Anleihen: Ratingagenturen haben nichts mehr zu melden

Anleihen
Ratingagenturen haben nichts mehr zu melden

Die Ratings in Europa purzeln. Allein für die PIIGS haben die großen drei Agenturen 94 Mal die Kreditwürdigkeit korrigiert – meist nach unten. Investoren ist das zunehmend egal. Sie bewerten die Bonität lieber selbst.
  • 6

DüsseldorfDer 12. Juli 2011, ein schwarzer Tag in der Geschichte Irlands. Es ist der Tag, an dem die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) die Kreditwürdigkeit des einstigen Euro-Vorzeigelandes von Baa3 auf Ba1 herabstuft – und irische Staatsanleihen in die Kategorie Ramsch steckt. Die Reaktion an den Märkten lässt nicht lange auf sich warten. Noch am Tag der Herunterstufung schießen die Renditen für langlaufende Bonds in die Höhe, von 12,5 Prozent auf mehr als 15 Prozent.

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Nach der Herunterstufung fordern die Investoren sofort höhere Risikoaufschläge. Unter dem Strich wird die Kreditaufnahme dadurch teurer. Aber ist es wirklich so einfach? Gibt es überhaupt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Rating und Finanzierungskosten?

Das behaupten Europas Politiker gerne. Sie schimpfen, die drei Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch hätten durch ständig neue Herunterstufungen die Euro-Krise erst recht angeheizt. Da die großen Ratingagenturen allesamt in den USA sitzen, vermutet mancher dahinter sogar politische Motive, gezielte Angriffe auf Europa.

„Wir alle wissen, dass die Ratingagenturen stark zur Finanzkrise beigetragen haben“, sagt EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Der Politiker wollte unliebsame Ratings am liebsten ganz verbieten. Damit konnte er sich zwar nicht durchsetzen, wohl aber mit anderen Forderungen.

Das EU-Parlament hat gerade erst schärfere Regeln für die Ratingagenturen beschlossen. Anleger können künftig Unternehmen wie Moody’s, Fitch oder S&P für schwere Fehler bei Bewertungen haftbar machen. Vor Gericht können sie Schadenersatz für Verluste einklagen, wenn Ratingagenturen ein Unternehmen oder einen Staat absichtlich oder fahrlässig falsch beurteilen. Zudem dürfen Ratingagenturen EU-Staaten nur noch zu festen Terminen bewerten.

Die Ratingagenturen eignen sich hervorragend als Prügelknaben. Doch so mächtig, wie oft behauptet, sind die Bonitätswächter gar nicht. In Wahrheit kümmert sich der Markt immer weniger um deren Urteil. Ratings hätten seit Ausbruch der Euro-Schuldenkrise viel an Strahlkraft eingebüßt, sagt Falko Fecht, Professor für Finanzwirtschaft an der Frankfurt School of Finance & Management. Das Problem: „Ratings laufen den Märkten in zunehmendem Maß hinterher“.

Kommentare zu " Anleihen: Ratingagenturen haben nichts mehr zu melden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • O-Ton Handelsblatt
    ---------------------
    Ratingagenturen haben nichts mehr zu melden
    ---------------------

    Abraham Lincoln zugeschrieben:

    "Man kann die Leute eine Weile verarschen, und einige Leute kann man sogar ständig verarschen, aber man kann nicht alle Leute ständig verarschen."

    ("You may fool all the people some of the time, you can even fool some of the people all of the time, but you cannot fool all of the people all the time" Vergleiche auch Barack Obama: "Yes, we can")

    ...

    Deutsches Sprichwort: "Wer einmal lügt dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht."

    +++

    Zeit, daß die "Ratingagenturen" daß auch erfahren.

    Und Zeit, daß diese Veranstaltungen in den Mülleimer wandern.

  • Gibt es überhaupt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Rating und Finanzierungskosten?

    Letzendlich entscheiden die Ratings darüber ob bestimmte Investoren (Pensionskassen, Versicherungen, … - die die Gelder der Bürger verwalten) in bestimmte Anlagen überhaupt investieren dürfen. Die Anlagerichtlinie geben den Finanzvorständen vor das nur bis bsw. A- S&P investiert werden darf. Diese Anlagerichtlinien sind wie Fesseln für die Entscheider. Hat das nun einen einen Einfluß auf die Finanzierungskosten? Natürlich. Dadurch wir massiv die Nachfrage nach der entsprechenden Anlage beeinflusst. Geht eine Anlage, ein Staat, ein Unternehmen unter diese Schwelle dürfen Reihen von Unternehmen nicht mehr investieren. Weniger Nachfrage = höhere Refinanzierungskosten…

  • "Investoren ist das zunehmend egal. Sie bewerten die Bonität lieber selbst."
    Eine sehr positive Entwicklung.Endlich wird diesen Manipulatoren das Vertrauen entzogen,dass sie schon lange verspielt haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%