Argentinien
Peso-Bonds profitieren von Teuerung

Die Furcht vor einem Anstieg der Inflation führt in Argentinien derzeit zu einem Favoritenwechsel an den Kapitalmärkten: Während die Anleger Aktien meiden und damit den Leitindex Merval drücken, steigt das Interesse an inflationsindexierten Peso-Anleihen. Die Erwartung der Investoren, dass die Inflation in Argentinien weiter anzieht, gepaart mit den ständigen Interventionen der Regierung, um die lokale Währung zu stützen, verspricht steigende Renditen für Peso-Bonds, die an den Konsumentenpreisindex CER gebunden sind.

HB BUENOS AIRES. Im November lag der Anstieg der Inflation in Argentinien mit 1,2 Prozent deutlich über den Erwartungen. Die Jahresinflation wird damit die von der Zentralbank gesetzte Obergrenze von zwölf Prozent überschreiten. Mit Inflationsbonds können Investoren trotzdem hohe Renditen erzielen. So verspricht etwa der Discount Bond in Peso eine Jahresrendite von über 18 Prozent: Sechs Prozent Realverzinsung plus zwölf Prozent Inflation. „Wer in Argentinien investieren will, sollte sich in diesen Papieren engagieren“, raten daher die Anlageexperten von Merrill Lynch.

Deutlich schlechter sieht die Lage am Aktienmarkt aus. Seit Anfang Dezember fiel der Merval-Index um knapp zwei Prozent. Zu gering ist das Vertrauen der Anleger in die antiinflatorischen Maßnahmen der Regierung. Ende November wurden die pessimistischen Erwartungen durch den erzwungenen Rücktritt von Wirtschaftsminister Roberto Lavagna bestätigt, der bisher eine mäßigende Wirkung auf die Ausgabenpolitik und die marktfeindlichen Tendenzen des Präsidenten Nestor Kirchner ausgeübt hatte. In den vergangenen Tagen gab es Gerüchte, dass auch Zentralbankchef Martin Redrado zurücktreten werde.

Steigende Kosten für Produktionsfaktoren, Löhne und Dienstleistungen haben sich bereits deutlich in den Unternehmensergebnissen für das dritte Quartal niedergeschlagen: Die Gewinne fielen um rund elf Prozent niedriger aus als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Rafael Ber von der argentinischen Investmentberatung Argentine Research wertet die Entwicklung allerdings als „Normalisierung der Gewinne“. Beispielhaft sei die Stahlindustrie, die nach der Abwertung niedrige Kosten in lokaler Währung hatten, ihre Exporteinnahmen jedoch in Devisen. Diese Situation führte zu extremen Gewinnspannen, die jetzt mit der graduellen Anpassung der internen Kosten sinken.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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