Anleihen unter Verkaufsdruck
Investoren strafen Portugal ab

Die Sorge um Portugal wächst wieder: Investoren strafen die portugiesischen Staatsanleihen ab. Geldgeber mahnen das Land, jetzt nicht vom Sparkurs abzukommen. Auch Bundesfinanzminister Schäuble fordert neue Maßnahmen.
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FrankfurtAngesichts der neu auszuhandelnden Sparmaßnahmen in Portugal haben Investoren am Montag die Staatsanleihen des Landes verkauft. Die Rendite der zehnjährigen Papiere stieg auf 6,54 Prozent, nachdem es am Freitag nur 6,43 Prozent waren. Außerdem gab der Leitindex für die wichtigsten Aktien Portugals um knapp ein Prozent nach.

Investoren trieb Händlern zufolge die Sorge um, dass eventuell ein zweites Hilfspaket nötig werden könnte. Das Verfassungsgericht des südeuropäischen Landes hatte Teile des Sparpakets der portugiesischen Regierung für unzulässig erklärt.

Mit der Senkung der Arbeitslosenhilfe und mit Abstrichen beim Urlaubsgeld für Beamte wollte die Regierung ihre Ausgaben um mindestens 900 Millionen Euro reduzieren. Nun müssen neue Wege gefunden werden, um diesen Betrag zusammenzubekommen. Erforderliche Ausgabenkürzungen für dieses Jahr müssen laut Ministerpräsident Pedro Passos Coelho in den Bereichen Sozialversicherung, Gesundheitswesen und Erziehung vorgenommen werden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) appellierte an Portugal, seinen Reformkurs fortzusetzen. „Portugal hat große Fortschritte in den letzten Jahren gemacht, Portugal ist dabei, den Zugang zu den Finanzmärkten zu gewinnen“, sagte Schäuble. „Aber Portugal muss nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts jetzt neue Maßnahmen treffen.“

„Ich werde die Ministerien anweisen, mit den notwendigen Kürzungen der operativen Ausgaben fortzufahren um das, was vom Verfassungsgericht verhindert wurde, auszugleichen”, sagte er am Sonntag in Lissabon. „Die Regierung akzeptiert keine weiteren Steuererhöhungen, die das Verfassungsgericht seiner Interpretation zufolge wohl als beste Lösung ansieht.”

Passos Coelho kämpft gegen steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Nachfrage aus Europa. Um die Bedingungen für das portugiesische 78-Milliarden-Euro-Rettungpaket von EU und IWF zu erfüllen, kürzt er Ausgaben und erhöht Steuern. Am 15. März lockerte die Regierung ihr Defizitziel, nachdem sie ihre Prognose für das negative Wirtschaftswachstum verdoppelt hatte.

Der Entscheid des Verfassungsgerichts verzögere die siebte Überprüfung des Hilfsplans, die Voraussetzung für die Auszahlung von 2 Milliarden Euro sei, so Passos Coelho. Der Ministerpräsident sagte, er werde der Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds eine Erklärung dafür geben müssen. Die Gerichtsentscheidung schwäche zudem Portugals Position bei Gesprächen mit den internationalen Partnern über die Verlängerung der Laufzeit der Hilfskredite.

„Die Regierung fühlt sich allen Zielen des Hilfsprogramms verpflichtet”, sagte Passos Coelho. „Wir werden alles tun müssen, um ein zweites Hilfsprogramm zu vermeiden.”

Portugal musste vor zwei Jahren mit 78 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt werden. Im Rahmen des Hilfspakets wurde ein umfassender Reformkurs vereinbart. Demnach muss in diesem Jahr das Haushaltsdefizit auf 5,5 Prozent der Wirtschaftsleistung von 6,4 Prozent im vergangenen Jahr sinken. Um Portugal angesichts der massiven Arbeitslosigkeit und andauernden Rezession unter die Arme zu greifen, sind zeitliche Aufschübe ins Spiel gebracht worden. So könnte Portugal mehr Zeit für die Schuldenrückzahlung gegeben werden.

Die internationalen Geldgeber machen Druck auf Portugal, trotz eines Vetos des Verfassungsgerichts gegen einige Sparbeschlüsse nicht vom Sanierungskurs abzukommen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble forderte die Regierung in Lissabon auf, ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf jeden Fall nachzukommen. Ähnlich hatte sich zuvor schon die EU-Kommission geäußert.

Die Staatsanleihen aus den üblicherweise ebenfalls mit Skepsis betrachteten Ländern Italien und Spanien erfreuten sich dagegen einer steigenden Nachfrage. Händler sagten, die Rendite der Papiere werde inzwischen als attraktiv eingeschätzt. Italienische Zehnjährige warfen 4,3 (Freitag: 4,4) Prozent ab, spanische 4,7 (4,8) Prozent. Bundesanleihen notierten wenig verändert. Die Rendite der zehnjährigen Papiere lag nahezu stabil bei 1,225 Prozent. Der Euro hielt sich um die Marke von 1,30 Dollar.

