Argentinische Staatsanleihen
Argentinien-Anleihen feiern Comeback

Der Zahlungsausfall vor drei Jahren scheint fast vergessen: Argentinische Staatsanleihen erfreuen sich seit kurzem wieder großer Beliebtheit bei internationalen Investoren. Die Nachfrage ist groß.

BUENOS AIRES. Die Anfang Juli emittierten "Boden"-Anleihen im Wert von insgesamt zwei Mrd. Peso (etwa 500 Mill. Dollar) waren auf Grund der hohen Nachfrage vor allem aus dem Ausland um bis zu 400 Prozent überzeichnet. Eine ähnlich hohe Nachfrage wurde gestern auch für die erste argentinische Emission einer Dollar-Anleihe seit der Zahlungsunfähigkeit 2001 erwartet.

Die im JP Morgan Emerging Market Bond Index (EMBI) gemessenen Risikoaufschläge auf argentinische Anleihen, die den Zinsunterschied zu US-Schatzanleihen markieren, haben sich seit Anfang Juli halbiert. Jetzt befinden sich die Risikoaufschläge etwa auf gleicher Höhe mit denen von Brasilien.

Das ist erstaunlich, denn erst vor wenigen Wochen vollendete Argentinien auf sehr unrühmliche Art seine Schuldenrestrukturierung. Drei Jahre nach dem größten Zahlungsausfall aller Zeiten hatte die Regierung ein Umschuldungsangebot vorgelegt, das den Gläubigern - darunter viele Deutsche - einen Forderungsverzicht von etwa zwei Dritteln des Barwerts abverlangte. Drei Viertel der Anleger akzeptierten und tauschten ihre Anleihen. Die restlichen Gläubiger sitzen noch immer auf notleidenden Anleihen im Nominalwert von 24 Mrd. Dollar und versuchen, die Rückzahlung ihrer Gelder durchzusetzen. In vielen Ländern laufen Gerichtsverfahren gegen das Land, und viele Gläubiger, inklusive einiger großer Hedge Fonds, sind bereits im Besitz eines Pfändungstitels gegen Argentinien.

Doch "die internationalen Finanzmärkte sind noch immer sehr liquide, und es scheint wieder einen großen Appetit auf hohe Renditen zu geben, die kurzfristig als sicher erscheinen", sagt Alfredo Gutierrez Girault vom Argentinischen Institut für Finanzwissenschaften IAEF. So gab es in den vergangenen Wochen einen wahren Run auf inflationsindexierte Peso-Anleihen. Analysten rechnen in diesem und im nächsten Jahr mit einer Inflation zwischen zehn und elf Prozent. Gleichzeitig ist das Währungsrisiko relativ niedrig, denn die Zentralbank hält den Peso künstlich auf einem schwachen Niveau zum US-Dollar, um die Exportwirtschaft zu stärken und die durch Exportsteuern befeuerten Staatseinnahmen hoch zu halten. Dies trägt wiederum dazu bei, dass Argentinien hohe Handelsbilanz- und Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet, so dass die Gefahr einer erneuten Zahlungsunfähigkeit derzeit relativ niedrig ist.

Wenn überhaupt stärkere Bewegungen des Pesos zu erwarten sind, dann wäre dies eine Aufwertung gegenüber dem Dollar, was für ausländische Besitzer von Peso-Anleihen einen weiteren Gewinn bedeuten würde. Kurzum, "die Mischung aus einer relativ guten Zahlungskapazität, der geringen Gefahr einer Abwertung des Pesos gegenüber dem Dollar und die Erwartung hoher Inflation sind gute Gründe, um weiter in inflationsindexierte Anleihen zu investieren", sagt Javier Kulesz von UBS-Warburg.

Obwohl das Wirtschaftsministerium langfristig das Ziel verfolgt, den Anteil der Dollar-, Euro- und Yen-Anleihen durch Peso-Titel zu ersetzen, ist es für Argentinien zurzeit billiger, Dollar-Bonds zu emittieren. Deshalb begab die Regierung gestern erstmals seit der Zahlungsunfähigkeit wieder eine Dollar-Anleihe im Wert von 500 Mill. Dollar. "Der Titel dürften stark nachgefragt werden", glaubt Luis Caputo von der Deutschen Bank in Argentinien.

Verschuldung in lokaler Währung nimmt zu:

Anleihen in lokaler Währung sind nicht nur im Fall Argentinien für internationale Investoren attraktiv geworden. Während die lateinamerikanischen Schwellenländer sich in den 90er-Jahren in harten Devisen verschulden mussten, profitieren sie jetzt von dem schwachen Dollar. Zudem stärken die hohen Rohstoffpreise die Währungen und die insgesamt stabileren Makrodaten der Region. Dies stellte vor kurzem die Ratingagentur Standard & Poor's fest.

Die Regierungen konnten überall in Lateinamerika den Anteil von Schuldtiteln in lokaler Währung an ihren Gesamtschulden im letzten Jahr stark steigern. Ende 2004 lauteten fast 75 Prozent der brasilianischen Schuld auf lokale Real, verglichen mit rund 60 Prozent im Jahr 2000. Mexikos Schuldtitel in lokaler Währung stiegen im gleichen Zeitraum von 48 Prozent auf 60 Prozent der Gesamtschuld, in Kolumbien von 47 Prozent auf 54 Prozent.

Der höhere Anteil an Lokalwährungsanleihen macht die Schuldnerländer wiederum weniger anfällig für externe Schocks. So begründet S&P die jüngsten Verbesserungen in der Kreditbewertung von Peru, Brasilien und Mexiko auch mit der verbesserten Schuldenstruktur.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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