Anleihen unter Druck Die Märkte zittern vor dem „Cavaliere“

Er stand für Stillstand in Italien. Jetzt stürzt Berlusconi das Land in eine Regierungskrise. Damit erhalten auch Spekulationen über einen Auseinanderbrechen des Euros neue Nahrung. An den Märkten geht die Angst um.
Update: 10.12.2012 - 13:24 Uhr 36 Kommentare
Die erneute Kandidatur von Silvio Berlusconi stößt bei Investoren auf wenig Begeisterung. Quelle: dapd

Die erneute Kandidatur von Silvio Berlusconi stößt bei Investoren auf wenig Begeisterung.

(Foto: dapd)

FrankfurtEin paar Monate herrschte Ruhe, jetzt kehrt die Euro-Krise mit voller Wucht zurück – ausgerechnet in Gestalt von Silvio Berlusconi.

Der frühere italienische Ministerpräsident hat Italien in eine Regierungskrise gestürzt. Seine Partei entzog dem amtierenden Regierungschef, Mario Monti, die Unterstützung. Dieser erklärte daraufhin überraschend seinen Rücktritt. Er habe die Entscheidung erst am Wochenende mitgeteilt, aus Rücksicht auf die Finanzmärkte, sagte Monti. Fast zeitgleich verkündete Berlusconi, er wolle selbst erneut für das Amt des Regierungschefs kandidieren.

Was sich zunächst wie eine Posse aus dem Land des Dolce Vita anhört, könnte ernste Konsequenzen für die gesamte Euro-Zone haben. Mit Italien steht und fällt die Rettung des Euros. „Die italienischen Wahlen stehen weit oben auf unserer Liste der Risiken“, sagte Holger Schmieding, Chefökonom bei der Berenberg Bank. „Ein Berlusconi-Wahlkampf gegen einen ‚deutschen Sparkurs‘ hätte das Potenzial, die Märkte zu verunsichern.“

Unter Monti hatte sich Italien auf Reformen festgelegt. Die Investoren vertrauten dem ehemaligen Banker von Goldman Sachs. Er stand für einen struktur- und fiskalpolitischen Wandel. Dagegen machte Berlusconi immer wieder Stimmung, indem er Monti vorwarf, das Land mit seiner Sparpolitik in eine „Rezessionsspirale ohne Ende“ zu schicken. Und er kritisierte den seiner Ansicht nach zu großen Einfluss Deutschlands in der europäischen Politik.

An den Finanzmärkten wächst die Sorge, dass mit der Rückkehr des Skandalpolitikers die Risse innerhalb der Euro-Zone wieder zu Tage treten. Die Spekulationen über das Auseinanderbrechen des Euros sind wieder da. „Es klaffen breitere Bruchstellen unter der Oberfläche“, sagte Georg Grodzki, Leiter Kredit-Analyse bei Legal & General Investment Management in London. „Die Investoren werden die Lippenbewegungen der italienischen Politiker sehr, sehr genau mitlesen.”

Italienische Staatsanleihen gerieten am Montag unter Druck. Die Renditen von zehnjährigen Bonds kletterten zeitweise um 35 Basispunkte auf 4,86 Prozent. Umgekehrt verteuerten sich Kreditausfallversicherungen für italienische Anleihen, die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) zogen um 33 auf 288 Basispunkte an. Der Aktienmarkt in Mailand gab am Morgen um 3,8 Prozent nach.

In den Abwärtssog gerieten auch spanische Anleihen. Zehnjährige spanische Papiere rentierten bei 5,60 Prozent 17 Basispunkte höher, CDS für Spanien stiegen um 16 auf 315 Basispunkte.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat bereits am Freitag ein Warnung nach Italien geschickt: Wenn sich die Krise verschärfen sollte, drohe die Herabstufung.

„Wir sollten wohl mit einem Ausverkauf rechnen”
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36 Kommentare zu "Anleihen unter Druck: Die Märkte zittern vor dem „Cavaliere“"

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  • Immerhin ist bei dem ehrenwerten Herrn Berlusconi noch nicht sicher, ob er in den Knast muss.

    Damit können die von Ihnen erwähntern deutschen PolitikerInnen nicht dienen.

    Trotzdem, wenn er es fertigbrächte, den Euro und von mir aus auch gleich die EU zu sprengen, dann soll er gewählt werden. Er wird sowieso nicht lange im Amt sein.

  • @ Dante,

    Die Mitfinanzierung des Petersdoms (Vatikan und nicht Italien) muss als eine Teilwiedergutmachung für das Plündern und Zerstören von Nord-Italienische Städten (unter anderen Mailand) durch Barbarossa.
    Ich sage ja "Teilwiedergutmachung" getilgt ist es lange noch nicht!

