Anleihen
Sichere Geldanlage – das war einmal

Die Zahl als sicher eingestufter Anleihen geht drastisch zurück. Das macht Anlegern und Sparern weltweit zu schaffen. Wenn sie nicht verlieren wollen, müssen sie mehr riskieren. Es gibt aber auch Gewinner.
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London/Frankfurt/New YorkEs wird immer schwieriger, sein Geld sicher anzulegen. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern lässt sich durch Zahlen belegen. Das Volumen der Anleihen mit Toprating ist seit der Finanzkrise 2008 weltweit um 60 Prozent kleiner geworden. Das hat eine Untersuchung der „Financial Times“ ergeben.

Vor allem die Herabstufung der USA, aber auch von Großbritannien und Frankreich habe die Zahl der als sicher eingestuften Anleihen auf dem Markt extrem sinken lassen. Das Volumen von Anleihen, die bei den großen Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch noch AAA-Status genießen, sank von 11 Billionen US-Dollar im Jahr 2007 auf nur noch 4 Billionen US-Dollar.

Mit der Herabstufung großer Industrieländer gehe eine dramatische Neubewertung der internationalen Landkarte für Kreditratings einher. Während die Industrie-Staaten in den vergangenen Jahren reihenweise abgestraft wurden, besonders in Europa, seien viele Ratings in anderen Teilen der Welt angehoben worden. Dies werde besonders an den lateinamerikanischen Ländern Bolivien, Uruguay und Brasilien deutlich.


„Vor fünf Jahren waren die Welt ziemlich vorhersehbar. So etwas wie Bankenkrisen gab es vor allem in den sich entwickelten Volkswirtschaften“, sagte David Riley, bei der Agentur Fitch für die Länder-Rankings zuständig, der Zeitung. „Jetzt leben wir in einer Welt, in der viele dieser Annahmen verschwunden sind.“

Einen Profiteur gibt es aber auch in Europa: Deutschland. Die Bundesrepublik bekommt nach wie vor von allen großen Ratingagenturen die Bestnote. Bei Investoren sind Bundesanleihen deshalb begehrt - entweder weil sie die Papiere für besonders sicher halten oder weil sie aufgrund von Regularien in Triple-A-Anleihen investieren müssen. „Eine Folge der Finanzmarktkrise ist, dass immer mehr Finanzgeschäfte durch mehr und höherwertige Sicherheiten unterlegt werden müssen“, sagte Kornelius Purps, Anleiheexperte bei Unicredit, im Gespräch mit der Wirtschaftswoche. Dafür kämen nur Bonds bester Bonität infrage. „Bundesanleihen werden von dieser Entwicklung sicherlich profitieren“, so Purps.

Die Folge: Die Kurse von Bundesanleihen steigen, die Renditen fallen. Inzwischen liegt die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen nur noch bei 1,28 Prozent, im historischen Vergleich sehr niedrig. Damit kann sich Bundesfinanzminister Schäuble so günstig Geld leihen wie selten.


Weniger günstig ist die Lage für die Anleger. „Nach Abzug der Inflation machen Anleger damit bereits ein Verlustgeschäft. Sie müssen jetzt umdenken ", sagte Andreas Feiden, der als Geschäftsführer bei Fidelity Worldwide Investment verantwortlich für das Privatkundengeschäft ist.

Lange hätten Staatsanleihen der westlichen Welt als risikofreie Renditegaranten gegolten. Angesichts der anhaltenden europäischen Staatsschuldenkrise müssten sich Anleger von dieser einstigen Gewissheit jedoch endgültig verabschieden.

Bundeswertpapiere waren in den vergangenen Jahrzehnten eine ertragreicher Anlage. Noch im Jahr 2000 gab es für eine zehnjährige Bundesanleihe rund fünf Prozent Zinsen pro Jahr. „Unsere alten Überzeugungen von Chancen und Risiken treffen vielfach nicht mehr zu“, sagte Feiden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

Kommentare zu " Anleihen: Sichere Geldanlage – das war einmal"

Alle Kommentare

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  • "In letztem Wording liegt m.E. der feine Unterschied: "Anzuschließen" und nicht "zu unterwerfen", wie Schäuble es praktizieren will. Der Mann ist so schädlich für unser Erscheinungsbild im Ausland, dass absoluter Handlungszwang besteht und keinen Aufschub duldet.

    Was für ein Europa will Schäuble aufbauen? Ein Europa mit Furcht und Terror? Der Mann ist doch krank."

    Das ist schon lange mein Eindruck. Der Mann fährt einen ganz persönlichen Krieg gegen alle und alles auf Kosten des Volkes. Und das nicht erst seit er Finanzminister ist.

  • "Einen Profiteur gibt es aber auch in Europa: Deutschland."

    Anders ausgedrückt:
    Das Krisengejammer nützt Deutschland.
    Wie wir in der Presse nachlesen konnten, hat der maltesische Finanzminister berichtet, dass die EU-Finanzminister ihren Kollegen aus Zypern ca. 10 Stunden im Kreuzverhör hatten. Dann erst brach er zusammen und hat allem zugestimmt, was man von ihm verlangt. Schäuble hat dann ...

    Es ist mir menschlich zu billig, wenn man andere in soziale Not bringt, um selbst einen finanziellen Vorteil zu erzielen.

    Es ist dringend an der Zeit, dass Profis das Währungsmanagement wieder übernehmen, die Politiker festgesetzt werden und die Deutsche Bundesbank die ihre Aufgaben wie zuvor übernimmt.

    Es sollte anderen Staaten freigestellt werden, sich diesem System freiwillig anzuschließen.

    In letztem Wording liegt m.E. der feine Unterschied: "Anzuschließen" und nicht "zu unterwerfen". (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die sicherste Geldanlage ist momentan sicher der Sparstrumpf, denn der allein bietet die Sicherheit vor dem Zugriff des Staates. Bei den derzeitigen Angeboten der Banken und Sparkassen, die weit unter der Inflationsrate liegen, verliert der Sparer ohnehin jährlich ein bis zwei % seines Vermögens, aber das ist ja so gewollt. So tragen wir mit dazu bei, dass billiges Geld in marode Staaten gepumpt wird.

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