Auch in börsenschwachen Zeiten interessant
Wandelanleihen bringen mehr Rendite als Aktien

Die "Zwitterpapiere" entwickeln sich im Zehnjahresvergleich besser als Dividendentitel. Für Anleger sind sie sogar in Zeiten möglicher Korrekturen an den Börsen interessant.

HB LONDON. Sollte es zu einer ausgeprägten Korrektur an den Aktienmärkten kommen, stehen die Anleger vor dem Problem, dass Alternativen rar sind: Bei Rentenpapieren drohen weiterhin steigende Zinsen, und durch den gesunkenen Renditevorsprung sind auch risikoreichere Renten wie High Yields oder Schwellenländer-Anleihen kaum noch interessant. Auch der Geldmarkt gibt noch immer nicht viel her, und die Kurse bei Rohstoffen sind ebenfalls stark angestiegen.

Und dennoch gibt es eine Anlageklasse, in die sich ein Investment noch immer lohnen sollte, und die auf Sicht der vergangenen zehn Jahre sogar deutlich bessere Renditen lieferte als Aktien. Während Anleger mit den Unternehmenspapieren über diesen Zeitraum durchschnittliche jährliche Erträge von 8,2 Prozent erzielten, waren mit Wandelanleihen durchschnittlich 11,3 Prozent drin. Die Ursache für diesen Mehrertrag liegt in der Konstruktion der Anleihen.

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Die auch Convertibles genannten Papiere sind "Zwitterprodukte", weisen sowohl Charakteristika einer Anleihe als auch einer Aktie auf und profitieren sowohl bei steigenden Aktienmärkten als auch bei fallenden. Im ersten Fall steigt der Kurs der Wandelanleihe, wenn auch der zugrunde liegende Basiswert steigt. Bei fallenden Kursen kann der Kurs der Wandelanleihe nur bis zum Anleihenwert sinken; das Abwärtspotenzial ist begrenzt.

Zusätzlich kommen Anleger in den Genuss regelmäßiger Zins- oder Kuponzahlungen. Zum Rückzahlungsdatum erhält der Anleihenbesitzer, wie bei einer konventionellen Anleihe, den Nennwert zurück. Der Besitzer kann jedoch auch schon vorher seine Anleihen in eine vorab festgelegte Anzahl von Aktien des emittierenden Unternehmens umtauschen. Das ermöglicht die Chance, von dem Wachstumspotenzial der Aktie, in die die Wandelanleihe umgewandelt werden kann, zu profitieren.

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Obwohl Wandelanleihen ein Zwitter zwischen Aktie und Anleihe sind, weisen sie zu beiden Anlagekategorien eine geringe Korrelation auf. Convertibles sind deshalb besonders gut zur Diversifizierung eines Portfolios geeignet. Sie sind wenig zinssensitiv und reagieren aufgrund ihrer relativ kurzen Laufzeit – in der Regel fünf Jahre – weniger anfällig auf einen Anstieg der Anleiherenditen.

Nachdem Anleger im vergangenen Jahr mit einem Wandelanleihen-Investment durchschnittlich 12,5 Prozent erzielen konnten, ist im laufenden Jahr mit Renditen von etwa 6,5 Prozent zu rechnen. Wer beim Investment von Aktien auf Convertibles umschwenkt, kann sich auf geringere Schwankungen einstellen und hat zudem noch eine Chance, mit höheren Renditen als bei einem Aktienengagement belohnt zu werden. Diese Hoffnung dürfte nur in einem Fall nicht erfüllt werden, wenn nämlich die Aktienmärkte wiederum deutlich zweistellig zulegen. Doch ob die Märkte dies in diesem Jahr schaffen, ist noch nicht abgemacht – der Kursrutsch im Februar ist vielen noch in frischer Erinnerung.

Anja Eijking ist Fondsmanagerin bei F&C Investments.

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