Ausblick "negativ"
S&P watscht Griechenland ab

Griechenland muss seine Staatsverschuldung senken. Der IWF will einem Medienbericht zufolge, dass dem Land ein weiterer Teil der Schulden erlassen wird. Unterdessen verpasst S&P den Griechen einen neuen Schlag.
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London/BrüsselDie ohnehin schon fast auf dem Boden liegende Kreditwürdigkeit Griechenlands könnte durch die Ratingagentur Standard & Poor's noch weiter abgestuft werden. Die Amerikaner senkten den Ausblick für das Land am Dienstagabend auf „Negativ“. Die aktuelle Einstufung bestätigte die Agentur mit „CCC/C“. Bisher sieht die Agentur damit Investments in griechische Verbindlichkeiten als extrem spekulativ an. Eine Stufe darunter wird mit „D“ ein Zahlungsausfall für sehr wahrscheinlich gehalten.

Die Amerikaner betrachten die Perspektiven Griechenlands erheblich negativer als die Experten von Eurozone und Internationalem Währungsfonds (IWF). Während diese bis 2013 mit einem Schrumpfen der hellenischen Wirtschaft um vier bis fünf Prozent rechnen, vermutet die Agentur ein Minus von zehn bis elf Prozent.

Kurz zuvor hatte die EU-Kommission die geltenden Schuldenziele für Griechenland bekräftigt. Im Gegenzug für internationale Hilfen hat sich das krisengeplagte Land verpflichtet, die Staatsverschuldung innerhalb der nächsten acht Jahre auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. „Das ist ein ehrgeiziges Ziel für Griechenland bis 2020 und wir halten an dieser Abmachung fest“, sagte ein Sprecher am Dienstag in Brüssel. Einen Bericht des „Wall Street Journal“, nach dem der IWF auf Änderungen der Bedingungen pocht, wollte der Sprecher nicht bestätigen.

Das „Wall Street Journal“ hatte unter Berufung auf nicht genannte Quellen im IWF berichtet, der Währungsfonds wolle die griechische Staatsverschuldung bis 2020 in der Nähe von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung sehen. Damit das gelingt, sollte dem Land ein weiterer Teil seiner Schulden erlassen werden. Experten weisen allerdings darauf hin, dass solche Zahlen angesichts der desolaten Wirtschaftslage in Griechenland ohnehin völlig willkürlich gewählt sind - die Entwicklung in den nächsten Jahren gilt als nicht vorhersehbar.

Die Staatsverschuldung Griechenlands beträgt nach Zahlen der EU-Kommission derzeit 160 Prozent der Wirtschaftsleistung, fast doppelt so viel wie in Deutschland. Die Länder mit der Euro-Währung haben eigentlich ein Schuldenziel von maximal 60 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Am Dienstag hat das von der Staatspleite bedrohte Land 812,5 Millionen Euro frisches Geld am Kapitalmarkt eingesammelt. Dies teilte die Schuldenagentur PDMA mit. Die Laufzeit der Papiere beträgt 26 Wochen und der Zinssatz 4,68 Prozent. Er liegt damit geringfügig niedriger als im Juli. Damals betrug der Zinssatz 4,7 Prozent.

Griechenland leiht sich immer wieder für kurze Zeit Summen am Geldmarkt, um seine leeren Kassen zu füllen. An Kredite mit längerer Laufzeit von fünf bis zehn Jahren ist derzeit nicht zu denken. Das Land hängt daher am Tropf der Rettungshilfen von EU und IWF.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Griechen-Rettung auf die krumme Tour
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    Mit abenteuerlichen Methoden hilft die Europäische Zentralbank Athen über die akute Finanznot hinweg. Die Euro-Retter hangeln sich nur noch von Woche zu Woche. Die Troika hat faktisch keine Wahl mehr: Sie muss die nächste Hilfszahlung freigeben, egal wie es um die Reformen steht.
    Der paradoxe Plan: Die Zentralbank selbst pumpt Geld nach Griechenland, damit das Land dann wiederum die fällige Anleihe an die EZB zurückzahlen kann.

