Anleihen
Sinkende Rendite bei Unternehmensbonds

Die Anleihen von Autokonzernen sind bei Investoren gefragt. Seit Jahresanfang sind die Risikoprämien (Spreads) von auf Euro lautenden Autobonds mit Bonitätsnoten im relativ sicheren Investment-Grade im Schnitt um 2,8 auf 1,6 Prozentpunkte gesunken.

FRANKFURT. Damit sind nach Indizes von Merrill Lynch die Renditeabstände der Autobonds im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen noch stärker gefallen als die von Anleihen der Telekomkonzerne, Banken oder Versorger.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass Anleger, die jetzt noch Autoanleihen kaufen wollen, dafür nur wenig Rendite bekommen. Mehr als vier Prozent sind bei bis zu fünfjährigen Anleihen deutscher Autobauer nicht mehr drin. Wer mehr Rendite will, muss schon zu Zinspapieren von Konzernen mit schlechterer Bonität wie Peugeot oder Fiat greifen (s. "Autoanleihen im Vergleich"). Doch auch deren jüngste Emissionen fanden die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) aufgrund der gesunkenen Renditen nicht mehr so attraktiv. Auch die neueste Anleihe von BMW muss laut LBBW-Experten nicht zwingend ins Depot. Kräftig überzeichnet waren die Emissionen dennoch.

Generell sind Unternehmensanleihen in diesem Jahr sehr gefragt. Nach dem Absturz der Kurse im Krisenherbst 2008 waren Firmenbonds günstig bewertet und lockten viele Anleger an. Für die Anleihen von Unternehmen spricht zudem, dass sie als weniger riskant als Aktien gelten. Unter dem Strich kommt es schließlich nur darauf an, dass die Emittenten zahlungsfähig bleiben. Dabei beflügelten die Hoffnungszeichen für die Wirtschaft die Kurse der Firmenbonds zusätzlich.

Das besonders gute Abschneiden der Autoanleihen hat nach Einschätzung von Markus Rohleder, Analyst für Autoanleihen bei der DZ Bank, vor allem technische Gründe. So hätten die Autokonzerne viele neue Anleihen begeben, die in Indizes für Unternehmensanleihen aufgenommen wurden. Die Autobauer begaben - wie auch andere Konzerne - dabei gerade zu Jahresanfang neue Anleihen mit deutlich höheren Risikoprämien im Vergleich zu ausstehenden Papieren, schreibt Rohleder im einer Studie.

Im Handel wurden die neuen attraktiveren Bonds dann weiter gekauft und stützen so die Entwicklung der Indizes. Außerdem schieden die Anleihen von Unternehmen wie Fiat oder Peugeot aus den Indizes aus, weil die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit dieser Konzerne in den Junk-Bereich für schwache Schuldner herabgestuft hatten.

Rainer Neidnig, Analyst für Autoanleihen bei der Ratingagentur Moody?s betont, dass die Bonitätsnoten der Autokonzerne bis auf weiteres unter Druck bleiben werden. Ab 2010 rechnet er mit wieder deutlich niedrigeren Absatzzahlen in der Autobranche, nachdem die Autoverkäufe in den vergangenen Monaten vor allem durch die Abwrackprämien in Europa beflügelt wurden. Auch Rohleder von der DZ Bank geht davon aus, dass in den nächsten zwei Jahren noch mehr Autokonzerne schlechtere Bonitätsnoten bekommen. Die deutschen und japanischen Autokonzerne sollten dabei aber ihre Ratings im Investment-Grade behalten. cü

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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