Auktions-Flop
Anleger boykottieren deutsche Staatsanleihen

Deutschland gilt in der Euro-Krise als letzte Zuflucht für Anleger. Seit Monaten sinken die Zinsen für deutsche Staatsanleihen. Jetzt scheint das Pendel umzuschlagen. Neue Staatsanleihen wird Deutschland kaum noch los.
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BerlinInvestoren verlieren den Appetit auf deutsche Staatsanleihen. Sechs Milliarden Euro wollte der Bund am Mittwoch bei der Versteigerung neuer Papiere mit zehnjähriger Laufzeit einsammeln. Die Anleger boten aber nicht einmal 3,9 Milliarden Euro, so dass für 35 Prozent des angebotenen Volumens die Nachfrage fehlte. Analysten sprachen von einem Desaster, Euro und Aktienmärkte gerieten unter Druck.
Regierung und Europäische Zentralbank (EZB) bemühten sich, Zweifel an der Fähigkeit Deutschlands zu zerstreuen, sich ausreichend Geld am Kapitalmarkt zu beschaffen. „Das Ergebnis der heutigen Auktion spiegelt das äußerst nervöse Marktumfeld wider“, sagte ein Sprecher der für das Schuldenmanagement des Bundes zuständigen Finanzagentur. Das Ergebnis bedeute „keinerlei Refinanzierungsengpass für den Bundeshaushalt“. Das angestrebte Gesamtvolumen solle nun über Verkäufe am Sekundärmarkt erreicht werden, auf dem Anleihen gehandelt werden.

„Es ergibt sich daraus überhaupt kein Problem“, sagte auch der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble. EZB-Vizepräsident Vitor Constanzio betonte, er hege keine Zweifel an der Refinanzierung.

Der Bund muss sich allein in diesem Jahr 275 Milliarden Euro von Investoren leihen, um Defizite zu decken und Altschulden zu bedienen. Am Markt stieg die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen wieder über zwei Prozent und erstmals seit Oktober über die von US-Staatsanleihen. Der Euro fiel auf ein Sechs-Wochen-Tief von 1,3382 Dollar. Der Deutsche Aktienindex Dax gab nochmals nach.

Experten und Märkte reagierten schockiert auf das Ergebnis. „Das ist ein völliges Desaster“, sagte Analyst Marc Ostwald von Monument Strategies. „Es ist besorgniserregend, dass die beste Bonität Europas sich nicht im geplanten Umfang refinanzieren konnte“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. „Wir werten das als Misstrauensvotum gegen die Euro-Zone.“

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Niedrige Rendite schreckt Investoren ab

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  • sorry, aber es sind 50 Bundesstaaten ... FÜNFZiG

  • Der Markt,die Anleger haben verstanden ,dass Deutschland
    eben genauso hoch verschuldet ist wie alle anderen Euroländer.Die zusätzliche Übernahme von Anleihen und Schulden sowie Gewährleistungen für andere Eurostaaten
    verschlechtern eben auch die Bonität von Deutschland.
    Dazu kommt die abwärts gehende Konjunktur in Deutschland.
    Die Anlager haben aber auch aus der Erfahrung mit Griechenland gelernt, wo 50 % Abschläge der Anleihen zu verarbeiten sind. Für die Bundesregierung sollte dies ein
    Hinweis sein, dass es auch für Deutschland zu Ende geht
    sich am Markt problemlos refinanzieren zu können!
    Es war eben alles, nur eine Frage der Zeit.

  • da Sie so vehement für die Vereinigten Staaten von Europa sind, haben Sie vergessen, daß Ostdeutschland von der Wiedervereinigung völlig überfordert wurde und seitdem nur mit gigantischen Summen jährlich am Sterben gehindert wird? Dasselbe ist mit dem Mezzogiorno in Italien, der kommt auch nie auf die Füße. Im Gegensatz zu dem, was all diese Gutmenschen glauben, wird ein Schwacher nicht stärker, wenn er einem Starken in den Arm gelegt wird, im Gegenteil.

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