Auktion
Banken verschmähen neue zehnjährige Bundesanleihe

Deutschland kommt nicht mehr so leicht an Geld. Fünf Milliarden Euro wollte der Bund über eine neue zehnjährige Anleihe einsammeln. Doch so viel kam nicht zusammen – trotz der vergleichsweise hohen Rendite.
  • 2

FrankfurtDas hätten Banker nicht erwartet. Angesichts der seit Mitte April deutlich gestiegenen Renditen und der noch nicht gesicherten Hilfen für Griechenland sollte die Auktion der zehnjährigen Bundesanleihe „gut unterstützt“ sein, schrieben noch am Morgen die Analysten der Commerzbank in ihrem Marktausblick. Doch gekommen ist es anders. Um 11.30 Uhr fiel der sprichwörtliche Hammer für die Versteigerung der neuen zehnjährigen Bundesanleihe im Volumen von fünf Milliarden Euro. Doch die Kaufgebote lagen bei nur 4,499 Milliarden Euro. Das ist bereits das achte Mal in diesem Jahr, dass es zunächst zu wenig Nachfrage nach einem Bundeswertpapier gab.

Dabei hat die neue zehnjährige Bundesanleihe erstmals seit November 2014 wieder einen Zinskupon von immerhin einem Prozent. Die Vorgänger-Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit hatten Zinsscheine von nur einem halben Prozent. Inzwischen sind jedoch die Kurse von Bundesanleihen im Handel wieder gefallen und die Renditen im Gegenzug gestiegen. Deshalb ist die nominale Verzinsung von einem Prozent „marktnäher“ als ein Kupon von nur einem halben Prozent.

Ausgegeben wurde die Anleihe zu einem durchschnittlichen Kurs von 101,18 Prozent. Daraus ergab sich eine Rendite von 0,88 Prozent. So viel hat Deutschland bei der Platzierung einer zehnjährigen Anleihe seit vergangenen Oktober nicht mehr bezahlen müssen.

Dennoch waren die 0,88 Prozent offensichtlich zu wenig, um Investoren anzulocken. Dabei rechnen von Bloomberg befragte Analysten im Schnitt damit, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe Ende des Jahres mit 0,83 Prozent sogar noch etwas niedriger liegen könnte. Die Entwicklung der deutschen Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit steht dabei traditionell besonders im Fokus der Investoren. „Sie gilt als Benchmark für die langfristigen Kapitalmarktzinsen“, sagt dazu Joachim Goldberg, der sich seit fast 20 Jahren mit der verhaltensorientierten Kapitalmarktanalyse beschäftigt.

Seite 1:

Banken verschmähen neue zehnjährige Bundesanleihe

Seite 2:

Keine Sorge um Deutschlands Refinanzierung

Kommentare zu " Auktion: Banken verschmähen neue zehnjährige Bundesanleihe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Banken verschmähen neue zehnjährige Bundesanleihe...
    Versteh ich nicht, die bekommen doch das Geld in Mark zurück, also ein plus von
    30% und mehr zum Euro.

  • Steigen die Zinsen, und das ist nur eine Frage der Zeit, dann bekommen diejenigen Banken, welche in den letzten Monaten die Niedrigzinsanleihen des Staates kauften, riesige Probleme! Steigen die Zinsen, fallen die Kurse dieser Papiere.

    Somit müssen dann in einigen Jahren wieder einmal Banken gerettet werden, diesmal Deutsche Banken! Ihr Fehler: Sie kauften Deutsche Staatsanleihen!!!

    Und wieder wird dann der Ruf gegen Banken laut, die gerettet werden müssen! Dabei vergessen viele, dass diese Banken nicht immer freiwillig Bundesanleihen kauften, ohne die auch der Deutsche Staat schon längst pleite wäre!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%