Anleihen: Italien bekommt die Quittung

Anleihen
Italien bekommt die Quittung

Italien wagt sich erstmals nach der Wahl an den Kapitalmarkt - und muss höhere Zinsen zahlen. Nouriel Roubini fürchtet einen Teufelskreis. Jetzt soll Draghi wieder den Retter in der Not spielen.

Italien wählt das Chaos. Und die Quittung kommt prompt. Bei Anleiheauktionen am Mittwoch muss das Land höhere Zinsen zahlen. Bereits in den vergangenen beiden Tagen waren die Renditen für italienische Staatsanleihen gestiegen.

Am späten Vormittag hat sich Italien mit Anleihen über eine Laufzeit von fünf und zehn Jahren an dem Markt gewagt. Volumen: insgesamt rund 6,5 Milliarden Euro. Es waren die ersten Auktionen lang laufender Staatsanleihen seit den Parlamentswahlen. Dabei kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent - auf den höchsten Wert seit Oktober 2012. Ende Januar konnte Italien die Titel noch zu 4,17 Prozent loswerden. Bei den fünfjährigen Anleihen stiegen die Zinsen von 2,94 auf 3,59 Prozent.

Nach Einschätzung von Händlern dürften vor allem die italienischen Banken gekauft haben. „Die Nachfrage war ganz ordentlich”, sagte Analyst Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. „Allerdings verlangen die Investoren auch eine deutlich höhere Risikoprämie.”

Die Wahl in Italien hat genau das gebracht, was die Investoren am meisten gefürchtet hatten: totale Blockade. Der Reformer Mario Monti wurde abgestraft, erhielt nur zehn Prozent der Stimmen. Das Mitte-links-Bündnis von Pier Luigi Bersani konnte sich ebenfalls nicht durchsetzen. Künftig kann im Senat kein Gesetz beschlossen werden, ohne dass Ex-Premier Silvio Berlusconi oder der Komiker Beppe Grillo zustimmen. Die beiden Populisten haben 55 Prozent der Stimmen erhalten - mit einem Wahlkampf gegen Montis Reformpolitik. Das Wahlergebnis ist jedoch nicht nur ein Misstrauensvotum gegen Monti, sondern genauso gegen die Pläne der Euro-Retter in Brüssel, Berlin und Paris.

Entsprechend wächst die Sorge unter den Investoren. „Eine Minderheitsregierung oder eine instabile Regierung bis zu Neuwahlen in ein paar Monaten bedeutet, dass die Investoren italienische Anleihe wahrscheinlich leer verkaufen, die Risikoprämien weiter steigen und der Schutzschild, der vorhanden sein sollte, nicht da ist“, sagte Nouriel Roubini, Professor an der New York University, in einem Interview. „Das könnte zu einem Teufelskreis führen.“

Die Strategen von Barclays um Huw Worthington schrieben in einer Studie, das Wahlergebnis entspreche ihrem schlimmsten Szenario. Sie halten einen Anstieg der zehnjährigen Rendite auf fünf Prozent für möglich.

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Draghi soll wieder einspringen

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