    Das Vorhaben ist heikel, denn die Finanzierung von Staaten ist der Notenbank untersagt. Darum wird über die absurden Geldströme nicht offen gesprochen. Die EZB ließ lediglich durchblicken, dass sie Griechenland unter die Arme greifen werde.

    Inzwischen ist durchgesickert, wie die Notenbanker das Land bis zur Auszahlung der nächsten Hilfsgelder durchschleppen wollen: Die EZB schlägt den Umweg über die griechische Notenbank ein und erlaubt ihr die Ausgabe von zusätzlichen Notkrediten an die Kreditinstitute des Landes. Diese wiederum sollen für das Geld griechische Anleihen mit kurzer Laufzeit kaufen. Vier Milliarden Euro sollen so zusammenkommen.

    Die griechische Notenbank akzeptiert die Wackelanleihen als Sicherheit und stattet die ebenfalls völlig maroden Geschäftsbanken des Landes mit frisch gedruckten Euro aus - die letztlich von der EZB kommen.
    Die griechische Notenbank - faktisch kaum mehr als die Athener Zweigstelle der EZB - darf dies aber weiterhin tun. Dass die Euro-Banker sich so verbiegen, zeigt, wie brenzlig die Lage ist: Die Staatspleite Griechenlands wird mittlerweile nur noch von Woche zu Woche aufgeschoben - und die Politik stiehlt sich aus der Verantwortung.

    Quelle: Spiegel
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/die-ezb-muss-die-pleite-in-griechenland-abwenden-a-848682.html

  • Grechenland muß im der Eurzone bleiben!
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    Das sagen jedenfalls unsere Eurokraten!!!

    Hierzu ein kleines Essay von mir:

    Wir schreiben das Jahr 2050 ©
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    ... Griechenland erhält "alternativlos" das 200. "Rettungspaket". Alle Griechen werden nach ihrem Schulbesuch sofort "verbeamtet" und in Pension geschickt. Als Pension gibt es dann 5.000€ netto (Steuern kennen die Griechen ja nicht) mit einer jählichen Zuwachsrate von 10%.

    Die Deutschen arbeiten dann bis zu 85 und erhalten nur noch eine Mindestrente von 200€, zahlen 50% Steuern und neue Abgaben wurden "erfunden". (z.B. der "Griechensoli").

    Schöne neue Welt, bisher gab/gibt es das nur in "Endzeit-Filmen".

    "Im besten Fall sind lediglich die Milliarden weg, die Deutschland für die übrigen Euro-Länder und die mögliche Stützung des eigenen Bankensystems zur Verfügung stellen muss. Im schlimmsten Fall droht eine umfassende Euro-Krise, die auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen würde."

  • Griechenland ist pleite!!
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    "Der Währungsfonds wolle die griechische Staatsverschuldung bis 2020 in der Nähe von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung sehen. Damit das gelingt, sollte dem Land ein weiterer Teil seiner Schulden erlassen werden. Experten weisen allerdings darauf hin, dass solche Zahlen angesichts der desolaten Wirtschaftslage in Griechenland ohnehin völlig willkürlich gewählt sind - die Entwicklung in den nächsten Jahren gilt als nicht vorhersehbar."

    Derzeit beträgt die Verschuldung - nach dem „Haircut“ bei 160%, und jetzt fordert der IWF einen weiteren.
    Selbst die damals geforderten 120% sind/können nie eingehalten werden. Griechenland ist schon lange auf „D“.
    Es kann/wird seine Schulden nie zurückzahlen. Die Zinsen können nur zurückgezahlt werden, wenn sie von der EU neues Geld „geschenkt“ bekommen!
    Und das die „sogenannte“ Troika letzt Woche sagte „Griechenland sei auf einen guten Weg“, ist ein schlechter Witz! Griechenland war noch nie auf "einem guten Weg"!
    Solange in Griechenland kaum Steuern gezahlt werden, Selbsständige sich „legal“ armrechnen können, Reeder per Gesetz von der Steuer befreit sind und Reformen nur angekündigt, aber nicht umgesetzt werden, ändert sich nichts. Es wurden noch keine Beamte entlassen, sie wurden nur auf andere Staatsbetriebe „umgesetzt“; und die Privatisierung liegt seit 2 Jahren brach.

    Griechenland war, ist und bleibt ein „Faß ohne Boden“!

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