Anleihen
Schwellenländer-Bonds haben sich erholt

Die Krise an den Aktienmärkten hat bei den Anleihen aus Schwellenländern gestern fast keine Spuren hinterlassen. Die Risikoprämien sanken wieder etwas. „Das Ganze sieht nach einer gesunden Korrektur aus“, schrieben die Strategen von HSBC.

FRANKFURT. Die Risikoprämien (Spreads) könnten zwar noch etwas weiter steigen, aber problematisch werde es erst, wenn sich eine deutliche Abschwächung der US-Wirtschaft abzeichne.

Etwas skeptischer war Louis Costa, Stratege für Emerging Markets bei der niederländischen ING Bank. „Ich fürchte noch weitere Verluste, und ich sehe noch keine Einstiegskurse bei den Schwellenländer-Bonds“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Bonds von Schwellenländern, die ausfallgefährdeter und deshalb riskanter als Staatsbonds der Industrienationen sind, werden häufig von Krisen an den Aktienmärkten in Mitleidenschaft gezogen. Dies war zuletzt im vergangenen Sommer der Fall, als die Angst vor einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft die Anleger risikoscheuer werden ließ. Damals kletterten die Renditeaufschläge von Schwellenländer-Anleihen im Vergleich zu US-Staatsanleihen bis auf 2,4 Prozentpunkte.

Von diesen Niveaus sind sie noch weit entfernt. Gemessen am Index EMBI+ von JP Morgan brachten Schwellenländer-Anleihen gestern gut 1,8 Prozentpunkte mehr Rendite als US-Bonds. Am Vortag waren die Aufschläge um bis zu einen viertel Prozentpunkt in die Höhe geschnellt und lagen mit bis zu 1,95 Punkten auf dem höchsten Stand seit Mitte Dezember.

Turbulenter ging es dagegen auch gestern noch bei Unternehmensanleihen zu. Die Risikoaufschläge des Index I-Traxx Crossover stiegen um bis zu 0,37 auf 2,39 Prozentpunkte, nachdem sie bereits am Vortag um knapp 0,3 Punkte gestiegen waren. Der Index bildet das Ausfallrisiko von 45 europäischen Unternehmen mit schlechter Bonität ab. Der italienische Industriekonzern Fiat kündigte an, er werde angesichts der Marktturbulenzen erst am Montag entscheiden, ob er wie geplant eine Euro-Anleihe über bis zu eine Mrd. Euro begibt. Procter & Gamble – der Konsumgüterkonzern hat gute Ratings – sagte die geplante Emission einer Euro-Anleihe ab und platzierte lediglich einen Bond in US-Dollar.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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