Anleihen: Versorger locken mit neuen Bonds

Anleihen
Versorger locken mit neuen Bonds

Nachrangige Anleihen von Unternehmen, auch Hybrids genannt, sind gefragt. Firmen wie RWE nutzen das jetzt für neue Emissionen. Experten finden die Spezialpapiere attraktiv - auch wenn Anleger jede Menge Unsicherheitsfaktoren beachten müssen.
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FRANKFURT. Versorger sind am Markt für neue Unternehmensanleihen derzeit besonders aktiv und begeben nachrangige Bonds, die sie zum Teil auf ihr Eigenkapital anrechnen können. Den Anfang machte vor zwei Wochen die britische Scottish and Southern, es folgten Suez Environnement aus Frankreich, Santos aus Australien und am Montag RWE aus Deutschland. Dabei begab RWE mit 1,75 Mrd. Euro die größte Hybrid-Anleihe eines Unternehmens außerhalb der Finanzbranche seit vier Jahren. RWE richtet sich mit der neuen Anleihe, die in Stücke von je 1 000 Euro aufgeteilt ist, auch an Privatanleger. Die anderen Versorger zielten mit Mindestanlagesummen von 50 000 Euro dagegen auf institutionelle Investoren ab.

Viele Unsicherheitsfaktoren

Die nachrangigen Unternehmensanleihen, die auch Hybrids genannt werden, haben eine sehr lange, oft auch unendliche Laufzeit. Die Emittenten tilgen die Papiere allerdings meist vorzeitig. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bonds bekommen Anleger bei einer Insolvenz des Schuldners zudem ihr Geld erst nach den anderen Gläubigern zurück und können deshalb nur noch mit einem Bruchteil ihrer Anlagesummen rechnen.

Unsicher sind bei hybriden Anleihen außerdem die Zinszahlungen. Sie hängen von bestimmten Bedingungen ab: Die Zinszahlungen können gemäß den Emissionsprospekten freiwillig oder verpflichtend ausgesetzt werden, wenn ein Unternehmen bestimmte Verschuldungskennziffern nicht einhält. "Bei optionalen Zinsaussetzungen, die nach einem vorherigen Dividendenausfall fast immer möglich sind, müssen die ausgefallenen Zinsen oft nachgezahlt werden, wenn die Unternehmen zum Beispiel wieder Gewinne an die Aktionäre ausschütten", erklärt Marco Ryll, Analyst für Unternehmensanleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zwangsweise Kuponausfälle würden dagegen häufig nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen nachgeholt.

Firmen wie Bayer zahlen zwangsweise ausgefallene Zinsen nur nach, wenn sie das Geld dafür aus einer Kapitalerhöhung oder durch neue hybride Bonds bekommen. Siemens und Henkel schütten zwangsweise ausgefallene Zinsen als neue Aktien oder hybride Anleihen aus. Bei dem neuen Bond von RWE und ausstehenden Anleihen von Linde gibt es nur optionale Zinsaussetzungen.

Trotz der Risiken und der komplizierten Strukturen kommen die Hybrids bei Investoren gut an. Alle neuen Papiere waren mehrfach überzeichnet. Der Grund: Um Anleger für die Risiken zu entschädigen, bieten die Papiere höhere Renditen als herkömmliche Firmenbonds. "Und genau darauf sind Investoren im aktuellen Niedrigzinsumfeld erpicht", sagt Sven Kreitmair, einer der beiden Leiter des Researchs für Unternehmensanleihen bei der Unicredit. Die neue hybride Anleihe von RWE rentiert zum Beispiel mit 4,7 Prozent und wirft damit mehr als doppelt so viel Rendite ab wie ein in fünf Jahren fälliger herkömmlicher RWE-Bond.

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