Asset Backed Securities
Verbriefungsmarkt trocknet aus

Den internationalen Großbanken bricht ein wichtigstes Refinanzierungsinstrument weg: die langfristige Geldbeschaffung über mit Forderungen besicherte Anleihen. Der Primärmarkt für die sogenannten Asset Backed Securities, kurz ABS, ist seit Mitte August praktisch tot – Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

FRANKFURT. Bis Ende Juli dieses Jahres hatten europäische Emittenten neue ABS über gut 354 Mrd. Euro begeben. „Es haben zwar viele Emittenten Pläne für ABS in der Schublade, aber es ist fraglich, ob sich noch in diesem Jahr jemand auf den öffentlichen Markt wagt“, sagt Jens Schendzielorz, der bei der Citigroup institutionelle ABS-Anleger betreut. „Kaum jemand möchte den Vorreiter machen; die Gefahr, dass eine Platzierung nicht läuft und ein Institut dann einen peinlichen Rückzieher machen muss, ist groß“, meint auch Tina Egender, Analystin für ABS bei der DZ Bank.

Die Banken spüren besonders bei forderungsunterlegten, verbrieften Anleihen die Auswirkungen der Subprime-Krise um bonitätsschwache private US-Häuslebauer. Wie alles, was regelmäßige Einnahmen bringt, hatten Banken – vor allem in den USA – auch Subprime-Kredite über ABS verbrieft. Dabei bündeln die Banken Kredite und übertragen sie an eine Zweckgesellschaft. Diese bringt Anleihen in verschiedenen Risikoklassen auf den Markt, deren Zins- und Tilgungszahlungen mit den Krediten gedeckt sind.

Die Kombination aus steigenden Zinsen und sinkenden Immobilienpreisen hatte einen sprunghaften Anstieg der Zahlungsausfälle bei bonitätsschwachen Kunden zur Folge. Dies hatte schon im Frühjahr die Subprime-ABS massiv unter Druck gebracht; sie notieren zum Teil nur noch zu 50 Prozent ihres Nennwerts. Die Ratingagenturen haben die Bonität der Papiere in Milliardenvolumen sukzessive herabgestuft. Das schreckt Investoren generell von der Anlageklasse ab, auch von den ABS, die keine Subprime-Kredite verbrieft haben.

„Nachdem es lange Zeit kaum Käufer für ABS gab, kehrt das Vertrauen jetzt erst ganz allmählich etwas zurück“, beobachtet Schendzielorz. Für einzelne europäische ABS, die zum Beispiel mit erstklassigen niederländischen Wohnungsbaukrediten gedeckt seien, gebe es wieder Interesse. Entsprechend seien auch die Risikoprämien wieder etwas gesunken. Von einem funktionierenden Markt könne man aber noch lange nicht sprechen, dafür seien die Umsätze zu gering, sagt Egender: „Es ist fraglich, ob sich zu den Risikoaufschlägen aus dem Handel tatsächlich Emissionen platzieren lassen.“ Von daher könnten öffentliche Transaktionen derzeit für die Banken noch zu teuer sein.

Es gibt zwar vereinzelt Emissionen, die werden aber nur unter der Hand an wenige ausgewählte Großanleger wie Versicherer verkauft. Andere Institute wie die niederländischen Häuser ING und SNS Bank oder der angeschlagene britische Baufinanzierer Northern Rock haben ABS strukturiert, diese aber in der eigenen Bilanz behalten. Damit schaffen sie – anders als bei auf Zweckgesellschaften übertragenen ABS – keinen Spielraum für die Vergabe neuer Kredite. Stattdessen nutzen die Institute die Tranchen der besicherten Anleihen mit sehr guten Ratings, um sich günstig Geld bei den Zentralbanken zu borgen. Diese akzeptieren ABS-Tranchen mit Spitzenratings als Sicherheit in der Wertpapierleihe.

„Auf Dauer sind diese Tricks aber keine Lösung“, warnt Philip Gisdakis, Kreditstratege bei Unicredit. Die aktuelle Lage zeige, dass Banken nicht nur mit der kurzfristigen Liquidität am Geldmarkt, sondern auch in der langfristigen Refinanzierung nachhaltige Probleme hätten. Über herkömmliche Anleihen bekämen zumindest die großen Banken zwar wieder Geld, müssten dafür aber höhere Risikoaufschläge zahlen als vor der Krise.

Einige Volkswirte fürchten, dass Kredite künftig nur noch restriktiver und teurer vergeben werden, wenn sich Banken nicht mehr günstig über Verbriefungen refinanzieren können. Dies könnte dann nicht nur die Gewinne der Institute schmälern, sondern angesichts steigender Belastungen durch höhere Hypothekenzinsen auch zu sinkenden Immobilienpreisen führen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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