Anleihen
Lohnender Ramsch: Experten sehen Chancen bei Junk-Bonds

Schwache Firmen stehen bei Fondsmanagern hoch im Kurs. Hohe Renditen und Risikoprämien so genannnter Junk-Bonds locken die Investoren. Mit ihren Erträgen schlugen die Papiere seit Mitte Dezember die weiter einbrechenden Aktienmärkte klar. Wie Experten den Markt bewerten.

FRANKFURT. Riskante Unternehmensanleihen haben sich in den vergangenen zweieinhalb Monaten überraschend gut geschlagen. Im Februar gerieten die Kurse der sogenannten Junk-Bonds (Schrottanleihen) zwar wieder etwas unter Druck. Seit Mitte Dezember brachten auf Euro lautende Junk-Bonds den Anlegern aber Erträge aus Kursgewinnen und Zinseinnahmen von im Schnitt gut acht Prozent. Mit Dollar-Papieren ließen sich nach Daten der US-Bank Merrill Lynch sogar 9,7 Prozent erzielen. Junk-Bonds sind Zinspapiere von Unternehmen, die Ratingagenturen als schwache Schuldner einstufen. Ihre Bonitätsnoten liegen bei höchstens Doppel-B. Die Gefahr, dass die Papiere ausfallen ist groß, dafür bieten sie auch hohe Zinsen.

Mit ihren Erträgen schlugen die Junk-Bonds seit Mitte Dezember die weiter einbrechenden Aktienmärkte klar. Das stimmt Fondsmanager für die hochverzinslichen Unternehmensanleihen nach dem verheerenden Jahr 2008 zumindest vorsichtig optimistisch: "Der Markt ist attraktiv bewertet, weil Junk-Bonds selbst nach der jüngsten Erholung noch eine schwere Depression der Wirtschaft einpreisen", sagt Roman Gaiser, Fondsmanager für hochverzinsliche Unternehmensanleihen bei Threadneedle. "Junk-Bonds sind inzwischen so bewertet als ob in den nächsten fünf Jahren 60 Prozent aller Schuldner ausfallen würden", erklärt Gaiser. Und das ist für ihn "bei allem Pessimismus für die Wirtschaft sehr unwahrscheinlich". Gleichwohl müssten Anleger weiter mit Unsicherheit und Schwankungen der Bonds leben.

Auch Todd Youngberg, Chef des High Yield Rentenmanagements bei Aviva Investors, dem Asset-Manager des britischen Versicherers Aviva, findet Junk-Bonds jetzt lukrativ. Er empfiehlt die Bonds seit Ende vergangenen Jahres moderat überzugewichten. "Die Bewertungen sind inzwischen bei vielen Hochzinsanleihen verlockend", urteilt Youngberg.

Die Kurse von Euro-Junk-Bonds liegen derzeit bei im Schnitt 52 Prozent ihres Rückzahlungswertes, die von Dollar-Junk-Bonds bei 60 Prozent. Entsprechend sind die Renditen deutlich gestiegen. Laut Merrill liegen die Renditeabstände zu sicheren Staatanleihen in Europa bei 21,5 Prozentpunkten, in den USA bei 18 Prozentpunkten. Schon vor der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September waren die Risikoprämien im Zuge der wachsenden Risikofurcht in der Finanzkrise deutlich angestiegen. Nach Lehman kam es dann zum Ausverkauf: "Die Investoren haben nach Lehman die Ausfallrisiken komplett neu bewertet", sagt Youngberg. Die Risikoprämien befänden sich auf einem historisch hohen Niveau. Weil die Ausfallraten den Risikoprämien in der Regel mit einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten folgten, sei in den Spreads bereits jetzt ein deutlicher Anstieg der Ausfallraten eingepreist, meint Youngberg.

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