  • @ Fakten,

    das Ziel ist richtig, die Methode aber unrealistisch.
    Es gibt eine einfachere Lösung.
    Die MwSt. auf Importprodukte in den überschuldeten Euro-Länder zu verdoppeln.
    Dann werden diese Länder entweder auf Konsum verzichten oder die Produkte im eigenen Land herstellen müssen.
    Wo steht denn geschrieben dass ein Deutscher in Deutschland die Luxuskarosse für den griechischen Bankdirektor bauen muss, ein Grieche in Griechenland kann das genau so gut.
    Also den Leuten dort Arbeit geben und nicht Geld. Was denken Sie wie schnell Mercedes, FIAT, Renaul, Siemens, BASF, etc., etc., dort Fabriken bauen würden!

  • @ Radek,

    das Ziel ist richtig, die Methode aber unrealistisch.
    Es gibt eine einfachere Lösung.
    Die MwSt. auf Importprodukte in den überschuldeten Euro-Länder zu verdoppeln.
    Dann werden diese Länder entweder auf Konsum verzichten oder die Produkte im eigenen Land herstellen müssen.
    Wo steht denn geschrieben dass ein Deutscher die Luxuskarosse für den griechischen Bankdirektor bauen muss, ein Grieche kann das genau so gut.
    Also den Leuten dort Arbeit geben und nicht Geld.

  • Zittern vor dem gauner? ja wo sind wir denn? abgesehen davon haben alle Menschen der Länder genau die politiker verdient, die an der Macht sind. sie können Mist bauen soviel sie wollen, nach der wahl muß man ihre blöden Gesichter sehen.

  • Endlich ist er wieder da, deutsch-mational-Prolete werden sich wieder mit Beschimpfung die Finger wundschreiben könne.
    Es war so langweilig hier bei der HB ohne IHN! geworden

  • Mit Volldampf in die Transferunion! Einem Land, das in manchen Regionen mehr Förster als Bäume hat, bleibt eben nichts anderes übrig. Die Transferunion Deutschland- Italien hat schon eine jahrhundertalte Tradition. Neben dem Erhalt des hohen Lebensstandards für gewisse Kreise in Rom wurden auch sinnvolle Projekte wie der Bau des Petersdoms davon finanziert. Man muss aber beachten, dass damals die Transferzahlungen, genannt Ablassbriefe, die Ursache der Reformation und des Abfalls von Rom waren. Gott sollte die Ablassbriefe zurückzahlen. Auch heute kann man bei den Hilfsdarlehen nur ein „Vergelts Gott“ erwarten, denn hat irgendein europäischer Staat irgendwelche Schulden zurückgezahlt? Alte Schulden wurden nur mit neuen beglichen! Die ultramontanen Helfershelfer des Transfers wie Tetzel bekommen auch nach mehr als fünfhundert Jahren noch keine gute Presse, und die Aversion gegen Rom ist in dieser Zeit auch nicht kleiner geworden. Wieder einmal wird Europa für lange Zeit entscheidend geprägt. .

  • der EU/banker mafia verbreiten ein bisschen angst kurz vor einen 'demokratischen' wahl um sicher zu stellen das die italiener 'richtig' wählen..

    mehr nicht..und der EU hat diesen taktik seit uber 60 jahren perfektioniert.

  • wow, das ist ja genial

    der Bernd-Lustkönig, (bonga bonga) hat also ne Krise erzeugt
    dann kam der Chef der Bilderberger (Monti), um mit getürkten Zahlen so zu rtun als wenn der GESTAPO-Verein ESM doch ein Rettungsschirm ist

    Und nnun bricht das Kartenhaus in sich zusammen un Monti-Bilderberger zieht sich zurück

    wow

  • Ich denke, Monti hat recht klug gehandelt. Denn angesichts des von Berlusconi inszenierten Theaters wäre jedes andere Verhalten demütigend für ihn selbst gewesen. Durch den Rücktritt kommt der Wahltermin näher, als Berlusconi es wollte, und so hat er weniger Zeit, seine Strategie auszufeilen und v.a. keinen Gegner Monti. Wahlsiegerin wird wohl die blasse und nicht besonders kompetente Demokratische Partei, die mit 40+% Königsmacherin sein wird für Monti Zwei. Unklar ist derzeit, wie Berlusconi überhaupt gedenkt, Stimmen zu fangen. Als glaubwürdig wird er von fast niemandem gesehen, aber wenn er sich vor der Justiz in Sicherheit bringen will, dann spielt er entweder Poker, ist komplett verrückt oder hat was auf der Hinterhand. Monti hat ebenfalls viel Vertrauen verloren, aus diversen Gründen. Nun könnte ihm aber mehr Zuspruch in der Bevölkerung winken. Sicher ist das alles aber nicht. Und hoffentlich fliegt uns in der Zwischenzeit der Laden nicht um die Ohren.

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