Kommentare zu "Investoren strafen Portugal ab"

Alle Kommentare
  • 8.4.13 Auch Portugal muss die Sorgen seiner Bürger ernst nehmen. Mit Recht bangen die Bürger um Ihr Erspartes. Doch Zypern und Portugal zeigen, dass man den einfachen Leuten ihr Erspartes und ihre Renten nicht so einfach kürzen kann. Da gibt es in demokratisch geführten Ländern ein Verfassungsgericht. Und Richter können korrigieren, was arrogante Politiker den einfachen Leuten stehlen wollen. Ersparnisse bis mindestens 300.000 Euro müssen im Notfall vor dem Zugriff gesichert sein. Schon deshalb, weil in diesen Beträgen auch die Altersvorsorge steckt. Renten und Pensionen müssen grundsätzlich vor der Raffgier der Reichen per Richterspruch geschützt werden. Auch selbstgenutzte Häuschen und Eigentumswohnungen sind tabu. Dafür muss man dem Raubeinkapitalismus der Superreichen im Inland und in den Steueroasen an das Fell. So sieht Gerechtigkeit aus. Wolfgang Werkmeister, Buchautor, Eschborn

  • Was heisst denn bitte "Die Sorge um Portugal wächst wieder?". HAllo!!! Diese Länder sind PLEITE!!! genau wie Italien und Frankreich ebenso im Eimer sind. WAKE UP!

  • #Roetkaepchen,
    RumpelstilzchenA ist ganz deiner Meinung!!!

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  • @Rotkaepchen
    Bei Immobilien stimme ich mit Ihnen ueberein, aber wieso soll der Steuerzahler dafuer gerade stehen wen einige Sparer so dumm sind und sich enscheiden ihr Geld FREIWILLIG an Schwerstkriminelle (Banken) zu verteilen? Jeder der sein Geld investiert muss auch mit den Konsequenzen leben koennen. Sollen Leute die in .com Aktien, Lottoscheine oder den "Nigeria-Scam" investiert haben auch vom Steuerzahler gerettet werden? Wer investiert (ja auch Banken) geht das Risiko ein das er sein Geld nie wieder sieht. Aus dem Grund gibt es Zinsen.

  • Portugal ist wirtschaftlich tot ... toter geht nicht.
    Mit dem € ist Portugal chancenlos, jemals wieder auf die Beine zu kommen, da ein Abwerten nicht möglich!

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  • Lieber Buchautor - Sie bringen da einiges durcheinander.
    Die Einlagensicherung der Banken ist EINE Sache, ob und
    inwieweit der Staat fuer bankrotte Banken aufkommt, die
    ueberhoehte Zinsen gezahlt haben, liegt im Ermessen jedes Land und evtl des Bankenverbandes, der eine Versicherung geben kann.
    Soziale Einschnitte muessen von der Regierung verordnet
    werden, wenn die Finanzen aus dem Ruder gelaufen sind.
    Das portug Verfassungsgericht hat ueber 3 Monate gebraucht um in eigener Sache zu entscheiden, dass das
    Urlaubsgeld der Beamten (das in Deutschland nicht existiert) nicht angetastet werden darf. Die voraussehbare Reaktion der Regierung wird sein, Privilegien der Beamtenschaft abzuschaffen. Die Herren
    Richter werden noch bereuen, diese Entscheidung getroffen zu haben

  • und immer wieder dei Werbung für die AfD. Mir fehlen die Antworten, wie die AfD aus den zugesagten Verpflichtungen der jetzigen Regierung rauskommen will. Von Frau Merkel und Herrn Schäuble werden JETZT die Zusagen gemacht. Zusagen heißt nicht gleich bezahlen! Wie will die Afd das Thema denn lösen? Internationaler Vertragsverstoß? Wenn ich mir die Vorschläge der AfD so durchlese udn die mit der Realität vergleiche, dann läufts auf eine Währungs-reform raus. Und das ist keine schöne Aussicht.

  • @Pequod und Golfer
    Ich weiß nicht, ob es Sinn macht, geschweige denn überhaupt erlaubt ist, hier Parteien wie Schokoriegel zu bewerben. Jedenfalls heißt das Problem, an dem die gesamte Weltwirtschaft krankt, nicht allein EURO, sondern Staatsverschuldung, und diese war bekanntlich auch schon zu D-Mark-Zeiten und über den großen Deich hinaus ausufernd. Dass die Lage nun eskaliert und uns um die Ohren fliegt, liegt ganz einfach daran, dass keine einzige Partei – ganz gleich ob rechts, links, Mitte – über Jahrzehnte hinweg auch nur irgendetwas gegen die wahren Ursachen jemals unternommen hätte: nämlich die Korruption. Im Gegenteil, selbst ranghohe Politiker leben mit hausgemachten Skandalen auch der Wirtschaft, sprich den hochgelobten und vielgefeierten Unternehmern, deren Bankiers und Anwälten, weiterhin fleißig vor, wie man narrensicher für den Untergang eines ohnehin stinkend faulen Kreditwirtschaftssystems sorgt. Und für den Müll, den sie verzapfen, gibt es natürlich noch eine Diätenerhöhung obendrauf. Die Täter grinsen Euch rotzfrech via Fernsehbildschirm tagtäglich ins Gesicht. Genauso schafft man Unruhen! Die Wahrheit ist schwer erträglich, aber sie holt ganz sicher jeden ein…

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