spanien hatte der Präsident der Region Katalonien, Artur Mas, am Dienstag zu Neuwahlen für den 25. November aufgerufen. Es sei an der Zeit für Selbstbestimmung für die reichste spanische Region, hatte er gesagt. ”Das ist das Letzte was Rajoy jetzt braucht und das Letzte was Europa braucht”, sagte Ken Dubin, Politikprofessor an der Carlos III Universität und an der IE Business School in Madrid. Ministerpräsident Mariano Rajoy kämpft um Zustimmung zu seinen Sparmaßnahmen, um die Haushaltsziele einzuhalten. Nur Stunden nach den Äußerungen von Mas in Barcelona demonstrierten Tausende Spanier in Madrid.

Darüber hinaus kamen Zweifel auf, ob der permanente Rettungsschirm ESM die Gelder für die Rekapitalisierung der spanischen Banken bereitstellen kann. Deutschland, die Niederlande und Finnland forderten am späten Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung, dass zunächst Privatkapital, sodann nationale öffentliche Gelder und zuletzt ESM-Mittel bei der Bankenrekapitalisierung eingesetzt werden sollten.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen lag zuletzt neun Basispunkte niedriger bei 1,49 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 112 Basispunkte auf 141,19 Prozent.

Deutschland ist am Primärmarkt aufgetreten und hat eine zehnjährige Bundesanleihe um fünf Milliarden Euro aufgestockt. Die Gebote blieben mit 3,95 Mrd. Euro jedoch deutlich unter der Erwartung, die Zuteilung lag bei 3,191 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Rendite lag bei 1,52 Prozent. In die Marktpflege gingen gut 1,8 Milliarde Euro.

Italien hat Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von 181 Tagen im angestrebten Volumen von 9 Milliarde Euro platziert. Die durchschnittliche Rendite lag bei 1,503 Prozent gegenüber 1,585 Prozent im August.

Zehnjährige spanische Staatsanleihen rentierten zuletzt 25 Basispunkte höher bei 5,93 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Italien-Anleihen stieg um acht Basispunkte auf 5,16 Prozent. Bei den Portugal-Bonds lag die Rendite 16 Basispunkte höher bei 8,60 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa. Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Euro-Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst deren Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.
    Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer berücksichtigen und entgegen wirken.
    Es geht um Europa, nicht um Deutschland das aber nur Teil davon ist!

  • lol
    "wer glaubt denn bitte schön allen Ernstes, dass die spanischen Zahlen korrekter sein sollten als es die Griechischen waren und sind. "

    Wissen Sie woher die Redewendung "das kommt mir spanisch vor" stammt?
    Aus Österreich, als man spanische Gesetze übersetzen wollte, oder übersetzt hat.
    Es wird ALLES erfasst, die Bürokratie wurde in Spanien erfunden, und glauben Sie mir, ein spanischer Steuerbeamter ist genauer als jeder andere, die ich bisher gesehen habe.
    Franco wollte genau wissen wo das Geld ist und wer es hat. Das haben Diktaturen leider besser im Griff, das wirkt noch heute.
    Rajoy hat heute noch zu tun, genauso wie die Damen und Herren in Deutschland auch, wo sich die öffentlich rechtlichen selbst bedienen, oder dem Steuerzahler Hermes-Bürgschaften aufgehalst werden, mit Exporten die in Deutschland verboten wurden.

  • Aufruf:
    Verkauft Gold und Silber

    Besser in Spanische und Italienische Anleihen investieren.

    Die bringen wenigstens Zinsen und sind super sicher!!!!!!!

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