Anleihen
Kreditmärkte geraten in Panik

Notverkäufe treiben die Kosten für die Absicherung von Unternehmensbonds immer höher. Eine Ende der Spirale immer weiter steigender Risikoprämien ist nach Meinung vieler Experten nicht abzusehen.

FRANKFURT. An den Kreditmärkten macht sich Panik breit. Die Risikoaufschläge bei Kreditderivaten steigen seit Mitte Januar von Rekord zu Rekord. Und ein Ende der Spirale immer weiter steigender Risikoprämien ist nach Meinung vieler Experten noch nicht abzusehen. „Dabei treiben vor allem Ängste und eine Eigendynamik den Markt“, sagt Uwe Burkert, der bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Kreditresearch leitet. Fundamentale Daten spielten aktuell keine Rolle mehr, heißt es auch bei den Händlern der DZ Bank.

Die Risikoprämien des Kursbarometers i-Traxx Europe, an dem sich das Ausfallrisiko von 125 europäischen Unternehmen guter Bonität ablesen lässt, sind am Dienstag auf bis zu 159 Basispunkte gestiegen. Das bedeutet, dass Investoren 159 000 Euro zahlen mussten, um ein Index-Portfolio über zehn Mill. Euro fünf Jahre lang vor einem Zahlungsausfall abzusichern. Die milliardenschwere Stützungsaktion führender Notenbanken für Banken ließ die Risikoprämien später zwar wieder etwas sinken; dennoch haben sich die Absicherungskosten für den i-Traxx Europe seit dem Ausbruch der Subprime-Krise um schwache US-Hypothekenschuldner im Sommer fast versiebenfacht.

Beim i-Traxx Crossover für 50 Unternehmen mit schwacher Bonität sind die Risikoprämien ebenfalls drastisch auf bis zu 650 Basispunkte hochgeschnellt.

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Konjunktur, die Lage der US-Anleiheversicherer (Monoliner), die Abschreibungen bei Banken und zuletzt die Gerüchte um Liquiditätsprobleme einer US-Investmentbank sind dabei nur einige der Faktoren, die Investoren dazu treiben, sich immer stärker gegen Ausfälle abzusichern.

Noch stärker als die Ängste wirkt derzeit die Eigendynamik technischer Faktoren. So gibt es komplizierte Konstruktionen wie sogenannte Constant Proportion Debt Obligations (CPDO). Sie sind in der Regel an Derivate-Indizes wie den i-Traxx Europe gebunden. Das Problem: Sie müssen automatisch abgewickelt werden, wenn die Risikoprämien der Indizes bestimmte Höhen erreichen. Abwicklung heißt, dass Absicherung auf die Indizes gekauft werden muss, um die Positionen glattzustellen. Das treibt die Risikoprämien, also die Kosten für die Absicherung, noch weiter in die Höhe. Dies zieht dann neue Zwangsabwicklungen nach sich.

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