Anleihen unter Druck
Die Märkte zittern vor dem „Cavaliere“

Er stand für Stillstand in Italien. Jetzt stürzt Berlusconi das Land in eine Regierungskrise. Damit erhalten auch Spekulationen über einen Auseinanderbrechen des Euros neue Nahrung. An den Märkten geht die Angst um.
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FrankfurtEin paar Monate herrschte Ruhe, jetzt kehrt die Euro-Krise mit voller Wucht zurück – ausgerechnet in Gestalt von Silvio Berlusconi.

Der frühere italienische Ministerpräsident hat Italien in eine Regierungskrise gestürzt. Seine Partei entzog dem amtierenden Regierungschef, Mario Monti, die Unterstützung. Dieser erklärte daraufhin überraschend seinen Rücktritt. Er habe die Entscheidung erst am Wochenende mitgeteilt, aus Rücksicht auf die Finanzmärkte, sagte Monti. Fast zeitgleich verkündete Berlusconi, er wolle selbst erneut für das Amt des Regierungschefs kandidieren.

Was sich zunächst wie eine Posse aus dem Land des Dolce Vita anhört, könnte ernste Konsequenzen für die gesamte Euro-Zone haben. Mit Italien steht und fällt die Rettung des Euros. „Die italienischen Wahlen stehen weit oben auf unserer Liste der Risiken“, sagte Holger Schmieding, Chefökonom bei der Berenberg Bank. „Ein Berlusconi-Wahlkampf gegen einen ‚deutschen Sparkurs‘ hätte das Potenzial, die Märkte zu verunsichern.“

Unter Monti hatte sich Italien auf Reformen festgelegt. Die Investoren vertrauten dem ehemaligen Banker von Goldman Sachs. Er stand für einen struktur- und fiskalpolitischen Wandel. Dagegen machte Berlusconi immer wieder Stimmung, indem er Monti vorwarf, das Land mit seiner Sparpolitik in eine „Rezessionsspirale ohne Ende“ zu schicken. Und er kritisierte den seiner Ansicht nach zu großen Einfluss Deutschlands in der europäischen Politik.

An den Finanzmärkten wächst die Sorge, dass mit der Rückkehr des Skandalpolitikers die Risse innerhalb der Euro-Zone wieder zu Tage treten. Die Spekulationen über das Auseinanderbrechen des Euros sind wieder da. „Es klaffen breitere Bruchstellen unter der Oberfläche“, sagte Georg Grodzki, Leiter Kredit-Analyse bei Legal & General Investment Management in London. „Die Investoren werden die Lippenbewegungen der italienischen Politiker sehr, sehr genau mitlesen.”

Italienische Staatsanleihen gerieten am Montag unter Druck. Die Renditen von zehnjährigen Bonds kletterten zeitweise um 35 Basispunkte auf 4,86 Prozent. Umgekehrt verteuerten sich Kreditausfallversicherungen für italienische Anleihen, die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) zogen um 33 auf 288 Basispunkte an. Der Aktienmarkt in Mailand gab am Morgen um 3,8 Prozent nach.

In den Abwärtssog gerieten auch spanische Anleihen. Zehnjährige spanische Papiere rentierten bei 5,60 Prozent 17 Basispunkte höher, CDS für Spanien stiegen um 16 auf 315 Basispunkte.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat bereits am Freitag ein Warnung nach Italien geschickt: Wenn sich die Krise verschärfen sollte, drohe die Herabstufung.

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  • Immerhin ist bei dem ehrenwerten Herrn Berlusconi noch nicht sicher, ob er in den Knast muss.

    Damit können die von Ihnen erwähntern deutschen PolitikerInnen nicht dienen.

    Trotzdem, wenn er es fertigbrächte, den Euro und von mir aus auch gleich die EU zu sprengen, dann soll er gewählt werden. Er wird sowieso nicht lange im Amt sein.

  • @ Dante,

    Die Mitfinanzierung des Petersdoms (Vatikan und nicht Italien) muss als eine Teilwiedergutmachung für das Plündern und Zerstören von Nord-Italienische Städten (unter anderen Mailand) durch Barbarossa.
    Ich sage ja "Teilwiedergutmachung" getilgt ist es lange noch nicht!

  • @ Fakten,

    das Ziel ist richtig, die Methode aber unrealistisch.
    Es gibt eine einfachere Lösung.
    Die MwSt. auf Importprodukte in den überschuldeten Euro-Länder zu verdoppeln.
    Dann werden diese Länder entweder auf Konsum verzichten oder die Produkte im eigenen Land herstellen müssen.
    Wo steht denn geschrieben dass ein Deutscher in Deutschland die Luxuskarosse für den griechischen Bankdirektor bauen muss, ein Grieche in Griechenland kann das genau so gut.
    Also den Leuten dort Arbeit geben und nicht Geld. Was denken Sie wie schnell Mercedes, FIAT, Renaul, Siemens, BASF, etc., etc., dort Fabriken bauen würden!

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