Anleihen
So finden Sie den richtigen Firmenbond

Wer sein Geld in Unternehmensanleihen anlegen will, muss einiges beachten: Nicht nur Ratings, Aktienkurs und Konjunkturrisiken sind wichtig. Wie Anleger Firmenbonds seriös auswählen können.
  • 0

FrankfurtSeit die Schuldenkrise in Europa tobt, ist unter den Investoren großes Interesse an Unternehmensanleihen aufgekommen. Die Auswahl ist riesig. Fast jede größere Firma, die am Aktienmarkt notiert ist, hat auch Zinspapiere begeben - und häufig nicht nur eins. Gleichzeitig ist eine Börsennotierung keine Voraussetzung, um Bonds zu emittieren wie das Beispiel der Mittelstandsanleihen zeigt.

Kleinanleger überfordert diese Vielfalt schnell. „Der größte Fehler, den man machen kann, ist sich von einem bekannten Namen, einem hohen Kupon oder einer hohen Rendite blenden zu lassen", sagt Gerd Häcker, Leiter des Portfoliomanagements bei der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen.

Eine Unternehmensanleihe ist ein Kredit an ein Unternehmen. Die jährliche Zinszahlung in Höhe des Kupons ist die Risikoprämie, dass der Kredit nicht zurückgezahlt wird. Der Kupon ist fix, die tatsächliche Rendite kann jedoch eine andere sein, wenn der Kurs der Anleihe von ihrem Nennwert abweicht. Liegt der Kurs darüber, ist die Rendite niedriger als der Kupon, liegt er darunter, ist sie höher.

Grundsätzlich gilt der einfache Zusammenhang: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko der Anleihe. Eine erste Hilfestellung, das Ausfallrisiko einzuschätzen, bieten Noten der Ratingagenturen. Die Mehrheit der Unternehmensanleihen wird von den US-Agenturen S&P, Moody's und Fitch bewertet. Ihre Skala geht von „AAA" (höchste Bonität, praktisch kein Ausfallrisiko) bis „C" beziehungsweise „D" (Zahlungsverzug). Am Markt wird unterschieden zwischen Investment Grade - bis einschließlich „BBB-" - und Non-Investment Grade, auch High Yield genannt - ab „BB+".

Die Ratingagenturen untersuchen bei ihrer Analyse die Fähigkeit des Unternehmens, die Zinsen und Tilgung der Anleihe zu leisten. Wichtigste Kennzahlen sind dabei der Verschuldungsgrad, der möglichst niedrig, und der operative Cash-Flow, der möglichst hoch sein sollte. Das finanzielle Risiko wird dabei bestimmt vom Geschäftsrisiko.

„Je stärker das Unternehmen von der Konjunktur abhängig ist, desto höher sollte der Cash-Flow sein, um auch in umsatzschwachen Phasen Zinsen beziehungsweise Tilgung zu gewährleisten", sagt Gerhard Wolf, Leiter des Bereichs Sektorenanalyse bei der LBBW. Gleiches gelte, wenn das Unternehmen von wenigen Geschäftspartnern abhängig ist.

Doch nicht nur die Zahlen aus der Vergangenheit sind interessant. Auch ein Blick auf den Aktienkurs, sofern vorhanden, kann nicht schaden. „Dieser gibt Aufschluss über die zukünftigen Ertragserwartungen", sagt Wolf. Portfoliomanager Häcker empfiehlt, nicht nur den Aktienkurs des Unternehmens, sondern auch die gesamte Branche im Blick zu haben: „Häufig kündigen sich hier Probleme schon eher an." Bei der Branchenauswahl bietet der Aktienmarkt ebenfalls eine gute Hilfestellung. „Sticht die Aktienkursentwicklung eines Unternehmens besonders heraus, schaue ich gleich, ob es von der Firma auch Anleihen gibt", so Häcker.

Seite 1:

So finden Sie den richtigen Firmenbond

Seite 2:

Aktienkurs als Indikator

Kommentare zu " Anleihen: So finden Sie den richtigen Firmenbond"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%