Anleihen
Portugal schafft Rückkehr an den Kapitalmarkt

Lange war Portugal abgeschnitten, jetzt hat sich das Land wieder an den Kapitalmarkt gewagt - und muss weniger Zinsen zahlen. Ein Beispiel, das hoffen lässt. Neue Steuern sollen die finanzielle Lage stabilisieren.
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LissabonPortugal hat sich erstmals seit April 2011 erfolgreich am Anleihemarkt refinanziert. Insgesamt habe man Anleihen mit einer Laufzeit bis zum Oktober 2015 im Wert von 3,757 Milliarden Euro platziert, teilte die portugiesische Schuldenagentur IGCP am Mittwoch in Lissabon mit. Die Auktion wurde als Anleihetausch durchgeführt. Portugal hat gleichzeitig Anleihen mit einer Laufzeit bis zum September 2013 zurückgekauft.

Der Zinskupon der neuen Anleihe liegt mit 3,35 Prozent deutlich unter den laufenden Zinszahlungen der alten Anleihe, die 5,45 Prozent betragen. Mit dem Anleihetausch folgt Portugal dem ebenfalls unter dem Rettungsschirm stehenden Irland. Irland hatte Anfang 2012 einen ähnlichen Tausch vorgenommen, um die Bereitschaft der Investoren zu testen, dem Land wieder über einen längeren Zeitraum Kapital zur Verfügung zu stellen.

Nach Massenprotesten gegen eine geplante Abgabenerhöhung hat Portugal ein geändertes Sparprogramm vorgestellt. Finanzminister Vitor Gaspar kündigte am Mittwoch höhere Einkommens-, Kapital- und Vermögenssteuern an. Die Einkommenssteuer soll durchschnittlich von 9,8 auf 11,8 Prozent steigen. Für 2013 ist eine weitere Anhebung geplant. Zudem will das hochverschuldete Land im kommenden Jahr eine Finanztransaktionssteuer einführen, um die Sparauflagen der internationalen Geldgeber zu erfüllen. Weitere Ausgabenkürzungen seien in Arbeit. Gaspar räumte ein, dass sich der Haushalt schwächer als erwartet entwickelt habe. Das Land habe nun "einen kritischen Moment" erreicht.

Dem geänderten Einsparprogramm hat die EU bereits zugestimmt. Dieses wurde nötig, weil die Regierung nach heftigen öffentlichen Protesten die Erhöhung der Sozialabgaben zurückgenommen hatte und damit ein Loch im Sparplan aufriss. Die Regierung in Lissabon muss massive Einsparungen im Haushalt vornehmen, um die Auflagen für die 78-Milliarden-Euro Hilfe der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erfüllen. Zum ersten Mal seit seinem Hilfsantrag vor einem Jahr wagte sich das Land am Mittwoch wieder an den Anleihemarkt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Durchschnittliche Einkommensteuer von 11%? In Deutschland liegt, glaube ich, allein der Eingangssteuersatz bei 14%. Wahnsinn, wie wir Deutsche uns ausnehmen lassen...

  • Eine Erhöhung von Vernögenssteuern, Kapitalertragssteuern und Einkommenssteuern ist grundsätzlich das beste Programm zur Defizitminderung in Staaten, die ihre Defizite deshalb haben, weil gutsituierte Einkommensbezieher von willfährigen Politikern zu sehr geschont wurden. Insofern überrascht es nicht, dass Finanzinvestoren das honorieren.

  • Da haben wir es wieder. Wie auch in Deutschland muss am Ende der kleine Mann für die Unzulänglichkeit der Politiker geradestehen. Da wird locker mit Steuergeldern umgegangen und wenn am Ende Haushaltslöcher entstehen werden eben kurzerhand die Steuern erhöht oder neue erfunden. Hauptsache die Politker können weiterhin mit dem Geld um sich werfen ohne groß über Sinn und Zweck mancher Projekte nachdenken zu müssen. Wenn's am Ende Probleme gibt, erfinden sie eben neue Steuerquellen.

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