Asset Liability Management
Profis verwenden jetzt hohe Mathematik

Computersimulation soll Rententöpfe sicherer machen und Vermögensverwalter vor Fehlentscheidungen schützen.

DÜSSELDORF. Es war ein exklusives Treffen im hochherrschaftlichen Schlosshotel Kronberg bei Frankfurt. Die Fondsgesellschaft Pioneer lud dorthin kürzlich Manager von Pensionsfonds und Versicherungsexperten ein, um ihnen die wachsende Rolle der Computersimulation im Portfoliomanagement nahe zu bringen. Extra eingeflogen waren der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz aus New York und der weltweit anerkannte Spezialist für ökonomische Rechenmodelle, Michael Dempster aus Cambridge , um die Bedeutung des Themas zu unterstreichen. Sie erläuterten, wie komplexe Rechenmodelle helfen können, Altersvorsorgekonten katastrophenfest zu machen und größere Deckungslücken zu verhindern. Fachbegriff: „Asset Liability Management.“

Mit Hilfe Tausender von Modellrechnungen zu unterschiedlichen Kapitalmarktszenarien will Pioneer den professionellen Geldmanagern maßgeschneiderte Fondsprodukte liefern, die sicherstellen sollen, dass für alle künftigen Zahlungsverpflichtungen der Rentenkassen immer genug Geld im Topf ist. Die Methode ist nicht nur für Pioneer ein Thema. Betriebliche Pensionsfondsmanager und deren Konzernvorstände tummeln sich auf einschlägigen Informationsveranstaltungen, Lebensversicherungen verfeinern die Anwendung der Methode in ihren Häusern.

Auch die Verwalter privater Vermögen zeigen zunehmend Interesse. Mit dem Platzen der Aktienmarktblase und dem Eintreten in die Niedrigzinsphase bei Renten sind nämlich die Grenzen der herkömmlichen Vermögensverwaltung deutlich geworden. „Asset Liability Management ist unter Vermögensverwaltern das Thema des Tages“, sagt Branchenanalyst Huw van Steenis von Morgan Stanley in London.

Bekannt sei der Ansatz schon seit 20 Jahren, sagt Dempster, doch erst jetzt komme er zum breiten Einsatz. Das Risiko eines Portfolios lasse sich damit weit besser abschätzen und gegebenenfalls mit weniger börsenabhängigen Anlageformen abfedern, erläutert der auf Asset Liability Management spezialisierte Prof. Hans-Joachim Zwiesler von der Universität Ulm. Da auch die Varianten künftiger Entnahmen in die Berechnungen mit eingehen, entstehe auch wesentlich mehr Klarheit über realisierbare Renditen.

Als eine der Ersten führt die Investmentbank Credit Suisse die Methode gerade in der Beratung wohlhabender Privatkunden ein (siehe Interview). Dabei bleibe der Kunde allerdings vor komplizierten Computersimulationen verschont, erläutert die Bank. Der Berater gibt vielmehr Vermögenspositionen, Risiko- und Renditevorstellungen des Kunden sowie fällige Entnahmen in entsprechende Systeme ein. Der Rechner kalkuliert mögliche Interaktionen von Vermögensformen wie Bonds oder Aktien, aber auch die Auswirkungen von Wertschwankungen bei Immobilien und Firmeninvestments. Das gibt im Idealfall wichtige Hilfen für neue Investitionsentscheidungen.

Von Portfoliomanagern verlangt das computergestützte Asset Liability Management eine neue Denkweise. „Früher haben institutionelle Verwalter aus dem Bauch heraus entschieden, das ist heute aber viel zu gefährlich“, sagt Zwiesel. Die Märkte schwankten nämlich inzwischen weit stärker, auch die niedrigen Zinsen machten das Anlagegeschäft schwieriger. „Das Element der Zufälligkeit ist heute viel mehr ausgeprägt“, sagt Zwiesel. Generell dürften mit dem Asset Liability Management alternative Anlagen wie Gold oder auch Derivate stärker zum Einsatz kommen, um Kursrisiken der Kapitalmärkte abzufedern, vermutet Analyst van Steenis. Markus Zasada vom Fondsanalysehaus Feri Trust meint außerdem, der Vergleich mit dem Abschneiden anderer Vermögensverwalter trete jetzt in den Hintergrund. „Was zählt, ist die absolute Rendite.“

Allerdings hat auch das Asset Liability Management seine Grenzen. Max Holzer, bei der Fondsgesellschaft DIT für Mischfonds zuständig, sagt, dass die Methode nur über längerfristige Zeiträume ab fünf Jahren funktioniert. Er verwende sie deshalb nur bei Altersvorsorge-Produkten, nicht aber bei anderen Fonds. Bernd Haferstock von der Unternehmensberatung Heissmann warnt, dass Banken und Fondsverwaltungen die Methode als Marketinginstrument für ihre Produkte missbrauchen könnten. Und Zwiesler wirft ein, dass das computergestützte Asset Liability Management nur ein Hilfsinstrument ist, um gesteckte Ziele zu erreichen: „Mathematik ist kein Ersatz für eine Entscheidung.“

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