Anleihen
Verkehrte Welt am Anleihemarkt

Die Nachricht überrascht: Anleihen aus Schwellenländern lassen sich günstiger absichern als entsprechende Produkte aus Industrieländern. Die hohe Nachfrage nach Anleihen aus Wachstumsregionen drückt die Preise für Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall.

BLOOMBERG LONDON. Die kräftige Nachfrage nach Anleihen der Schwellenländer hat die Kosten zur Absicherung gegen einen Zahlungsausfall der Papiere erstmals unter die von Industrieländern getrieben. Die Preise für Kreditausfallswaps von Emerging Markets von der Türkei bis Indonesien sinken, da sich die Anzeichen mehren, dass sich ihre Volkswirtschaften schneller erholen als die in den entwickelten Ländern. Außerdem haben die USA und Großbritannien Rekordsummen an Kapital aufgenommen, um Banken zu retten und der Konjunktur unter die Arme zu greifen. Hingegen haben Russland, Indien und China Reserven in Höhe von drei Bill. Dollar. Das sind 19 Prozent mehr als im Januar und 43 Prozent der weltweiten Reserven, geht aus Bloomberg-Daten hervor.

Die jährlichen Kosten, um Positionen in türkischen Anleihen zu schützen, sind für einen Betrag von zehn Mio. Dollar um die Hälfte auf 200 000 Dollar oder 200 Basispunkte gesunken. Damit liegen sie Bloomberg-Daten zufolge seit dem 22. Juli unter den Swap-Preisen für Anleihen von New York City. Die Preise für Swaps der Welt-Finanzhauptstadt habe sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdreifacht. Am 23. Juli sind die Anleihe-Versicherungskosten für Indonesien unter die von Michigan gefallen.

Brasilianische Swaps verzeichneten den stärksten Rutsch über vier Monate. Und in China haben die Absicherungskosten den tiefsten Stand seit einem Jahr erreicht. Mit 66 Basispunkten liegen sie unter denen von Griechenland und Irland und nur neun Basispunkte von Österreich, Italien und Spanien entfernt.

Elf Jahre nach dem Zahlungsausfall Russlands wollen Anleger weniger Absicherung der Papiere als für die von Kalifornien. Das osteuropäische Land konnte seine Devisenreserven anzapfen, um damit das Haushaltsdefizit zu stopfen; der US-Bundesstaat musste dafür verstärkt den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen, die Ausgaben kürzen und die Steuern erhöhen. Moody?s Investors Service hat zweimal das Rating auf mittlerweile "Baa1" gesenkt und die Swaps sind in den vergangenen zwölf Monaten um über das Dreifache gestiegen. "Das wäre vor einem Jahr noch undenkbar gewesen", sagt Dmitry Sentchoukov, Emerging-Market-Stratege bei Dresdner Kleinwort in London. "Jetzt ist es offensichtlich, dass die Volkswirtschaften der Schwellenländer sich beim Wachstum besser schlagen als die Industrienationen. Daher freunden sich Investoren mit dem Gedanken an, dass Schwellenländer höher gepreist werden können als Industrienationen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%