Anleihen
Wie sich Goldman Sachs verrechnete

Goldman Sachs gilt als einflussreichste Bank der Welt. Dem mächtigen Institut ist jetzt ein peinlicher Fehler unterlaufen. Bei einer Anleiheemission des Autobauers Ford verrechnete sich Goldman und musste nachbessern.
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Goldman Sachs dürfte jetzt einen verärgerten Kunden haben. Die US-Investmentbank hat dem Autobauer Ford bei einer Anleiheplatzierung in der vergangenen Woche rund 1,5 Millionen Dollar an zusätzlichen Zinskosten aufgebürdet. Das berichten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Investmentbank verwendete die falsche US-Staatsanleihe als Benchmark für die Emission der Ford-Finanzierungstochter.

Zum Ausgleich habe Ford bei der eine Milliarde Dollar schweren Emission fünfjähriger Papiere eine geringere Konsortialgebühr zahlen müssen. Aus Pflichtmitteilungen geht hervor, dass Ford 0,1 Prozentpunkt weniger an Gebühren gezahlt hat als bei zwei vorhergehenden Emissionen vergleichbarer Anleihen.

Ein Fehler wie der von Goldman Sachs sei an den Kapitalmärkten selten, kommentierte Ashish Shah, Leiter weltweite Kredit-Investments bei Alliance Bernstein. „Ich kann mich nicht erinnern, wann so etwas zum letzten Mal passiert ist“, sagte Shah. „Das erinnert uns daran, dass es ein von Menschen gesteuerter Prozess ist“, führte er aus. „Das wird sicher über lange Zeit in der Firma nicht mehr vorkommen.“

Sprecher von Goldman Sachs und Ford Motor Credit wollten sich zu Details der Anleiheemission nicht äußern.
Banken setzen den Preis für neue Unternehmensanleihen meist auf der Basis von US-Treasuries mit ähnlichen Laufzeiten fest. Wenn die USA in der Wochenmitte eine Anleihe auflegen, wird diese nicht vor dem folgenden Montag als Benchmark verwendet.

Bei der Emission von Ford am 26. September addierte Goldman Sachs einen Renditeaufschlag von 1,45 Prozentpunkten auf die am 25. September begebene US-Staatsanleihe mit Laufzeit bis September 2018 und einem Kupon von 1,375 Prozent. Stattdessen hätte der Spread der Ford-Anleihe auf der mit 1,5 Prozent verzinsten Staatsanleihe mit Fälligkeit August 2018 aufsetzen sollen.

Für die Begleitung der Emission zahlte Ford laut Pflichtmitteilungen 2,5 Millionen Dollar oder 0,25 Prozent des Emissionsvolumens, verglichen mit 0,35 Prozent bei zwei vorhergehenden Emissionen fünfjähriger Papiere. Zu dem Emissionskonsortium vergangene Woche gehörten auch JPMorgan Chase, BNP Paribas und Banco Bradesco.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Goldman verrechnet? Glauben Sie doch nicht an ein Weihnachtsmärchen!!!
    ".. Die US-Investmentbank hat dem Autobauer Ford bei einer Anleiheplatzierung in der vergangenen Woche rund 1,5 Millionen Dollar an zusätzlichen Zinskosten aufgebürdet...."
    Pech für Goldman, dass es jemanden aufgefallen ist.

  • War sicher nur ein Rundungsfehler in der Zinseszinsrechnung irgendwo. Bei Milliardensummen gibt dann halt mal einen Fehler. Die bei Goldmann Sucks scheinen das 4-Augenprinzip noch nicht einzusetzen...

  • peanuts: jaja, Kopper dürfte schon gewußt haben was er gemeint hatte...
    Und sich verrechnen als Bankinstitut auf der Schneide, auf der man da herumwurstelt: auch sehr lecker.

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