Anleihen und Athen
Investoren unterschätzen die griechische Gefahr

Griechenlands Widerstand bringt die Euro-Zone ins Wanken. Italien und Spanien könnten ebenfalls in Bedrängnis geraten. Doch Anleihe-Investoren interessiert das nicht. Sie ignorieren die griechische Ansteckungsgefahr.
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Die entspannte Haltung der Investoren könnte die Gefahr, die von Griechenland für den Euro-Raum ausgeht, noch verstärken. Sie nehmen bei italienischen und spanischen Staatsanleihen nahezu rekordniedrige Zinsen hin und ignorieren damit die Gefahr einer Ansteckung der Peripherieländer durch die Bemühungen Griechenlands, einen neuen Schulden-Deal von mehr als 300 Milliarden Euro auszuhandeln. Und sie senden damit falsche Signale an die europäischen Politiker.

„Irgendjemand sagt irgendwas, was freundlich klingt, und schon schließt der Markt daraus, dass eine Lösung in Sicht ist“, sagte Stephen Lewis, Chefvolkswirt bei ADM Investor Services International in London, in der vergangenen Woche. „Dabei muss das überhaupt nicht stimmen. Ein Ende der Sparpolitik in Griechenland wäre ein Ende der Sparpolitik im Euro-Raum insgesamt.“

Doch anstatt Anleihen abzustoßen und die Regierungen zum Handeln zu zwingen, sehen die Investoren nur eine geringe Gefahr, dass Griechenland den Euro-Raum verlässt. Das ermutigt die europäische Politik, sich gegenüber einem Schuldenschnitt hart zu zeigen – und unterschätzt damit die Gefahr, dass eine Fehlkalkulation die Finanzstabilität der Region schwer schädigen würde, erklärt Chris Attfield von HSBC in London.

„Diese fehlende Ansteckung erhöht die Randrisiken in der Peripherie“, schrieb Attfield am 6. Februar, und bezog sich damit auf Ereignisse, die zwar wenig wahrscheinlich sind, im Fall ihres Eintretens aber starke Auswirkungen hätten. „Die Gefahr ist, dass dadurch das Gefühl entsteht, der Euro-Raum könne ein Ausscheiden Griechenlands überstehen.“

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hält bislang an seinem Wahlversprechen fest, die Kürzungen der Sozialausgaben im Zuge des Rettungsprogramms rückgängig zu machen. Seit seinem Wahlsieg hat Tsipras angekündigt, den Mindestlohn in Griechenland anzuheben, den Freibetrag zur Einkommensteuer wiedereinzuführen und Infrastrukturprivatisierungen zu stoppen. Zugleich erklärte er, er wolle Reparationen von Deutschland fordern. Mit all dem traf er bei seinen europäischen Amtskollegen auf keine Gegenliebe. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel signalisierte kaum Bereitschaft, über die Bedingungen des Rettungsprogramms zu verhandeln.

Während Tsipras' Wahlversprechen bei seinen Wählern gut ankommen, sind Investoren davon nicht angetan. Obwohl Tsipras zugesagt hat, Anleihen in den Händen privater Gläubiger zu bedienen, sind die Renditen auf Niveaus hochgeschossen, wie es sie seit der Umschuldung von 2012 nicht mehr gegeben hatte. Der Aktienmarkt verlor seit Tsipras' Wahlsieg neun Prozent.

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  • Eine Währungsunion ohne Fiskalunion, mit Teilverzicht auf Steuerhoheit der einzelnen Euroländer, ist nicht überlebensfähig.
    Das hat ja nie gegeben. Die Väter der Europäische Währungsunion hätten sich ein Beispiel an die Schweiz nehemen sollen, ein Fedrales Europa der 6 Kern- oder Gründerländer für den Anfang, andere Länder hätten auf Wunsch nach und nach dieses federale Europa beitreten können.
    Nur so wäre aus der Währungs- und Europäische-Union etwas werden können.

  • @ Herr Jürgen Dannenberg, (noch einmal, weil es so schön ist und das HB offenbar Probleme mit der Programmierung dieser Kommentar-Funktion hat / Ich wollte mit der ENTER-Taste eigentlich nur eine Zeile einfügen!) Woher nehmen Sie Ihr wissen, dass Deutschland weiterhin den Griechenland-Komplex aufrecht erhält ? Gibt es dafür einen empirischen Nachweis ?

  • @ Herr Jürgen Dannenberg

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